Ben Gurion Airport

Der digitale Flughafen

Bald ein Bild der Vergangenheit? Lange Schlangen beim Check-in, verspricht die IAA, werde es dank der Digitalisierung kaum noch geben. Foto: Flash 90

Gute Nachrichten aus Israel: Noch bevor das Reisefieber während der Sommerferien beginnt, ist der erste Schritt in Richtung digitaler Flughafen getan. Nachdem es im März einen Pilotversuch gegeben hatte, aktivierte jetzt auch die nationale Fluggesellschaft EL AL mehrere Self-Check-in-Schalter am internationalen Flughafen Ben Gurion. Die Neuerung ist Teil einer digitalen Transformation, die der ständig überlastete Flughafen vorantreibt, um Wartezeiten merklich zu verkürzen.

Bereits im März hatten die Fluggesellschaften Lufthansa, Austrian Airlines, Turkish Airlines, United Airlines, SWISS, Air Canada und Cathay Pacific an dem Versuch teilgenommen, Selbstbedienungsstationen für ein eigenständiges Einchecken durch die Passagiere anstelle der persönlichen Betreuung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fluggesellschaften oder des Flughafens bereitzustellen. Mit so großem Erfolg, dass EL AL sich jetzt der Aktion anschloss.

»kioske« Die Stationen, die auch »Kioske« genannt werden, gibt es mittlerweile in den Abflugbereichen A, B und G. Dort können die Passagiere mit gültigem Flugticket jetzt ihr Gepäck selbst wiegen – und gegebenenfalls für Übergewicht bezahlen. Sodann drucken sie den Zielaufkleber aus und heften ihn an ihre Koffer. Auf diese Weise können die Gepäckstücke ohne langes Anstehen und Registrieren direkt zum Flugzeug geschickt werden. Der Barcode, der an den Koffern hängt, muss anschließend an einem dafür vorgesehenen Schalter neben den Förderbändern gescannt werden – und auf geht es in den Bauch des Flugzeugs.

Als Anfangsinvestition sind eine halbe Million Euro in die Selbstbedienungskioske geflossen.

Vor rund einem Jahr hatte die Flughafenbehörde (Israeli Airport Authority, IAA) einen Plan angekündigt, mit dem die Abläufe für Überseeflüge digitalisiert werden sollen. Oberstes Ziel sei die Verkürzung der Wartezeiten an den Check-in-Schaltern, damit das Reisen stressfreier wird. Noch in diesem Jahr soll die digitale Umstellung des Flughafens abgeschlossen sein. Die IAA erklärte: »Die Digitalisierung wird es ermöglichen, die Abläufe bei einem Flug ins Ausland zu einem eigenständigen ›Touch and Play-Prozess‹ zu machen.« Der Vorsitzende der IAA, Hagai Topolansky, stellte mehr als 50 Millionen Schekel, umgerechnet knapp 13 Millionen Euro, für das digitale Flughafenprojekt bereit.

Als Anfangsinvestition sind eine halbe Million Euro in die Selbstbedienungskioske geflossen. In den nächsten Wochen soll zudem der Bereich der Handgepäckkontrolle erweitert werden, eine weitere Maßnahme, um die Wartezeiten zu verkürzen, so die Behörde. In der Abflughalle wird darüber hinaus an 24 Kontrollständen für Handgepäck neue Technik installiert, um die Abläufe weiter zu beschleunigen. Auch hier bilden sich bisher oft lange Schlangen.

SICHERHEIT Die IAA schätzt, dass der Automaten-Check-in, durch den das Anstehen in diesem Bereich komplett wegfallen soll, die Wartezeiten auf dem Flughafen insgesamt um mindestens eine halbe Stunde verkürzen werde. Der Vorgang stelle allerdings keinen Ersatz für die Sicherheitsbefragung dar, hebt die Flughafenbehörde hervor. Passagiere, die aus Israel ausreisen, werden also auch in Zukunft befragt: »Wer hat Ihre Koffer gepackt? Von wo sind Sie angereist?«

»Passagiere, die ins Ausland fliegen, durchlaufen eine Sicherheitskontrolle erst, nachdem sie den Check-in-Prozess für ihren Flug abgeschlossen haben – entweder, indem sie online von zu Hause aus einchecken oder einen der Automaten nutzen«, erläutert die IAA. »Der größte Teil des für die Ausreise erforderlichen Prozesses soll online und auf digitalem Wege abgewickelt werden«, heißt es weiter. »Und damit werden Komfort und Zugänglichkeit für die Passagiere maximiert.«

Ziel ist es, einer der fortschrittlichsten Airports der Welt zu werden.

Das Problem der Überlastung von Flughäfen aufgrund von Personalmangel und erhöhter Nachfrage von Reisenden ist allerdings kein Israel-spezifisches, es herrscht auf der ganzen Welt. Doch der Ben Gurion Airport ist schon heute einer der verkehrsreichsten Flughäfen im Nahen Osten – Tendenz steigend.

BEDARF Die IAA geht davon aus, dass die Gesamtzahl der Passagiere, die in diesem Jahr den Flughafen nutzen, 18 Millionen erreichen wird. 2024 sollen es bereits 24 Millionen werden, und bis 2029 könnte die Einrichtung ihre maximale Kapazität von 40 Millionen Passagieren und 250.000 Flügen pro Jahr erreichen. Die Behörde hatte bereits vor zwölf Jahren den dringenden Bedarf eines weiteren internationalen Flughafens erkannt. Bis jetzt jedoch ist diesbezüglich nichts entschieden worden.

Die Flughafenbehörde ist dennoch optimistisch, dass die Erleichterungen durch die Digitalisierung wesentliche Auswirkungen auf den Komfort für die Reisenden haben werden. »Bereits mehr als die Hälfte der Passagiere entscheidet sich heute schon für einen Online-Check-in. Mit dem Hinzufügen der Kioske für das Einchecken ohne Personal kommt eine weitere bedeutende Entlastung auf den Airport zu.«

»Das Hauptziel der Initiative ist es«, so die Flughafenbehörde, »schon in naher Zukunft die Dienstleistungen für Passagiere zu verbessern. Und auf lange Sicht zu einem digitalen Flughafen und einem der fortschrittlichsten seiner Art weltweit zu werden.«

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