Corona

Eklat um gesperrten Flughafen

So leer wie dieser Tage sieht man den Ben-Gurion-Flughafen nicht oft. Foto: Flash90

Der Druck auf die israelische Regierung wegen des abgeriegelten internationalen Flughafens wächst. In einem Bericht des Fernsehkanals zwölf hatte es am Wochenende geheißen, dass angeblich Reisende mit israelischem Pass systematisch ins Land gelassen werden – allerdings lediglich jene, die bei den nächsten Wahlen für die amtierende Regierung stimmen könnten.

UMFRAGEN In Israel wird am 23. März zum vierten Mal innerhalb von weniger als zwei Jahren ein neues Parlament gewählt. Derzeit liegt der regierende rechtskonservative Likud in Umfragen vorn. Gefolgt wird er von der Zentrumspartei von Yair Lapid, Jesch Atid. Es gibt weder Brief- noch Fernwahlen in dem kleinen Nahoststaat, mit Ausnahme von Diplomaten. Wer sein demokratisches Recht nutzen will, muss persönlich anwesend sein.

In dem Bericht erzählten Reisende, dass sie wenig dringende Anlässe wie »ich wollte rechtzeitig zu Purim in Jerusalem sein« angegeben hätten und ihre Reise dennoch genehmigt wurde. Derzeit sollen entsprechend der Corona-Restriktionen lediglich Menschen nach Israel kommen dürfen, die triftige Gründe haben. Dazu gehört der Tod eines nahen Verwandten oder Gerichtstermine. Wählen steht nicht auf der Liste.

AUSLAND Andere, hauptsächlich säkulare Israelis hatten zuvor berichtet, dass ihre Gesuche, ins Land zu gelangen, abgelehnt wurden. Tausende von israelischen Staatsangehörigen sitzen derzeit in verschiedenen Ländern in der ganzen Welt fest.

Um momentan das Land verlassen oder einreisen zu können, müssen Israelis eine Ausnahmegenehmigung des entsprechenden Komitees haben. Dies wählt jene aus, die in den wenigen sogenannten »Rettungsflügen« aus den USA und Europa Platz nehmen dürfen. Dem Komitee, das darüber entscheidet, wer im Ausnahmefall eingelassen wird, sitzt der ehemalige Wahlkampf-Berater des Likud, Shilo Adler, vor.

»Wir riegeln das Land hermetisch ab.«

Premier Benjamin Netanjahu

Jerusalem hatte den Ben-Gurion-Flughafen am 25. Januar für ein- und ausgehende Flüge sperren lassen, um sich nach Angaben der Regierung vor den Varianten des Coronavirus aus dem Ausland zu schützen. Premierminister Benjamin Netanjahu hatte damals erklärt: »Wir sind der ganzen Welt voraus. Wir tun das, was keine andere Nation getan hat. Wir riegeln das Land hermetisch ab«.

VERBÜNDETE Zunächst hatte dies für eine Woche gegolten, dann bis zum 20. Februar und nun ist bis zum 6. März (einschließlich) alles zu. Oder eben doch nicht alles, wie Kanal zwölf wissen will. Auch die Tageszeitung Haaretz hatte zuvor darüber berichtet, dass vor allem ultraorthodoxe Menschen mit israelischem Pass trotz der Sperre ins Land gelassen werden. Die wählen traditionell strengreligiöse Parteien wie Schas oder Vereintes Tora-Judentum. Netanjahus engste Verbündete.

Transportministerin Miri Regev (Likud) wies den Vorwurf von sich und bezeichnete die Medienberichte als »fake news«. Am Montag hieß es, dass die Regierung derweil an einem Plan arbeite, der die Israelis aus dem Ausland zum Wählen ins Land bringen soll. Der Nationale Sicherheitsrat ziehe einige Vorhaben in Erwägung, so Regev.

WERKZEUG Im Anschluss an die Medienberichte meldeten sich Oppositionspolitiker zu Wort. Lapid bezichtigte Netanjahu, »das Ausnahmekomitee als politisches Werkzeug zu missbrauchen, um Wähler des rechten Blocks rechtzeitig zu den Wahlen ins Land zu holen«. Er wolle sich dafür einsetzen, dass jeder, der zum Wählen zurückkommen will, dies mit Coronatest und Quarantäne tun kann. Avigdor Lieberman, Vorsitzender von Israel Beiteinu, äußerte sich ähnlich.

Das Israelische Demokratieinstitut erklärte, es habe ein Schreiben mit einer Bewertung der Situation an den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Raz Nizri gesandt. Darin stehe, dass »die umfassenden Restriktionen gegen israelische Bürger, die aus dem Ausland zurückkehren wollen, aus konstitutioneller Sicht extrem problematisch« seien. »Und sie sind einmalig in der demokratischen Welt.«

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026

Israel

Eisenkot-Lager liegt vor Netanjahu-Lager

Die Likud-Partei des Premiers wurde allerdings ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft. Der Wahlausgang ist alles andere als eindeutig

 27.10.2026 Aktualisiert

Entscheidung

Keine längeren Öffnungszeiten trotz hoher Wahlbeteiligung

15 Stunden haben die Israelis Zeit, ihre Stimme abzugeben. Ein Antrag, die Abstimmung zu verlängern, scheiterte

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Überschwemmungen behindern Wahl im Süden Israels

Überflutete Zufahrtsstraßen, abgeschnittene Orte: Im Süden Israels kamen manche Einwohner nicht zu ihrem Wahllokal. Reicht die Zeit noch, bevor die kleinen Wahllokale schließen?

 27.10.2026

Israel

Wer wählt wen und warum?

Von unerschütterlicher Bibi-Treue bis zur Sehnsucht nach einem Neuanfang: Wir haben Israelis gefragt, wem sie ihre Stimme gegeben haben

von Sabine Brandes  27.10.2026

Israel

Wahlbeteiligung bricht Aufzeichnungsrekord

Schon mehr als drei Millionen Israelis haben am Nachmittag ihre Stimme abgegeben - das ist der höchste in den Aufzeichnungen gemessene Wert

 27.10.2026