Regierungskonsultationen

»Deutschland stellt Israels Interessen ganz nach vorn«

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am Donnerstagnachmittag in Jerusalem Foto: dpa

Nur zwei Worte, die doch so viel ausdrücken. Am Nachmittag begrüßte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin die Bundeskanzlerin mit folgenden Worten: »Liebe Angela«. Es sei ihm eine große Ehre, sie in Israel und in Jerusalem willkommen zu heißen. »Denn Sie sind eine wahre Freundin Israels und des jüdischen Volkes«, so der Präsident weiter.

Das Staatsoberhaupt hatte die Mitglieder des deutschen Kabinetts in seine Residenz gebeten und dazu zahlreiche israelische Gäste aus den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Religion geladen. »Denn ›P2P‹ ist genauso wichtig wie ›G2G‹.« Mit P2P (People to People) meinte Rivlin den Austausch von Mensch zu Mensch und nicht nur den zwischen Regierungen. »Genau deshalb treffen wir uns hier und heute.«

An den Tischen der deutschen Gäste saßen unter anderem die Schriftsteller David Grossman und Abraham B. Jehoshua, der Präsident der Hebräischen Universität, Menachem Ben-Sasson, sowie Nobelpreisträger Robert Aumann.

Austausch »Das Kostbarste, das man einander schenken kann, ist Zeit«, sagte Merkel daraufhin und freute sich über die »berühmten und interessanten Gesprächspartner«. In diesem Sinne betonte sie auch, wie wichtig der Austausch während der Regierungskonsultationen ist, die die beiden Länder mittlerweile im zehnten Jahr veranstalten.

»Wir erkennen Ihre Bemühungen an, die zukünftigen Generationen zu lehren, was geschehen ist. Es ist der einzige Weg sicherzustellen, dass dies nie wieder passiert«, sagte Rivlin. Es sei kein Geheimnis, dass die liberale Demokratie unter Beschuss stehe. Doch er sei sich sicher, dass sie stark genug ist, um diese Angriffe auszuhalten.

»Hierbei betone ich vor allem die standhafte Unterstützung der demokratischen Prinzipien durch die Bundeskanzlerin, auch wenn sie dabei einen persönlichen Preis zahlen muss«, so Rivlin weiter. Und er machte deutlich: »Ihre Unterstützung für Israels Sicherheit schwankt nicht und findet Ausdruck in Taten, nicht nur in Worten.«

iran Aus diesem Grund müsse er die Entscheidung der Europäischen Union erwähnen, die Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. »Wir müssen das iranische Monster aushungern, nicht füttern. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Stabilität in der Region zu wahren. Wir bitten daher Deutschland darum, mit uns und unserer Forderung zu stehen, das iranische Nuklearprogramm zu inspizieren und das Teheraner Regime nicht davonkommen zu lassen.«

»Wir wissen um die Verantwortung für die Existenz und Sicherheit Israels«, erwiderte Merkel. »In Sachen Iran eint uns ein Ziel. Daran haben wir keinen Zweifel. Wir diskutieren nur die Frage, welcher Weg erfolgversprechend ist. Wir werden diese Diskussion weiterführen – im Geiste unserer Freundschaft und mit demselben Ziel im Blick.«

Man sei sich der Herausforderungen in der Region bewusst, sagte sie, glaube jedoch weiterhin an die Lösung eines jüdischen und eines palästinensischen Staates. »Lebendige Demokratie zeichnet sich durch Meinungsverschiedenheiten aus. Nicht dadurch, dass sich jeder in seine Ecke zurückzieht, sondern dadurch, dass man sie austrägt.« Merkel betonte: »Deutschlands Position ist es, Israels Interessen ganz nach vorn zu stellen.«

Das bestimme auch die Kooperationen bei Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Verteidigung. Ein besonderes Herzensanliegen der Kanzlerin ist die Einrichtung eines deutsch-israelischen Jugendwerkes, ähnlich dem deutsch-französischen oder deutsch-polnischen, das während der Konsultationen beschlossen wurde. »Denn gerade in dieser Zeit muss sich die Jugend austauschen und in engem Kontakt stehen.«

Jerusalem

50. Jahrestag: Israel gibt Geheimdokumente zu Entebbe frei

Am 27. Juni 1976 entführten Terroristen eine Air-France-Maschine nach Uganda. Fünf Jahrzehnte später stellt das israelische Staatsarchiv die Regierungsdokumente zur militärischen Befreiung bereit

von Hans Dahne  26.06.2026

Washington D.C.

Gespräche zwischen Israel und Libanon verlängert

Die USA drängen die beiden Staaten darauf, die Verhandlungen nicht ohne Ergebnis zu beenden. Deshalb sollen die Delegationen heute erneut zusammenkommen.

 26.06.2026

Medien

»Alle Juden haben genug von dir!« Trump soll Netanjahu angeschrien haben

Auslöser für den Streit war einem neuen Buch zufolge ein israelischer Angriff auf Hamas-Führungsmitglieder in Doha

 26.06.2026

Jerusalem

Sa’ar will Anerkennung des Armenier-Genozids

Der israelische Außenminister will eine entsprechende Resolution zunächst im Kabinett einbringen. Anschließend soll sie der Knesset zur Abstimmung vorgelegt werden

 26.06.2026

Jerusalem

Isaac Herzogs Hubschrauber muss notlanden

Die Hintergründe

 26.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Tel Aviv

Gemeinsames Seemanöver Deutschlands und Israels vor Haifa

Ein Schiff der Bundesmarine besucht Haifa, es folgt ein Manöver mit Israel. Die gemeinsame Seefahrt geschieht vor dem Hintergrund einer weiter angespannten Lage in der Region nach dem Iran-Krieg

 25.06.2026

Israel

Ex-Armeechef Eisenkot könnte Netanjahu ablösen

In Umfragen holt seine Partei Jaschar rasant auf und liegt auf dem zweiten Platz hinter Likud

von Sara Lemel  25.06.2026

Knesset

Wahltag mit Fragezeichen

Der 20. Oktober gilt als Favorit für Israels nächste Parlamentswahl. Doch Streit in der Koalition und offene Gesetzesvorhaben könnten den Zeitplan noch verändern

von Sabine Brandes  25.06.2026