Kriminalität

Bandenkrieg auf offener Straße

Autobombe in Tel Aviv Foto: Flash 90

Er scheint mehr Leben zu haben als eine Katze. Nissim Halperon, Anführer des drittgrößten Kriminellenclans in Israel, entkam vor wenigen Tagen dem achten Mordanschlag innerhalb von zehn Jahren. Bei der Autobombenattacke im Zentrum von Tel Aviv wurden sieben Menschen verletzt, Halperon entkam mit wenigen Kratzern. Seit Jahren schon bekriegen sich die Unterweltfamilien auf Israels Straßen.

Die Polizei bestätigte, dass es sich bei dem Ziel der Attentäter um Halperons schwarzen Mazda handelte. Die Behörden untersuchen, ob es dieselben Drahtzieher waren, die 2008 Nissims Bruder Yaakov per Autobombe ins Jenseits befördert hatten. Yaakov, der älteste von vier Brüdern, galt als Chef der mafiösen Familie aus Tel Aviv.

Teenager Wie die italienische Mafia binden die israelischen Gangsterfamilien oft ihre ganze Sippschaft in die Machenschaften ein. Schon Teenager wüssten, wie das Geschäft funktioniere; oft würden sie von den älteren Clanmitgliedern benutzt, »um zu erpressen und Angst zu säen«, so ein Polizeibericht aus dem Jahr 2009. Bei den Halperons stehen Drogen- und Menschenhandel, Erpressung, Betrug, Geldwäsche und viele andere Delikte im Strafregister.

Obwohl den Behörden 2009 mit der neu gegründeten Einheit »Lahaw 443« ein bedeutender Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelungen war, betrügen, bedrohen und töten die meisten der 16 Clans noch immer. Die berüchtigtste Familie, die Abergils aus Netanja, musste allerdings einen herben Schlag einstecken, als die Brüder Meir und Itzik festgenommen wurden. Nach einem Auslieferungsantrag der USA wurde das mörderische Duo verhaftet. Nach Polizeiangaben allerdings läuft das Verbrechersyndikat schon wieder munter weiter.

Neben den Halperons und Abergils versetzen auch die Abutbuls sowie die Schirazi-, Dumrani- und Mulner-Syndikate Israel in Angst. Immer wieder werden Passanten in diesem Gangsterkrieg verletzt oder getötet. Während eines Anschlags auf Itzik Abergil starben zwei junge Mädchen im Kugelhagel. Bei einem misslungenen Mordanschlag auf Mitglieder derselben Familie wurde vor vier Jahren Margarita Lautin vor den Augen ihres Ehemannes und ihrer zwei kleinen Töchter in einem Strandcafé von Bat Jam erschossen.

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Nachruf

Der Mann, der die Farben bewegte

Yaacov Agam, Israels wohl berühmtester Künstler, ist im Alter von 98 Jahren gestorben. Bekannt wurde der Pionier der kinetischen Kunst vor allem durch seinen Brunnen auf dem Dizengoff-Platz in Tel Aviv

von Sabine Brandes  24.06.2026

Jerusalem

Schin Bet ermittelt wegen Betäubungsmitteln in Babynahrung

Seit einer Woche versuchen das israelische Gesundheitsministerium und die Polizei zu ergründen, wie Sedative in Babynahrung landen konnten. Jetzt ist auch der Inlandsgeheimdienst beteiligt

 24.06.2026

Massaker des 7. Oktobers

»Ich stehe hier nicht als Statistik, ich bin Überlebende«

Ilana Gritzewsky, ehemalige Geisel in Gaza und Überlebende sexualisierter Gewalt, sprach vor dem UN-Menschenrechtsrat

von Sabine Brandes  24.06.2026

Wahlkampf

»Neuer Gesellschaftsvertrag«: Bennett stellt Reformprogramm vor

Ein Schwerpunkt seines Plans liegt im Bildungsbereich. Bennett fordert ein System, das sich am Niveau privater Schulen orientiert, aber öffentlich finanziert bleibt

 24.06.2026

Genf/Jerusalem

Neuer UN-Bericht beschuldigt Israel schwer – Jerusalem weist Vorwürfe entschieden zurück

Der UNHRC bezichtigt den jüdischen Staat schwerer Verstöße bis hin zu einem angeblichen Völkermord. Die Israelis wehren sich

 24.06.2026

Israel

Schönheit mit Narben

Designer entwerfen Kleidung für kriegsversehrte Soldaten, um im öffentlichen Raum auf ihre Schicksale aufmerksam zu machen. Zu Besuch bei einer Modenschau in Tel Aviv

von Sabine Brandes  23.06.2026

Terrorgefahr

Schin Bet warnt vor möglichem Angriff auf Eilat im Stil des 7. Oktobers 

Der Chef des Inlandsgeheimdienstes soll führende Mitarbeiter der Behörde angewiesen haben, mögliche Angriffsszenarien für die Hafenstadt im Süden zu untersuchen

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026