Glossar

Birkat Hamason

Birkat Hamason – das Gebet nach einem Mahl, bei dem Brot gereicht wird Foto: Thinkstock

»Birkat Hamason« wird gewöhnlich mit »Tischgebet« übersetzt und gehört zu den älteren Gebeten der jüdischen Liturgie. Wörtlich übersetzt heißt es »der Segen über Lebensmittel«. Im Jiddischen nennt man das Birkat‐Hamason‐Sagen auch »benschen« – abgeleitet von dem lateinischen Verb »benedicere« (lobpreisen).

Das Gebet nach einem Mahl, bei dem Brot gereicht wird, besteht aus vier Segenssprüchen, in denen wir gemäß folgendem biblischen Gebot G’tt danken: »Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen G’tt, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat« ( 5. Buch Mose 8,10).

SEGENSSPRUCH Daher ist der erste Segensspruch ein Dank an G’tt für die »Nahrung«, der zweite für »das gute Land«, das Er unserem Volk zuteil werden ließ, und im dritten loben wir G’tt, der in seiner Barmherzigkeit Jerusalem wieder aufbaut.

Unsere Weisen schreiben die drei ersten Segenssprüche des Birkat Hamason sogar Mosche, Jehoschua und den Königen David und Schlomo zu. Der Talmud lehrt: Mosche führte den ersten Segen über die Gnade G’ttes gegenüber Seinem Volk ein, zu der Zeit, als das Manna vom Himmel fiel und die Kinder Israels so von G’tt »ernährt« wurden. Jehoschua etablierte den zweiten Segen, als die Israeliten das Gelobte Land betraten. Die Könige David und Schlomo verfassten den dritten Segen, der mit dem Ausdruck G’tt als »Erbauer Jerusalems« schließt (Berachot 48b).

Tischgebet Ein vierter Segensspruch »Ha Tow weHameitiw« (»Der gut ist und Gutes tut«) ist eine spätere Ergänzung und wird den Rabbinern aus der Zeit unmittelbar nach dem Bar‐Kochba‐Aufstand im zweiten Jahrhundert d.Z. zugeschrieben. Zu jener Zeit war der Rest des jüdischen Volkes im Heiligen Land dem Untergang geweiht. Die vielen Opfer des Aufstands lagen tot auf den Straßen, denn die römischen Besatzer erlaubten nicht, sie zu beerdigen. Dadurch entstand eine schlimme Seuche. Als man schließlich die Toten begraben durfte, wurde dieser Segensspruch dem Tischgebet hinzugefügt. In ihm danken wir G’tt, dass er den Untergang Seines Volkes Israel verhindert hat.

Im Laufe der Zeit erweiterte sich der ursprüngliche Text des Birkat Hamason erheblich. Innerhalb der ersten drei Benediktionen wurden Dankgebete für das Geschenk der Tora, für den Bund Awrahams und für die Dynastie des Königs David eingefügt, aus dessen Nachfahren laut der Tradition einst der Maschiach kommen wird.

Doch der vierte Segensspruch gewann am meisten an Umfang. Eine Reihe von Bittgebeten, die jeweils mit dem Wort »HaRachaman« (»Möge der Barmherzige«) beginnen, wurde hinzugefügt. Die Anzahl dieser »HaRachaman«-Verse variiert in den verschiedenen Gemeinden.

Für den Schabbat wurde ein besonderes Gebet hinzugefügt. Für die Feiertage und zu den Rosch‐Chodesch‐Tagen entlehnte man Gebete aus der Liturgie. Ferner sind bei Beschneidungen und Hochzeitsfeiern poetische Einfügungen durchaus üblich. Und auch in einem Trauerhaus wird das Tischgebet in einer besonderen Form rezitiert.

Mahlzeit Wenn drei oder mehr männliche Erwachsene an einer gemeinsamen Mahlzeit teilnehmen, bilden sie ein Mesuman, eine Tischgemeinschaft. Dann wird das Birkat Hamason durch eine Formel eingeleitet. Derjenige, der das Gebet anführt, öffnet den Simmun, die Einladung zum Tischgebet, mit dem Aufruf: »Rabbotai newarech« (»Meine Herren, lassen Sie uns den Segen sprechen!«). Mancherorts hört man auch auf Jiddisch: »Rabbotai, wir wollen benschen!« Damit ist eine Art offizieller Aufruf zu einem G’ttesdienst gegeben, auf den die Teilnehmer ihrerseits reagieren.

Bis zum Ende des Zeitalters der Geonim, das heißt, bis etwa ins 11. Jahrhundert, war das Birkat Hamason ausformuliert und etabliert. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde nur weniges hinzugefügt. Bis heute ist das Birkat Hamason ein Gebet, in dem wir Juden unsere Dankbarkeit ausdrücken gegenüber G’tt, der uns Nahrung schenkt.