Schawuot

Die Saat geht auf

Zum 100. Geburtstag gab es ein Präsent vom Präsidenten: Reuven Rivlin lud Vertreter der landwirtschaftlichen Forschungsorganisation Volcani Center in seine Residenz, das Beit Hanasi, ein, um zwei Ölbäume zu pflanzen: einen aus Shivta im Süden des Landes und einen aus Jerusalem. Das Ins­titut feiert rechtzeitig zum Erntefest an Schawuot sein besonderes Jubiläum. Doch das eigentliche Geschenk war der »Brief für die zukünftigen Generationen«.

Denn das ist es, worum Volcani sich kümmert: die Versorgung der Menschen in der Zukunft. Das Institut unterstützt heimische Landwirte durch Forschung und Entwicklung. Der Brief des Präsidenten wird in einer gekühlten Datenbank bei minus 20 Grad Celsius gelagert, zusammen mit Samen, die die biologische Vielfalt Israels für die nachfolgenden Generationen bewahren sollen – damit die Menschen auch in den nächsten Jahren und Jahrzehnten an Schawuot ihre Körbe mit den Früchten des Landes füllen können.

GEN-BANK In der unterirdischen Gen-Bank befindet sich ein großes Depot mit aus der Levante stammenden Samen. Einige von ihnen sind bereits seit 1979 eingelagert, vor allem, um die genetische Diversität von Pflanzen zu schützen, die in der Region vom Aussterben bedroht sind. Gleichsam dienen sie als Forschungsgrundlage für Lösungen, um eine hungrige Welt zu ernähren.

Der Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Alon Schuster, erklärt die Mission: »Das Volcani-Institut ist das Kronjuwel der israelischen Forschung. Dank der Arbeit unserer Wissenschaftler und bedeutender Investitionen ist Israels fortschrittliche und bahnbrechende Landwirtschaft weltberühmt.« Die Unabhängigkeit bestehe auch aufgrund der Lebensmittelsicherheit, erklärte er. »Sie erlaubt es dem Staat, sein Volk mit frischen, hochwertigen lokalen Produkten zu versorgen, und trägt gleichzeitig zur Nahrungssicherheit der Weltbevölkerung bei.«

Gegründet im Jahr 1921, lange bevor der Staat Israel ins Leben gerufen wurde, arbeiten heute mehr als 200 Wissenschaftler für Volcani, das seinen Sitz in Rischon LeZion hat, rund zehn Kilometer südlich von Tel Aviv. Das Institut ist verantwortlich für 75 Prozent aller Forschung und Entwicklung in der Landwirtschaft Israels und die treibende Kraft des weltweiten Erfolges in diesem Bereich. Es spielt damit eine zentrale Rolle im Ökosystem des Landes.

Bei minus 20 Grad werden Samen gelagert, die die biologische Vielfalt Israels bewahren sollen.

Das Institut ist in sechs Forschungszentren aufgeteilt: Agrartechnik, Boden/Wasser/Umwelt, Pflanzenschutz, Tierwissenschaft, Pflanzenwissenschaft und Nachernte. Dazu gibt es zwei lokale Zentren, Neve Yaar im Norden und Gilat im Süden. In Neve Yaar befindet sich die Modellfarm für nachhaltige Landwirtschaft, in der sich alles um Gesundheit, Ernährung und Nachhaltigkeit dreht. Gilat in der Negev-
wüste erforscht den Anbau von Obst und Gemüse in Trockengebieten. Hier entwickeln die Forscher vor allem klimaresistente Sorten, die die Ernährung von Menschen in wasserarmen Regionen gewährleisten.

UNESCO-PREIS »Die Mitarbeiter konzentrieren sich besonders auf eine angewandte Wissenschaft, bei der sie konkrete Probleme angehen und Lösungen präsentieren, durch die sie in neue Märkte eindringen können«, so das Institut. Eine weitere Stärke sei die Betonung der »interdisziplinären Forschung und der engen Zusammenarbeit mit den Landwirten«. 2017 wurde Volcani mit dem renommierten internationalen UNESCO-Preis für Forschung in Biowissenschaften ausgezeichnet.

