Graffiti in Tel Aviv

Graffiti in Tel Aviv

»An seiner Einstellung gegenüber Graffiti kann man gut erkennen, wie liberal ein Land ist«, sagt der israelische Street-Artist Avi Ettinger. »Die Berliner Mauer war von der Westseite voller Graffiti, von Osten war sie blank.« In Nordkorea würde die Polizei sogar Schriftproben von den Bewohnern eines ganzen Wohnblocks nehmen, um den Urheber eines Graffitis ausfindig zu machen. In Tel Aviv – Israels inoffizieller Kulturhauptstadt – sei die Lage etwas ironisch. »Die Stadt hat eigene Aufseher, die gemeinsam mit der Polizei Sprayer finden und Geldstrafen verhängen. Zugleich bietet sie Graffiti-Touren an, um jene Werke zu zeigen, deren Sprayer nicht auf frischer Tat ertappt wurden«, so Ettinger. Der Reiz am Graffiti-Sprühen wird durch die Illegalität wohl nur noch größer.

Vor allem im Stadtviertel Florentin gibt es Dutzende Sprayer, die nachts aktiv und nur unter Künstlernamen bekannt sind. Das heißt auch: Jeden Morgen sieht das Viertel etwas anders aus – und niemand kann vorhersagen, wie.

An einem besonders schwülen Juli­tag führt Ettinger eine Besuchergruppe durch Tel Aviv, die mehr über die Street-Art der Stadt erfahren möchte.