Rahm Emanuel

Die Tränen des Stabschefs

Von Sicherheitsbeamten begleitet: Vater Rahm Emanuel und sein Sohn Zach (l.) an der Klagemauer in Jerusalem Foto: Flash 90

Die Hände an den mächtigen Stein gelegt, den Blick zum Gebet gesenkt, auf dem Hinterkopf eine weiße Kippa. So stand der Stabschef im Weißen Haus, Rahm Emanuel, an der Klagemauer in Jerusalem. Der sonst so coole Berater von US‐Präsident Barack Obama hatte Tränen in den Augen, wurde an diesem bedeutungsschweren Ort von seinen Gefühlen übermannt. Zehn Tage lang war Emanuel mit seiner Familie im Heiligen Land unterwegs, um die Barmizwa seines Sohnes Zach und des Neffen Noah zu feiern. Rechtsgerichtete Radikale hatten versucht, das Fest zu verhindern.

Nach einem Aufenthalt im Badeort Eilat am Roten Meer gab es bereits den ersten Zwischenfall: Knessetmitglied Michael Ben‐Ari von der Nationalen Union beschwerte sich, dass der Familie ein nichtkoscheres Essen gesponsert worden sei, wo Emanuel doch »antisemitische Propaganda unterstütze«. Tourismusminister Stas Misezhnikov ließ umgehend dementieren: »Wir hatten der Familie angeboten, ihnen bei der Reise zu helfen, doch sie lehnte ab. Unser Vertreter hat nicht mit ihnen gegessen. Wenn wir Leute nach Israel bringen, entsprechen unsere Speisen dem Kaschrut, doch wir suchen nicht auf den Tellern unserer Gäste herum, ob das, was sie essen, koscher ist.«

Politik Zu Beginn seiner Reise hatte Emanuel Premier Benjamin Netanjahu zu einem Arbeitsbesuch in die USA eingeladen, um mit US‐Präsident Barack Obama über Frieden und Sicherheit in Nahost zu sprechen. Israelische Insider sind überzeugt, dass die Entscheidung des Präsidenten, Netanjahu erneut in Washington zu empfangen, den unglücklichen Besuch vom März wiedergutmachen soll. Damals waren die unterschiedlichen Meinungen der beiden Regierenden in Sachen Ostjerusalem und endgültiger Status der Friedensgespräche offensichtlich gewesen. Das Fehlen eines gemeinsamen Fotos hatte eine deutliche Sprache gesprochen.

Interessiert verfolgte die israelische Öffentlichkeit jeden Schritt der Familie Emanuel im Heiligen Land, wird der 50‐Jährige doch als enger Berater Obamas in Sachen Israel gesehen. Nicht wenige hier machen ihn für die härtere Linie Obamas gegenüber der israelischen Regierung verantwortlich. Besonders auf den Fersen waren dem Besucher die üblichen Verdächtigen aus dem ultrarechten Lager Baruch Marzel und Itamar Ben‐Gvir, die ihn als »Antisemiten« beschimpften und bei der Jerusalemer Stadtverwaltung beantragten, die Barmizwa seines Sohnes verbieten zu lassen. Während eines Rundgangs durch die Altstadt versuchte Ben‐Gvir, sich der Familie zu nähern und rief: »Verräter, Jerusalem steht nicht zum Verkauf. Geh doch auf eine Reise zu den Wurzeln mit Hussein Obama, Geh in den Iran!«

Shorts Nachdem der Unruhestifter von der Polizei festgenommen worden war und die Jerusalemer Stadtverwaltung klargemacht hatte, dass die Feier selbstverständlich stattfinden könne, spazierte Emanuel sichtlich gut gelaunt in bunten Shorts und Sonnenbrille weiter durch die Stadt. Die Menschen grüßten ihn warmherzig und sagten »Masal Tow!« Emanuel, dessen Vater aus Israel stammt, bedankte sich auf Hebräisch.

Ein Höhepunkt der Reise war die Einladung des Präsidenten Schimon Peres. Der Barmizwa‐Junge erhielt gleich zwei Geschenke: ein Kiddusch‐Weinglas und ein Buch der Psalmen mit präsidialer Widmung. Emanuels Kinder Zach, Ilana und Leah erzählten Peres auf Iwrit von ihrem Spaß auf der Reise, den Hebräischstunden in der Heimat und den engen Verbindungen zu Israel. Zum Schluss bekam Zach sogar eine private Übungsstunde von Peres zu seinem Tora‐Abschnitt als Vorbereitung für die Barmizwa.

Rabbiner Während des gesamten Besuches machte der jüdische Stabschef des Weißen Hauses klar, warum er hier war: Um als Familie Israel zu besuchen und eines der wichtigsten Ereignisse im Leben eines jungen Juden zu feiern: die Barmizwa. Extra aus Virginia angereist war Rabbi Jack Moline, Emanuels Rabbiner, der die Zeremonie leitete, die jedoch im Davidson Center in der Altstadt und nicht an der Klagemauer stattfand. Ob das etwas mit den Beschwerden zu tun hat, kommentierte die Familie nicht. »Wir haben eine wirklich tolle Zeit in Israel und genießen alles, die Menschen sind wundervoll«, sagte der amerikanische Top‐Politiker über seinen Besuch.

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