Israel

Kein Durchbruch bei Geisel-Verhandlungen in Kairo

David Barnea (Mossad/ li.) und Ronen Bar, Shin Bet Foto: copyright (c) Flash90 2024

Vor dem Hintergrund einer drohenden militärischen Eskalation in Nahost ist am Samstag eine israelische Delegation zu indirekten Verhandlungen über die weiterhin von der Terrororganisation Hamas in Gaza gefangengehaltenen 115 Geiseln in Ägyptens Hauptstadt gereist. Laut israelische Berichten waren die Chefs der Geheimdienste Mossad (Ausland), David Barnea, und Schin Bet (Inland), Ronen Bar, darunter. Ägypten, Katar und die USA haben vermittelt.

Nachdem unter anderem US-Präsident Joe Biden in einem, wie dieser sagte, »sehr direkten« Gespräch mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu darauf hingewiesen hat, dass die Tötung des politischen Hamas-Führer Ismail Haniyeh am vergangenen Mittwoch - für die Israel bisher nicht die Verantwortung übernommen hat - die Chance auf eine Freilassung der Geiseln beeinträchtigt habe, und nach wie vor der Vorwurf im Raum steht, dass der Premier einen Deal mit der Hamas sabotiere, wehrte sich das Büro Netanjahus am Freitagabend mit scharfen Worten: »Sinwar ist das Hindernis für das Abkommen, nicht der Premierminister«. Das berichtet die »Jerusalem Post«.

Schärferer Umgangston

Bei den Gesprächen in Kairo mit dem ägyptischen Geheimdienstminister Abbas Kamal und anderen hochrangigen Regierungsvertretern sollte es Berichten zufolge auch um künftige Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze des Gazastreifens zu Ägypten gehen. Israel will verhindern, dass sich die Hamas über diese Grenze Nachschub an Waffen und Munition sichert.  

Laut einem Bericht des israelischen Newsportals »walla.co.il« hat sich Katar nach der Tötung Hanijehs vorläufig als Vermittler aus den Gesprächen zurückgezogen. Das Golfemirat hält in dem Prozess die Kontakte zur Terrororganisation Hamas. Hanijeh lebte in der katarischen Hauptstadt Doha im Exil, wo er am Freitag beerdigt wurde.

Lesen Sie auch

Die letzte Gesprächsrunde unter Leitung von CIA-Direktor William Burns hatte Ende Juli in Rom mit dem katarischen Premierminister Mohammed Al-Thani und dem ägyptischen Geheimdienstchef Abbas Kamel stattgefunden. Das israelische Team unter der Leitung von Mossad-Chef David Barnea legte Israels Erläuterungen zu dem dreiteiligen Vorschlag vor, den US-Präsident Joe Biden am 31. Mai zur Freilassung der restlichen 115 Gefangenen unterbreitet hatte.

Israelische Medien berichten, dass die jüngste Gesprächsrunde mit israelischen und ägyptischen Teilnehmern am Samstag in Kairo keinen Durchbruch brachten, doch die »Jerusalem Post« zitiert hochrangige Beamte, die von Fortschritten bei den Parametern im Zusammenhang mit dem Philadelphi-Korridor (eine Kontrollzone unter anderem zur Eindämmung von Waffenschmuggel) und dem Grenzübergang Rafah vermelden.

Tausende demonstrieren für die Geiseln

Am Samstagabend haben Tausende Menschen in Tel Aviv, Jerusalem, Haifa und anderen israelischen Städten für ein Abkommen zur Freilassung der 115 Geiseln in der Gewalt der Terrororganisation Hamas demonstriert. Redner auf verschiedenen Kundgebungen warfen Israels Netanjahu vor, durch seine Blockadehaltung einen Deal zu verhindern. 

»Die Zeit für einen Deal ist gekommen, und die Zeit ist gekommen für (vorgezogene) Wahlen«, rief der ehemalige Diplomat Eran Etzion vor der Residenz Netanjahus in Jerusalem in die Menge, wie die »Times of Israel« berichtete. Der Deal liege auf dem Tisch, Netanjahu würde ihn lediglich »aus politischen, persönlichen und strafrechtlichen Gründen« blockieren. Ja/dpa

Holocaust

»Unsere Rache an den Nazis ist, dass wir den Staat Israel haben«

Der Schoa-Überlebende Yehuda Widawski ist mit 107 Jahren gestorben. Jahrzehntelang suchte und restaurierte er jüdische Gräber in Polen

von Sabine Brandes  14.09.2026

Reaktionen

»Ritualmordlegende« - »Pflicht, Fragen zu stellen«: Israel streitet über »Naza«

Während Rechte den Film über den Gaza-Krieg als Verleumdung verurteilen, verteidigen Linke das Recht auf Kritik. Armee weist zentrale Vorwürfe zurück

von Sabine Brandes  14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Dokumentarfilm

IDF übt scharfe Kritik an »Naza« und weist Vorwurf zum angeblich genehmigten Angriff auf 500 Zivilisten zurück

»Die IDF haben niemals einen Angriff geplant, genehmigt oder durchgeführt, bei dem erwartet wurde, dass 500 Zivilisten oder auch nur annähernd so viele getötet werden«, heißt es von der Armee

 14.09.2026

Offener Brief

Javier Bardem und ich

Ich habe dich als neugierig, warmherzig, offen für den Menschen vor dir kennengelernt. Wenn du über Israel sprichst, erkenne ich dich nicht wieder – und sehe nur noch blindwütigen Hass

von Gabriella Meros  13.09.2026

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  13.09.2026 Aktualisiert

Syrien

Grossi: Von Israel zerstörter Reaktor hätte atomwaffenfähiges Material produzieren können

2007 zerstörte Israel den Atomreaktor Deir ez-Zor. 19 Jahre später bestätigt Atom-Aufseher Rafael Grossi, dass die Anlage atomwaffenfähiges Material hätte produzieren können

 11.09.2026

Rosch Haschana

Israel wächst – doch immer mehr Menschen verlassen das Land

Zum jüdischen Neujahr veröffentlicht das Statistikamt neue Zahlen. Die Geburtenrate ist mehr als doppelt so hoch wie in der OECD

von Sabine Brandes  11.09.2026

Sachsen-Anhalt

Empörung über AfD-Spitzenmann Siegmund wegen Rüstungsaussage 

Siegmund: »Weil wir bei späteren Remigrations- und Abschiebeoffensive natürlich auch entsprechende Hilfsmittel brauchen«

 11.09.2026