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Matanot Laewjonim

Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums

17.03.2016 – von Noemi BergerNoemi Berger

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Zu den besonderen Bräuchen an Purim gehört es, Matanot laEwjonim zu geben. Das heißt, dass wir an Purim, noch bei Tageslicht und nicht etwa am Abend, mindestens zwei bedürftigen Personen Geld oder Essen spenden sollen.

Teilen und Geben sind wesentliche jüdische Prinzipien, die ihren Ausdruck auch in dieser Mizwa finden. Mit einem Geschenk, sei es in Form einer Spende an eine Wohltätigkeitsorganisation oder direkt durch eine Zuwendung an einen bedürftigen Menschen, soll man an Purim zur Freude anderer beitragen. Dieser Brauch, die Verbreitung der Freude unter Mitmenschen, lässt uns das Licht und das Glück mit den weniger Privilegierten teilen.

Während wir angehalten sind zu feiern, wird von uns aber auch erwartet, sicherzustellen, dass jeder in unserer Gemeinschaft über die Mittel verfügt, dieses fröhliche Fest angemessen begehen zu können.

Mizwa Der mittelalterliche Kommentator Raschi (1040–1105) erklärt, warum die Mizwa von Matanot laEwjonim an mindestens zwei Personen erfüllt werden muss. Der Begriff »Ewjonim« aus der Megillat Esther, die wir an Purim verlesen, ist der Plural des Wortes »Ewjon« – »der Bedürftige«: »Und Mordechai schrieb diese Begebenheiten auf und sandte Briefe an alle Juden in allen Provinzen des Königs Achaschwerosch ..., dass sie den 14. und 15. Tag des Monats Adar Jahr für Jahr feiern sollten als die Tage, an denen die Juden Ruhe erlangt hatten vor ihren Feinden, und als den Monat, in dem sich ihnen Kummer in Freude und Trauer in einen Festtag verwandelt hatten – dass sie sie zu Tagen des Gastmahls und der Freude machen, an denen man einander Teile sendet und Geschenke an die Armen (Matanot laEwjonim) gibt« (Esther 9, 20–22).

Der Rambam, Maimonides (1135–1204), meint, dass man nicht überprüfen soll, ob jemand wirklich in Geldnot ist und wahrhaftig Matanot laEwjonim benötigt. Vielmehr sollte man jedem geben, der an Purim um eine Spende bittet, denn die Mizwa basiert auf der Idee der Simcha, der Freude.

Bedürftig Der Schulchan Aruch (Jore Dea 253) definiert eine bedürftige Person als jemanden, der nicht imstande ist, sich und seiner Familie einen vernünftigen Lebensstandard zu ermöglichen und keinerlei Eigentum oder Güter besitzt, die er verkaufen könnte. Aber auch jemand, der vorübergehend mittellos geworden ist, wird als bedürftig betrachtet, wenn es um die Erfüllung der Mizwa von Matanot laEwjonim geht, denn er hat zu dieser Zeit nicht genug Geld für seine Bedürfnisse.

Wer für jemanden spendet, nimmt Anteil an dessen Freude. Basierend auf »Mipnei Darchei Schalom«, was so viel bedeutet wie den »Frieden in der Welt als ein positives Ideal zu fördern«, sollte man nach dem Talmud (Gittin 61a) die nichtjüdischen Armen genauso wie die jüdischen Bedürftigen unterstützen.

Laut Schulchan Aruch (694,17) muss das Geschenk wirklich an Purim gegeben werden, um die Mizwa zu erfüllen. Denn der wesentlichste Grund, dass wir an Purim spenden, ist, dass wir Freude bereiten wollen.

Umfang Obwohl die grundlegende Halacha besagt, dass man weniger als eine Pruta geben sollte – das ist eine sehr geringe Menge von etwa fünf Cent –, ist es richtig und letztendlich das Ziel, ein würdiges Geschenk zu geben, denn es soll den Bedürftigen ein gewisses Maß an Freude bereiten. Einige unserer Weisen meinen, dass die Spende wenigstens den Kauf einer kleinen Mahlzeit ermöglichen sollte.

Sowohl Männer als auch Frauen und sogar jemand, der selbst auf Unterstützung angewiesen ist, hat die Pflicht, Matanot laEwjonim zu geben.

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