Nahost

Beratungen über Reaktion auf Angriff des Iran

Erstmals seit zwei Monaten telefonierten Präsident Joe Biden und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Nach dem massiven Raketenangriff aus dem Iran bereitet Israel eine entschiedene Antwort vor. Heute will das israelische Sicherheitskabinett über mögliche Szenarien beraten, wie das US-Nachrichtenportal Axios berichtet. Es geht um Abschreckung. Das Regime in Teheran soll verstehen, dass ihm Angriffe gegen Israel selbst schaden.

Verteidigungsminister Joav Gallant drohte dem Iran mit einem harten Vergeltungsschlag. »Wer versucht, dem Staat Israel zu schaden, wird einen Preis zahlen«, schrieb er auf der Plattform X. »Unser Angriff im Iran wird tödlich, präzise und überraschend sein.«

Der Iran hatte in der vergangenen Woche fast 200 Raketen auf Israel abgefeuert. Außerdem finanziert Teheran die Terrororganisationen Hamas, Hisbollah und Huthi, die ihrerseits immer wieder Israel angreifen. Wie die israelische Reaktion ausfallen könnte, war zunächst unklar.

Telefonat mit Biden

Medienberichten zufolge diskutierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit den Spitzen von Militär und Geheimdiensten zuletzt eine Kombination aus Luftangriffen auf militärische Ziele im Iran und verdeckten Einsätzen.

Am Mittwoch telefonierte Regierungschef Netanjahu nach fast zwei Monaten erstmals wieder mit US-Präsident Joe Biden. Den Angaben zufolge bekräftigte Biden in dem Telefonat seine »eiserne« Unterstützung für die Sicherheit Israels und verurteilte den iranischen Raketenangriff vom 1. Oktober auf Israel scharf.

Er betonte dabei das Recht Israels auf Selbstverteidigung gegen die Hisbollah, mahnte jedoch zugleich zur Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, insbesondere in den dicht besiedelten Gebieten der libanesischen Hauptstadt Beirut. Dabei versucht Israel längst, die Bewohner im Libanon zu schützen – indem sie sie jeweils vor Angriffen gegen den Terror auffordert, ihre Wohnorte zu ihrer eigenen Sicherheit zu verlassen. Dadurch vergeben die Streitkräfte (IDF) den Überraschungsmoment, der im Krieg wichtig ist.

Nuklear- und Ölanlagen

Medienberichten zufolge steigt in Washington der Frust darüber, dass die israelische Regierung den engen Verbündeten häufig erst im Nachhinein über militärische Einsätze informiert. Biden hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass er einen israelischen Vergeltungsschlag auf nukleare Ziele nicht unterstützen werde. Auch ein Angriff auf die iranische Ölindustrie wird in Washington abgelehnt.

Angesichts des großen Leids im Gazastreifen fordern die USA ihren Verbündeten Israel eindringlich auf, auch die Zivilisten in dem Gebiet besser zu schützen. »Diese katastrophalen Zustände wurden schon vor Monaten vorausgesagt, und dennoch wurde noch immer nichts unternommen. Das muss sich ändern, und zwar jetzt«, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Missliche Lage

»Wir fordern Israel auf, dringend entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.« Die Einschränkung von Warenlieferungen in den abgeriegelten Küstenstreifen würden »das Leiden im Gazastreifen nur noch verstärken«. Thomas-Greenfield mahnte: »Wir brauchen weniger Hindernisse für die Lieferung von Hilfsgütern, nicht mehr.«

Allerdings werden die Hilfslieferungen nicht durch Israel eingeschränkt, sondern durch logistische Probleme in Gaza, die auch mit der weiterhin bestehenden Bedrohung durch palästinensische Terroristen zusammenhängen. Hamas-Männer kapern, stehlen und verkaufen die Hilfe zu Wucherpreisen. Damit beutet sie ihre eigene Bevölkerung zusätzlich aus, während sie sie auch als lebende Schutzschilde missbraucht. dpa/ja

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