Vorbereitung

Holz für die Hütten

Der erste Regen des neuen Jahres, sagt man in Israel, falle in der Sukkotwoche. Wenn die Familien in ihren geschmückten Laubhütten beisammensitzen, die ersehnten Tropfen durch das Palmendach auf den frisch gebackenen Kuchen prasseln, freuen sich Kinder wie Erwachsene über den langersehnten Niederschlag. Fast genauso viel Freude lösen die Feiertagsangebote aus, die rechtzeitig zum Fest das Herz der Hüttenbauer höher schlagen lassen. So ist 5771 der Sukka-Bausatz mit Schnappverschlüssen Renner in den Baumärkten, große und kleine Kinder müssen unbedingt die Papierstreifen mit schillernden 3-D-Mustern fürs Girlandenbasteln haben.

tradition Dem biblischen Gebot, eine Woche lang in der Sukka, der Laubhütte, zu wohnen, kommen die wenigsten nach. Doch dank des milden Wetters im September halten sich dennoch viele Israelis gern im Freien auf. Wie Familie Schimony aus Tel Aviv. »Wir sind säkulare Juden, aber während der Feiertage sitzen wir täglich mindestens zu einem gemeinsamen Mahl in der Sukka. Wir laden dazu gern Freunde ein, das hat schon Tradition«, erzählt Mutter Michal.

Mittlerweile wahrer Fachmann beim Sukkabauen ist Ehemann Beni geworden. »Bei uns gibt es jedes Jahr eine – und wir werden immer besser«, sagt er stolz. Eigentlich ist Beni Computerspezialist, in den Tagen vorm Fest aber entwickelt er sich zum Statiker und Architekten, ganz im Sinne seiner drei Sprösslinge. »Erst kaufen wir das Material, dann bauen wir daraus ein kleines Häuschen im Garten, richten es ein, und die Kinder schmücken es. Das ist doch der absolute Traum für die Kleinen – und ein wenig auch für die Großen,«, sagt er und schmunzelt. »Sukkot ist also für jeden etwas.«

Und auch die Laubhütten gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel: Von schnell zusammengezimmerten Bretterbuden mit Wänden aus Bettlaken über klapprige Bauten aus grünen Plastikplanen und standhafte Holzhäuschen, liebevoll verziert, bis zur Sukka als Fertigbausatz mit aufgedruckten Früchten – rundherum ist alles zu finden. Letztere im Sonderangebot für 499 Schekel, um die 100 Euro. Einzige Vorgaben für die Sukka sind drei Wände, der Aufbau im Freien sieht ein durchlässiges Dach vor. Ansonsten ist erlaubt, was gefällt. Es darf gemalt, gebastelt und verziert werden, wonach der Sinn steht. In Supermärkten und Billigläden quellen die Regale schon seit Tagen mit Dekorationsartikeln über.

Symbole Auch die Arbaat Haminim, die vier Arten, dürfen als wichtiges Symbol nicht fehlen: die Zitrusfrucht Etrog, der Lulaw (Palmwedel), Hadass (Myrtenzweig) und die Arawa (Bachweide). Im Jerusalemer Viertel Mea Schearim gibt es einen Arbaat-Haminim-Markt, auf dem die Etrogim hoch gehandelt werden. Für einen besonders hochwertigen, von orthodoxen Rabbinern mit Argusaugen untersucht, koscher unversehrt und ohne dunkle Stellen, kann man locker bis zu 150 Euro hinblättern.

Wie jedes Jahr so kursiert auch in diesem wieder das Gerücht, Ägypten wolle den Lulaw-Export verbieten, um die Pflanzen zu schützen. Experten gehen aber mittlerweile davon aus, dass es nichts weiter als Kalkül ist, um die Preise der Palmwedel in die Höhe zu treiben. Die Lulawim werden auch in Israel angebaut, vornehmlich im Bet-Schean-Tal, doch der Bedarf, etwa 500.000 Exemplare, wird von den lokalen Anbauern nicht gedeckt.

Grün So entzückend die Hütten von Nahariya bis nach Eilat sind, so traurig ist in vielen Orten die immergrüne Straßendekoration anzuschauen. Obwohl die Stadtverwaltungen im Land schon vor Wochen gewarnt hatten: »Jeder, der Pflanzen an öffentlichen Plätzen beschneidet, wird angezeigt und mit einer hohen Geldstrafe belegt.« Es half wenig. Einige wenige Blätter in der Mitte stehen meist noch, ansonsten sind die Diebe mit Sägen und scharfen Messern wenig zimperlich mit den Dattelpalmen umgegangen.

Dabei muss man gar nicht stehlen, denn das Grün, genannt S’chach, ist seit Montag in vielen Orten für kleines Geld zu haben. Meist verkaufen religiöse Juden die Palmblätter für zwei bis drei Schekel (40 bis 60 Cent) das Stück am Straßenrand. Geschlagen wird es erst nach Jom Kippur, nur dann entspricht es den Richtlinien der Kaschrut und darf verwendet werden. Zu dicht dürfen die Blätter nicht liegen, schließlich soll man durch sie in jeder Nacht – wie die Vorfahren in der Wüste – die unendlichen Sterne am Firmament leuchten sehen.

Westjordanland

Knesset-Abgeordneter zerstört palästinensisches »Märtyrer«-Denkmal

Zvi Sukkot fuhr unter Armeeschutz nach Madama. Die IDF wirft dem Abgeordneten vor, sie getäuscht zu haben

 26.08.2026 Aktualisiert

Wissenschaft

Zwei israelische Unis unter den besten der Welt

Das Weizmann Institute of Science in Rehovot und die Hebräische Universität Jerusalem schafften es in die Top 100

 26.08.2026

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 26.08.2026

Jerusalem

Netanjahu warnt vor Stimmenverlusten im rechten Lager

»Bei dieser Wahl zählt jede Stimme. Verschwenden Sie Ihre Stimme nicht an kleine Parteien«, sagt der Ministerpräsident. Den Grund für diese Warnung liefern die jüngsten Umfragen und die Geschichte

 26.08.2026

Nir Oz

Herzog: Sorgen der Bewohner an der Gaza-Grenze dürfen nicht unterschätzt werden

»Der Staat Israel ist hier, beobachtet, ist wachsam und verteidigt«, sagt der Präsident in einem der Kibbuzim, die am 7. Oktober 2023 attackiert wurden

 26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Krieg

Trump droht Iran mit Zerstörung von Minenbooten und -schiffen

Immer wieder droht der US-Präsident mit der Zerstörung des Irans. Einen Tag nach Äußerungen zu neuen Sanktionen gegen das Land holt Trump wieder aus

 25.08.2026

Glauben

Trotz Krieg: 45.000 Chassidim pilgern nach Uman

Für die Reise zum Grab von Rabbi Nachman werden Hunderte Flüge über sechs Nachbarländer organisiert – Israel schickt Polizisten und Diplomaten

von Sabine Brandes  25.08.2026