Terror

Im Innern der Tunnel des Terrors

Ein Mitglied des militärischen Arms der Hamas in einem Tunnel unterhalb der Palästinenserenklave. Foto: Flash 90

Das israelische Militär hat ein »gewaltiges Tunnelsystem« der Terrororganisation Hamas unter der Stadt Gaza entdeckt. Nun wurden israelische Reporter von Soldaten auf den Palästina-Platz im Herzen der Stadt geführt, der ihnen als Zentrum des unterirdischen Tunnel-Netzwerks beschrieben wurde.

Die Tunnelräume befänden sich 20 Meter unter der Erde und verfügten über Fahrstühle, Treppen und eigene Wasser- und Stromschächte sowie Kommandoräume und Wohnungen für die Führung der Hamas, erklärte Armeesprecher Peter Lerner.

Waffen, Wasservorräte und Lebensmittel für längere Aufenthalte seien dort gelagert gewesen. Den Angaben zufolge war einer der Räume eine Art Saal mit einem Durchmesser von 150 Metern.

Das Militär veröffentlichte zudem Videos von den Untergrund-Büros. Soldaten hätten auch einen Rollstuhl gefunden, der dem Befehlshaber des militärischen Arms der Hamas, Mohammed Deif, gehört habe, hieß es.

Militärsprecher Daniel Hagari erklärte, dass Hamas-Mitglieder die weitläufige unterirdische Infrastruktur routinemäßig genutzt hätten, »bei Notfällen und auch zu Beginn des Krieges am 7. Oktober«. Die Tunnel erstreckten sich über die gesamte Stadt Gaza und in große Krankenhäuser.

Hagari deutete überdies an, dass die israelischen Streitkräfte ihre Operationen im Norden des Gazastreifens, darunter der Stadt Gaza, zurückfahren würden. So seien die Truppen in die letzte verbliebene Hochburg der Hamas in der Stadt Gaza eingerückt, das Viertel Tufah.

Die Gefechte konzentrieren sich inzwischen vornehmlich auf den Süden des Gazastreifens, wo sich die Hamas-Führung laut dem israelischen Militär versteckt halten soll.

Militärsprecher Hagari nannte auch neue Details zur versehentlichen kürzlichen Tötung dreier Geiseln der Hamas durch israelische Soldaten in der Stadt Gaza. Eine weitere Untersuchung habe ergeben, dass ein mit einer Körperkamera ausgestatteter Spürhund des Militärs fünf Tage vor dem tödlichen Vorfall Hilfeschreie der drei jungen Männer auf Hebräisch aufgenommen habe. Die Aufnahme sei erst nach der Tötung der Geiseln geprüft worden, räumte Hagari ein.

Die drei jungen Männer waren nach vorangegangenen Militärangaben mit freiem Oberkörper und weißer Fahne im Stadtteil Schedschaija aus einem Gebäude in der Nähe der Soldaten gekommen, um wohl zu zeigen, dass sie keine Bedrohung darstellten. Zwei von ihnen wurden sofort getötet, der dritte lief zurück in das Gebäude und rief auf Hebräisch um Hilfe. Als er sich auf eine Aufforderung hin zeigte, wurde auch er erschossen.

Die jungen Männer gehörten zu den mehr als 240 Menschen, die beim Großangriff der Hamas und anderer Terrorgruppen in Israel am 7. Oktober als Geiseln genommen und in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die Tötung der Geiseln durch das eigene Militär hat einen Aufschrei in Israel ausgelöst und Rufe nach einer neuen Vereinbarung mit der Hamas laut werden lassen.

Im Rahmen einer Einigung auf eine Waffenruhe waren im November mehr als 100 Geiseln aus der Gewalt der Terroristen freigekommen und im Gegenzug 240 palästinensische Häftlinge aus israelischer Haft entlassen worden.

Tel Aviv

Bericht warnt vor möglichem Einfluss Ben Gvirs auf Polizeiarbeit im Wahlkampf

Die Autoren fordern darin klare Vorgaben, die die Handlungsspielräume der Polizei im Wahlkampf deutlich einschränken

 01.06.2026

Gesundheit

Sprunghafter Anstieg: Immer mehr Israelis rauchen

Viele Konsumenten greifen offenbar verstärkt zur Zigarette, um mit der durch den Krieg verursachten psychischen Belastung umzugehen

 01.06.2026

Westjordanland

Terroranschlag an Bushaltestelle: Zwei Jugendliche verletzt

Nach Angaben der Armee steuert ein Palästinenser sein Fahrzeug in eine Bushaltestelle. Eine 17-Jährige wird schwer verletzt, eine 15-Jährige mittelschwer

 01.06.2026

Kulinarisch

Ein Michelin-Stern für die Safta

Tränen, Konfetti und ein Stück Geschichte: Das Restaurant »Mutra« des Israelis Raz Shabtai erhält als erstes koscheres Lokal weltweit die legendäre Auszeichnung

von Sabine Brandes  31.05.2026

Krieg gegen die Hisbollah

Israelische Armee nimmt Burg Beaufort im Südlibanon ein

Die strategische Höhenfestung galt einst als Symbol des Libanonkriegs – nun steht sie wieder unter israelischer Kontrolle

von Sabine Brandes  31.05.2026 Aktualisiert

Blick in die Zukunft

Ehemalige Geisel sucht nach der Hölle die Liebe

Nach 738 Tagen in der Gewalt der Hamas baut Eitan Horn sein Leben neu auf – und wünscht sich Frau und Familie

von Sabine Brandes  31.05.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Libanon

Israel stellt sich auf mehr Angriffe der Hisbollah ein

Am Wochenende griff die Hisbollah Kiriat Schmona im Norden Israels in vier Wellen an. Die israelische Armee bereitet sich auf einen verstärkten Raketenbeschuss vor und weitet ihre Bodeneinsätze im Südlibanon aus

 31.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Wir sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026