Gefangenenaustausch

Chronologie des Leidens

2006

25. Juni – In den frühen Morgenstunden dringen Terroristen über einen selbst gegrabenen Tunnel in der Umgebung von Kerem Schalom in israelisches Gebiet ein und überfallen einen Militärposten. Bei dem Überfall sterben zwei Zahal-Soldaten, vier werden verwundet. Der verletzte 19-jährige Rekrut Gilad Schalit wird nach Gaza verschleppt.

26. Juni - Zu dem Anschlag am Vortag bekennen sich die Kassam-Brigaden der Hamas und fordern als Gegenleistung für die Freilassung Schalits die Übergabe von mehr als 1.000 palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen.

28. Juni – Israelische Truppen dringen bei einer Bodenoffensive - Codename »Sommerregen« – auf der Suche nach dem verschleppten israelischen Soldaten in den Gazastreifen ein.

29. Juni – Israel verhaftet mehr als 60 Hamas-Mitglieder.
15. September – Die Familie Schalit erhält durch ägyptische Vermittlungen einen Brief ihres Sohnes.

2007

14. Juni – Hamas übernimmt die Kontrolle des Gazastreifens. Mitglieder der Fatah werden brutal verfolgt.

25. Juni – Im Internet wird eine kurze Videobotschaft des Entführten veröffentlicht, in dem dieser um die Freilassung palästinensischer Gefangener bittet.

8. September – Israelische Spezialeinheiten entführen ein führendes Mitglied der Hamas, um ihn als Verhandlungsmasse zu benutzen.

26. Dezember –
Hamas fordert im Austausch von Schalit von der israelischen Regierung, 1.400 palästinensische Inhaftierte freizulassen.

2008

9. Juni – Das israelische Fernsehen berichtet, dass die Familie Schalit einen handgeschriebenen Brief ihres Sohns Gilad erhalten hat.

25. September – Hamas lehnt die israelische Liste der Austauschgefangenen ab und droht, weitere Soldaten zu entführen.

2009

18. Januar – Israel und Hamas vereinbaren erneut einen Waffenstillstand, erzielen jedoch keine Einigung über die Modalitäten einer Freilassung des jungen Soldaten.

14. Februar – Hamas verweigert dem Roten Kreuz den Besuch des Gefangenen.

17. März – Hamas legt eine Liste von palästinensischen Inhaftierten vor, die sie ausgetauscht wissen möchte. Die israelische Regierung bezeichnet die Liste als nicht akzeptabel, weil die genannten Personen wegen Beteiligung an Terroranschlägen in Israel zu langen Haftstrafen verurteilt worden sind.

21. März – Am 1.000. Tage der Entführung gedenkt Israel Gilad Schalit.

3. September – Ein deutscher Vermittler des Bundesnachrichtendienstes (BND) bemüht sich um einen Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hamas.

30. September – Um ein Lebenszeichnen des israelischen Soldaten zu erhalten, entlässt Israel 20 inhaftierte palästinensische Terroristen.

2. Oktober – Das Rote Kreuz übergibt der Regierung Netanjahu ein Video, auf dem Schalit mit einer arabischen Zeitung zu sehen ist. Dies ist das letzte Lebenszeichen für die Dauer von zwei Jahren.

2010

27. Juni – Die Eltern des Gefangenen beginnen einen zwölftägigen Marsch durch Israel, um den »Gefangenenaustausch zu beschleunigen«. Er führt sie aus ihrer Heimatstadt Mitzpe Hila bis vor das Haus des Ministerpräsidenten.

2011

9. April – Die israelische Armee meldet die Tötung von Abou Tayser Snima. Er sei persönlich an der Gefangennahme von Gilad Schalit beteiligt gewesen.

23. Juni – Das Rote Kreuz fordert die Hamas auf, fünf Jahre nach der Gefangennahme von Schalit einen neuen Lebensbeweis vorzulegen.

26. Juni –
Israelische Zeitungen berichten, dass Israel einen deutschen Vermittlungsvorschlag über einen Gefangenenaustausch akzeptiert habe. Die Hamas bestreitet diese Darstellung.

4. Juli – Verteidigungsminister Ehud Barak blockiert die Übergabe von 84 Leichen palästinensischer Terroristen an die Palästinensische Autonomiebehörde, die zuvor von Ministerpräsident Netanjahu genehmigt worden war.

3. Oktober – Hunderte von Hamas-Gefangenen beginnen in israelischen Gefängnissen einen Hungerstreik.

11. Oktober – Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu berichtet auf einer Pressekonferenz, dass Israel nach fünfjähriger Verhandlung einen Gefangenenaustausch mit der Hamas vereinbart hat. Es ist der 1.935. Tag seit Schalits Verschleppung.

17. Oktober – Die ersten 477 palästinensischen Gefangenen, darunter 27 Frauen, aus 16 Haftanstalten des Landes, werden in die Nähe der ägyptischen Grenze transportiert.

Nach einer Umfrage der Tel Aviver Tageszeitung Yedioth Ahronoth befürworten 79 Prozent der Befragten Israelis den Tausch »Gilad Schalit für 1.027 Terroristen«. Lediglich 14 Prozent lehnen ihn ab.

Vor dem Obersten Gerichtshof werden insgesamt vier Klagen, darunter von der Almagor Terror Victims Association und Verwandten von Israelis, die bei palästinensischen Angriffen getötet wurden, eingereicht, um einen Austausch von Personen, die wegen Mordes verurteilt wurden, zu verhindern. Der Oberste Gerichtshof lehnt die Klagen am frühen Dienstagmorgen ab.

18. Oktober – Kurz vor 6 Uhr erreichen die letzten der palästinensischen Gefangenen, die nach Schalits Freilassung ausgetauscht werden, den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom. Gegen 6 Uhr wird nach Angaben des israelischen Online-Nachrichtendienstes Ynet Gilad Schalit am ägyptischen Grenzübergang Rafah den Vermittlern übergeben, die ihn in den Sinai bringen. Nachdem der Bus mit den Palästinensern den Grenzübergang passiert hat, wird Gilad Schalit freigelassen. Seit seiner Entführung sind 1.941 Tage, 4 Stunden und 38 Minuten vergangen.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026