Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

IAEA-Chef Rafael Grossi Foto: picture alliance / ALEX HALADA / picturedesk.com

Ein 2007 von Israel zerstörter geheimer syrischer Reaktor war nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nahezu fertiggestellt. Die Anlage im ostsyrischen Deir ez-Zor sei als Atomreaktor entwickelt worden und hätte aufgrund ihrer Bauweise sehr effizient spaltbares Material produzieren können, das potenziell für Atomwaffen geeignet gewesen wäre, sagte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi am Montag in Wien, wie der »Jewish Chronicle« berichtet.

»Es ist offensichtlich, dass die vorherige Regierung eine Reihe von geheimen Aktivitäten verfolgt hat«, sagte Grossi vor Journalisten. Damaskus habe nicht gewollt, dass die Außenwelt von den Aktivitäten erfahre.

Inspektionen an zwei Standorten hätten die früheren Erkenntnisse der Behörde bestätigt. Die Anlage in Deir ez-Zor sei unter der Herrschaft des inzwischen gestürzten syrischen Präsidenten Baschar al-Assad entwickelt worden. Nach Angaben der IAEA fanden Inspektoren bei einem Besuch im vergangenen Monat Infrastruktur, die mit einem Atomreaktor vereinbar sei, darunter Kühlsysteme. Grossi zufolge war die Anlage zum Zeitpunkt ihrer Zerstörung »fast fertiggestellt«.

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Israel hatte die Anlage im September 2007 aus der Luft angegriffen, seine Verantwortung dafür aber erst 2018 offiziell eingeräumt. Die USA warfen Syrien 2008, ein Jahr nach dem Angriff, vor, heimlich einen Atomreaktor bauen zu wollen. Die IAEA war 2011 zu dem Schluss gekommen, dass es sich bei dem Standort »sehr wahrscheinlich« um eine nukleare Anlage gehandelt habe, möglicherweise mit Unterstützung aus Nordkorea.

Die IAEA inspizierte zudem einen zuvor nicht deklarierten Standort, auf den Syriens neue Behörden unter der Führung des früheren Al-Qaida-Kämpfers Ahmed al-Scharaa hingewiesen hatten. Dort fanden die Inspektoren rund 73 Tonnen natürliches Uranmetall in Form von Brennstäben.

Grossi zufolge waren die Bedingungen für den Zugang zu dem Material schwierig. Das Uran sei hinter Wänden und in engen Durchgängen verborgen gewesen. Inzwischen stehe es unter IAEA-Sicherungsmaßnahmen. An dem Standort seien Überwachungskameras installiert worden.

Syriens neue Regierung kooperiert seit dem Sturz Assads im Dezember 2024 mit der IAEA. Sie gewährt den Inspektoren Zugang zu mutmaßlichen Nuklearanlagen und hat zuvor unbekannte Standorte offengelegt.

Der Gouverneursrat der IAEA soll in dieser Woche über eine Resolution beraten, mit der die langjährige Untersuchung der früheren syrischen Nuklearaktivitäten beendet werden könnte. Grossi betonte jedoch, die Behörde werde die Überwachung des nuklearen Materials in Syrien fortsetzen.

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