In den 100 Jahren seines Bestehens seien die enormen Errungenschaften des Instituts Teil des täglichen Lebens der Landwirte in Israel und der ganzen Welt geworden, hob Volcani-Leiter Eli Feinman hervor. »Wir versuchen, die Landwirtschaft so umfassend wie möglich zu sehen. Dazu gehören Schnittstellen zwischen Landwirtschaft und Essen, Gesundheit, natürlichen Ressourcen, Umwelt, Industrie sowie internationalen Beziehungen.«

HERAUSFORDERUNGEN Hauptsächliche Beschäftigung seien die Herausforderungen, denen die landwirtschaftlichen Produzenten ausgesetzt sind: »Verbraucherbedürfnisse, Nutzung von Wasser und Land, Umwelt und die riesigen globalen Probleme der Gegenwart und Zukunft«.

Feinman weiß: »Einer der Ecksteine unserer Forschung ist die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was sich vor allem dadurch zeigt, dass wir die genetischen Ressourcen des Landes Israel identifizieren und bewahren. Nur so können wir auch in vielen Jahren noch Produkte entwickeln.« Die landwirtschaftliche Forschung hierzulande sei weltweit führend, »und viele unserer Produkte sind dafür verantwortlich, dass Israel im Bereich der Landwirtschaft überall als ›ein Licht unter den Nationen‹ angesehen wird«.

»Seit mehr als 100 Jahren sind das Ins­titut und seine Mitarbeiter ganz vorne mit dabei, wenn es um landwirtschaftliche Innovationen in Israel und der ganzen Welt geht«, fasste Präsident Rivlin bei der Feierstunde zusammen. »Obwohl wir nicht mit vielen natürlichen Ressourcen gesegnet sind, wissen wir, dass es die talentierten klugen Wissenschaftler gibt, die aus Herausforderungen Möglichkeiten – und aus Zitronen die sprichwörtliche Limonade – machen.«

Durch das Institut habe man gelernt, wie wichtig es sei, sich um das Land zu sorgen, damit es auch für zukünftige Generationen genutzt werden könne, fügte er hinzu. »Machen Sie weiter so mit Ihrer Arbeit, damit wir alle die Natur, Lebewesen und die Vorteile des 21. Jahrhunderts genießen können.«

Nahost

Bennett sieht Angriffe auf Emirate als Kriegserklärung Irans

Der israelische Oppositionspolitiker Bennett bewertet die Angriffe des Iran auf die Emirate als Wiederaufnahme des Kriegs. Die Anweisungen des Zivilschutzes in Israel bleiben vorerst unverändert

 04.05.2026

Kommentar

Wenn das kein Antisemitismus ist, was dann?

Ein Mann wollte in Zürich eine Synagoge in Brand stecken. Der Täter gestand die Attacke. Er kam vor Gericht. Nun wurde er freigesprochen

von Nicole Dreyfus  04.05.2026

Wirtschaft

Wenn Stärke teuer wird

Die israelische Währung ist gegenüber dem Dollar so viel wert wie seit 30 Jahren nicht mehr – mit misslichen Folgen für die Start-up- und Hightech-Branche

von Sabine Brandes  04.05.2026

Belu-Simion Fainaru

»Als Künstler spreche ich eine universelle Sprache«

Der israelische Bildhauer über den Rücktritt der Jury und die Politisierung der Kunstbiennale von Venedig

von Ayala Goldmann  04.05.2026

Gesetz

Balanceakt oder Begnadigung?

Die Generalstaatsanwältin signalisiert Gesprächsbereitschaft für eine Einigung im Prozess von Premier Netanjahu

von Sabine Brandes  04.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  04.05.2026

Wahlkampf

Neues Bündnis im Anti-Netanjahu-Lager: Eisenkot und Liberman prüfen gemeinsame Liste

Ein Problem der Zusammenarbeit zeichnet sich bereits ab: Liberman hat signalisiert, selbst Premierminister werden zu wollen. Eisenkot will aber auch keine Rolle als Nummer zwei akzeptieren

 04.05.2026

Tel Aviv

Anklage gegen vier Palästinenser wegen geplanter Anschläge in Israel

Die Vorwürfe: Mitgliedschaft in einer Terrororganisation, Rekrutierungsversuche sowie die Vorbereitung eines Anschlags mit tödlicher Absicht

 04.05.2026

Jerusalem

Herzog reist nach Mittelamerika

Erstmals besucht ein israelisches Staatsoberhaupt Panama. Auch Costa Rica steht auf dem Reiseplan

 04.05.2026