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Zwischen Jeckes und jüdischem Witz

Im November laufen in diversen Städten jüdische Kulturwochen und
-tage: Die Besucher dieser größten deutschen Festivals für jüdische Kunst und Kultur können mit einer breiten Mischung aus Musik, Theater, Kabarett, Kino, Besichtigungen, Vorträgen und Streitgesprächen rechnen. Ziel ist es, Juden und vor allem auch Nichtjuden einen Einblick in die Facetten jüdischer Kultur und jüdischen Lebens zu bieten. Ein verbindendes Thema zwischen den einzelnen Städten gibt es nicht, abgesehen von der gemeinsamen Vorliebe für Klesmer‐Melodien und dem Interesse am 100. Geburtstag von Tel Aviv. Möglich werden die Veranstaltungen durch eine enge Kooperation von Gemeinden und Fördervereinen mit den Städten und vielerorts durch Sponsoren.

stuttgart Mit »Deutschland, Deine jüdischen Welten. Jüdische Beiträge zur deutschen Geschichte und Kultur«, sind die Kulturwochen in Stuttgart überschrieben. »Wir wollen zeigen, dass Juden auf den Gebieten der Kultur und Wissenschaft ein unverzichtbarer und bereichernder Be‐
standteil des Lebens in Deutschland waren und sind«, betont der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, IRGW. Die Kulturwochen in der baden‐württembergischen Landeshauptstadt sind am Dienstag mit einer Diskussion im Stuttgarter Rathaus gestartet. Als Höhepunkte sind vorgesehen: eine Lesung von Leon de Winter aus seinem Roman Das Recht auf Rückkehr im Hospitalhof, Büchsenstraße 33, am Dienstag, 10. No‐
vember, ab 20 Uhr (Eintritt 7/5 Euro) – und die zur gleichen Zeit laufende Hommage von Robert Kreis an jüdische Texter und Künstler der 20er‐ und 30er‐Jahre im Residenztheater (»Verehrt, verfolgt, vergessen«, Eintritt: 19/15 Euro). Am 9. November stellt Leo Martin Reich im Treffpunkt Rotebühlplatz 28 sein Buch über den Stuttgarter jüdischen Arzt Cäsar Hirsch vor. Bis zum 4. Dezember läuft im Stuttgarter Rathaus die Ausstellung »Dokumente jüdischen Über‐Lebens« über das Archiv der IRGW. Der Ausklang wird musikalisch: Am Sonntag, 15. November, stellen sich um 15 Uhr Nachwuchskünstler im Ge‐
meindesaal vor. In der Stuttgarter Synagoge tritt dann ab 20 Uhr der Synagogen‐Chor aus Basel auf

frankfurt Die Frankfurter Kulturwochen begannen am 28. Oktober mit einer Fotoausstellung zum 100‐jährigen Bestehen von Tel Aviv im Ignatz‐Bubis‐Gemeindezentrum. Ran Erde hat historische Ansichten der Mittelmeermetropole, die der legendäre Fotograf Avraham Soskin (1881–1963) vor Jahrzehnten abgelichtet hat, erneut vor die Linse genommen. Das Ergebnis ermöglicht Vergleiche zwischen einst und jetzt. Die Schau ist noch bis 15. November zu sehen (sonntags bis donnerstags 14 bis 18 Uhr). Am Mittwoch, 11. November, findet um 20 Uhr ein Abend mit jüdischen Volksliedern im Gemeidezentrum statt. Dabei geht es vor allem um Stücke aus der Feder von Naomi Shemer, die voller Hinweise auf die jüdische Geschichte stecken. Unter dem Titel »Das überirdische Licht« berichtet Barbara Honigmann am Donnerstag, 12. November, ab 20 Uhr im Frankfurter Literaturhaus über eine Reise nach New York und ihre Erlebnisse mit den dortigen jüdischen »communities and connections«. Eine für den 8. November geplante Lesung von Leon de Winter entfällt.

erfurt Zum 17. Mal finden in Thüringen die Tage der Jüdisch‐Israelischen Kultur statt. Motto diesmal: »Jüdische Alltagskultur«. In der Kleinen Synagoge in Erfurt beschäftigt sich am Freitag, 6. November, Karin Richter damit, wie man mit Kindern über den Holocaust sprechen kann. Es müssen aber nicht immer schwere Themen sein: Ein Vortrag von Harald‐Alexander Korp widmete sich etwa der Frage: »Worüber lacht Abraham? Jüdischer Witz als Therapie«. Auch Sonderführungen durch die Alte Erfurter Synagoge stehen an (7. November, 11 Uhr; 8. November, 16 Uhr). Begonnen haben die Kulturtage mit der Eröffnung der Ausstellung des Brotmuseums Ulm »Alles koscher – das Brot der Juden«, die noch bis zum 30. November im Stadtarchiv im Alten Erfurter Rathaus zu sehen ist. Am Sonntag, 8. November, gibt es eine Stadtführung für Kinder durch das jüdische Erfurt (15 Uhr ab Fischmarkt). Zum Abschlusskonzert mit Vadim Chaimovich wird am 8. November um 19.30 Uhr in den Erfurter Rathausfestsaal geladen.

münchen Die Kulturtage in München (14. bis 26. November) werden wie schon seit 1987 von der Gesellschaft zur Förderung Jüdischer Kultur und Tradition organisiert. Der Verein bietet diesmal einen Schwerpunkt zur Geschichte deutscher Einwanderer (»Jeckes«) in Israel und zum Geburtstag von Tel Aviv an. »Wir haben gemerkt, dass das Interesse am Beitrag der deutschen Juden am Aufbau Israels sehr groß ist«, sagt die Vereinsvorsitzende Ilse Ruth Snopkowski. Am 17. November referiert der Autor und Journalist Gil Yaron um 18.30 Uhr in der Black‐Box im Gasteig über »Deutsche Spuren in einer israelischen Metropole«. Im Anschluss wird der Dokumentarfilm Die hebräische Stadt – 100 Jahre Tel Aviv von Richard C. Schneider gezeigt. Am 18. November, 20 Uhr, gibt es zu den deutschen Spuren in Israel eine Podiumsdiskussion im Kleinen Konzertsaal Gasteig. Musikalisches Highlight ist am 21. November ab 20 Uhr im Carl‐Orff‐Saal der Auftritt des Folk‐Soul‐Reggae‐Trios »HaBanot Nechama«. Die drei Frauen aus Tel Aviv erreichten mit ihrem Debut‐Album in Israel gleich Goldstatus.

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