Jerusalem

»Die Hamas wird einen sehr hohen Preis zahlen«

Israels Armee in der von Donnerstag auf Freitag an der Grenze zum Gazastreifen Foto: picture alliance / Newscom

Um seine Bürger zu schützen und weitere Terrorattacken aus Gaza zu unterbinden, hat Israels Armee in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf Stellungen der islamistischen Hamas im Gazastreifen verschärft.

Wie ein Sprecher der Armee am Freitagmorgen sagte, starteten in der Nacht 160 »Luftfahrzeuge« von zwölf Geschwadern. Ihr Einsatz dauerte demnach rund 40 Minuten. Kein israelischer Soldat habe den Gazastreifen betreten.

Das israelische Fernsehen hatte zuvor von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen berichtet. Die Armee erklärte in der Nacht: »Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an.« Anschließend gab es Berichte, wonach Bodentruppen in den Gazastreifen vorgedrungen seien. Der Armeesprecher entschuldigte sich für Fehlkommunikation.

»Diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.«

Israels Premier Benjamin Netanjahu

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte: »Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird.« Man werde die Angriffe »mit großer Intensität fortsetzen«, teilte er in einer Videobotschaft mit. »Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.«

SCHUTZRÄUME Das israelische Fernsehen berichtete, es sei der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der fortwährenden Raketenangriffe durch die Terrororganisation Hamas am Montag.

Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben. Vor allem im Umkreis des Gazastreifens ertönten am Morgen immer wieder Raketen-Warnsirenen.

Eine 87-jährige Israelin wird auf der Flucht in einen Schutzraum tödlich verletzt.

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Angriffe auf Israel die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert. Nach Medienberichten bereitete sich die Armee schon zu diesem Zeitpunkt auf eine mögliche Bodenoffensive vor.

Palästinensische Terroristen setzten am Donnerstag ihre heftigen Raketenangriffe auf israelische Bevölkerungszentren fort. Auch am Abend wurden erneut zahlreiche Städte beschossen, darunter Aschkelon, Aschdod und Modiin.

FLUGHAFEN Auch in die Richtung des internationalen Flughafens bei Tel Aviv wurden Raketen abgefeuert. In einer Ortschaft im Süden des Landes wurde nach Angaben von Rettungskräfte eine 87-jährige Israelin auf der Flucht in einen Schutzraum tödlich verletzt. In Israel wurden nach offiziellen Angaben bislang acht Menschen bei Raketenangriffen getötet.

»Eine israelische Bodenoffensive wäre eine Gelegenheit, weitere tote Soldaten und Gefangene des Feindes in unseren Besitz zu bringen.«

Hamas

Das israelische Militär setzte am Donnerstag seine Verteidigungsangriffe auf das Küstengebiet fort. Im Gazastreifen starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums 103 Menschen seit dem Beginn der Angriffe durch die Hamas. Überprüft werden kann diese Zahl nicht.

Ein Sprecher der Hamas sagte, eine israelische Bodenoffensive wäre »eine Gelegenheit, weitere tote Soldaten und Gefangene des Feindes in unseren Besitz zu bringen«. Man sei bereit, »dem Feind mit Gottes Hilfe eine harte Lektion zu erteilen«.

Nach Angaben der israelischen Armee wurden seit Montagabend mehr als 1800 Raketen auf Israel abgefeuert. Nach Angaben von Ministerpräsident Netanjahu wurden bislang rund 1000 Ziele der Hamas in Gaza beschossen. dpa/ja

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der sich ab dem 1. Mai als Global Reporter weiter auf seine Podcast-Formate konzentriert

 17.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  17.04.2026

Herzliya

Studie: Mit diesen Methoden mehr Erfolg auf Dating-Apps

Eine wichtige Erkenntnis der Untersuchung: Es kommt weniger darauf an, was man über sich preisgibt, als wie man es tut

 17.04.2026

Umfrage

Waffenruhen mit Iran und Hisbollah: Israelis pessimistisch

Weniger als 40 Prozent sagen, sie hätten die erfolgten Militäreinsätze unterstützt, wenn ihnen die Entwicklungen im Voraus bekannt gewesen wären

 17.04.2026

Studie aus Israel

KI treibt Arbeitslosigkeit bei Programmierern und Verkäufern nach oben

Bei Programmierern gehen zwischen 12 und 20 Prozent des jüngsten Anstiegs der Erwerbslosigkeit auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück

 17.04.2026

Bildung im Krieg

Israel lockert Abiturprüfungen wegen Kriegslage – Sonderregeln für den Norden

Die Maßnahmen schließen eine »flexiblere Berechnung« von schulischen Leistungen mit ein

 17.04.2026

Nahost

Details zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon veröffentlicht

Ein Sechs-Punkte-Plan soll zunächst zehn Tage lang für Ruhe sorgen. Die Einzelheiten

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Nahost

Trump verkündet zehntätige Waffenruhe im Libanon

Zuvor habe es Gespräche mit Israels Premier Netanjahu und Libanons Präsidenten Aoun gegeben

 16.04.2026 Aktualisiert

Hintergrund

Hickhack um Friedensgespräche - und eine zehntägige Feuerpause

Nachdem Präsident Trump direkte Verhandlungen erzwingen wollte, setzte er sich schließlich mit einem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah durch

von Sabine Brandes  16.04.2026