Justizreform

Gespräche um Kompromiss auf Eis gelegt

Premier Benjamin Netanjahu nach der Abstimmung, die keine war. Foto: Flash90

Die Kompromissgespräche zur Justizreform sind gestoppt. Nach dem Politdrama, das sich am Mittwoch in der Knesset abspielte, haben Vertreter der Opposition angekündigt, dass sie die Verhandlungen, die seit Wochen mithilfe der Vermittlung von Präsident Isaac Herzog stattfinden, nicht weiterführen werden. Zumindest so lange nicht, wie die Wahlen zum Richterernennungs-Ausschuss ausgesetzt sind.

WAHLEN Doch genau die hatte Premierminister Benjamin Netanjahu absichtlich torpediert. Er persönlich hatte seine Koalitionsmitglieder angewiesen, nicht für die eigenen Kandidaten abzustimmen. Und so wählten die Abgeordneten in der anonymen Wahl kein Mitglied der Regierungskoalition in das Gremium.

Das Fazit: Die Kandidatin der Opposition Karine Elharrar (Jesch Atid) konnte sich zwar durchsetzen – doch es bedarf zweier Mitglieder im Ausschuss. Somit muss noch einmal gewählt werden - in 30 Tagen.

Der Premierminister hatte damit dem Druck von Mitgliedern seiner eigenen Partei und seinen Koalitionspartnern nachgegeben. Denn die Akzeptanz eines Ausschuss-Mitgliedes aus den Reihen der Opposition war einer der Kompromissvorschläge des Präsidenten gewesen.

Das aber wollten die Hardliner der Regierung, allen voran der rechtsextreme Vorsitzende der Partei Otzma Jehudit, Itamar Ben-Gvir, nicht hinnehmen, da ihm persönlich im Koalitionsvertrag ein Sitz im Gremium versprochen worden war.

»Netanjahu weiß sehr gut, welche Auswirkungen sein Handeln hat. Sie wurden ihm von Präsident Herzog und von uns klar gemacht.«

oppositionsführer yair lapid

Die Opposition sieht die Verzögerung der Einberufung des Ausschusses als »Polit-Trick von Netanjahu«, mit dem er versuchen wolle, die Auswahl der Richter des Obersten Gerichtshofes durch eine Änderung der Gesetzgebung oder durch eine Machtverschiebung im Gremium zu kontrollieren.

GERICHTE Oppositionsführer Yair Lapid sagte noch am Abend, Netanjahu habe die Wahl des Vertreters der Koalition in das Gremium in vollem Bewusstsein verhindert, um der Regierung die Möglichkeit zu geben, die Macht der Gerichte zu schwächen.

Die Zusammensetzung des Gremiums, das letztlich die Richter des Obersten Gerichtshofs auswählen soll, war Teil der von der Koalition vorgelegten Gesetzesentwürfe zur Reform der Justiz. Nachdem Anfang des Jahres dagegen Massendemonstrationen ausgebrochen waren und die Ankündigungen negative Auswirkungen auf Israels Wirtschaft und internationales Ansehen hatten, kündigte Premier Netanjahu an, dass er die Gesetzgebung aussetzen werde, bis eine breite Einigung mit der Opposition erzielt sei.

Wochenlang berieten sich beide Seiten immer wieder, um zu einem Kompromiss bei den extrem kontroversen Gesetzgebungen zu gelangen. Herzog hatte mehrfach davor gewarnt, dass der Bruch in der israelischen Gesellschaft unbedingt vermieden werden müsse.

PROTESTE Die Protestbewegung, die seit 23 Wochen jeden Samstagabend auf den Straßen in der ganzen Nation ihren Unmut kundtut, forderte die Israelis am Mittwoch auf, die Demonstrationen zu intensivieren. »Netanjahu hat den Krieg gegen die Demokratie gewählt, und wir werden ihn gewinnen«, schrieben sie in einer gemeinsamen Erklärung.

»Netanjahu weiß sehr gut, welche Auswirkungen sein Handeln hat. Sie wurden ihm von Präsident Herzog und von uns klar gemacht. Wenn es kein Gremium zur Auswahl der Richter gibt, wird es keine Gespräche geben, um eine umfassende Einigung über eine Justizreform zu erzielen«, sagte Lapid -und fügte hinzu: »Der Premierminister, der einst ein Lügner, aber ein starker Politiker war, ist jetzt nur noch ein Lügner.«  

Als Reaktion darauf sagte Netanjahu, die Opposition habe es von Anfang an nicht ernst gemeint, einen Kompromiss zu erzielen. Bei diesen Aussagen hört es sich fast so an, als wären die Gespräche nicht nur auf Eis, sondern gleich ganz ad acta gelegt.

Psychologische Kriegsführung

Teheran droht Netanjahu mit Tod

Iranische Revolutionsgarden veröffentlichen Erklärung, man werde den israelischen Premier »verfolgen, solange er lebt«

von Sabine Brandes  15.03.2026

Medizin

Kaiserschnitt im Parkhaus

Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran haben israelische Krankenhäuser sämtliche Patienten in unterirdische Bereiche verlegt – und das innerhalb weniger Stunden

von Sabine Brandes  15.03.2026

Wetter

Sandsturm zieht über Israel und Gazastreifen

Die Luftverschmutzung im ganzen Land ist aufgrund von Feinstaubpartikeln hoch bis sehr hoch

 14.03.2026

Israel

Armee meldet 400 Angriffswellen gegen Iran in zwei Wochen

Besonders Raketenanlagen und Verteidigungssysteme standen im Fokus

 14.03.2026

Raketen aus Iran

Ein Kind und ein Erwachsener in Eilat verletzt

In der südisraelischen Stadt gab es mehrere Einschläge von Raketen- und Trümmerteilen

 14.03.2026

Beit Zazir

Herzog weist Trumps Angriffe zurück: Israels Souveränität »nicht zu verkaufen«

Der israelische Präsident spricht von einem »unverhohlenen Angriff auf die Symbole der Staatsführung« seines Landes

 13.03.2026

Alltag im Krieg

Mitgehört im Bunker ...

Schlaflos in Tel Aviv: Iranische Raketen halten in den Nächten die Israelis wach

von Sabine Brandes  13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026