Kinky Friedman

Zurück auf die Farm

von Michael Wuliger

Texas bekommt keinen jüdischen Gouverneur. Kinky Friedman erreichte bei den Wahlen am Dienstag mit 12 Prozent der Wählerstimmen nur den vierten Platz. Dabei hatten Meinungsumfragen noch vor einigen Monaten den Countrysänger und Krimiautor bei zwanzig bis dreißig Prozent gesehen; manche gaben ihm sogar eine reelle Chance, den republikanischen Amtsinhaber Rick Perry zu schlagen. »Wir haben Texas eine Wahlmöglichkeit geboten, aber Texas hat sie nicht gewollt«, sagte der enttäuschte Kandidat. Gegen die gutorganisierten und finanziell bestens ausgestatteten Apparate der großen Parteien – die Friedman en passant mit Gangs verglich – habe er als unabhängiger Kandidat keine Chance gehabt. Friedman hatte unter dem Motto »Kinky for Governor. Why the hell not?« einen unkonventionellen Wahlkampf geführt. Er sprach sich einerseits für die Todesstrafe und das obligatorische Schulgebet aus, andererseits auch für die Schwulenehe: Schwule und Lesben hätten das gleiche Recht auf ein unglückliches Leben wie andere Leute auch. Im Ölstaat Texas kündigte er ein Biodieselprogramm an. Und um das Einsickern illegaler Einwanderer aus Mexiko zu stoppen, wollte er den zuständigen mexikanischen Beamten eine Million US-Dollar jährlich zahlen – abzüglich 5.000 Dollar für jeden durch die Maschen geschlüpften Illegalen.
Mit solchen Sprüchen hatte der mit Stetson, Zigarre und Dosenbier auftretenden Kandidat im In- und Ausland großes Medieninteresse erregt. Seine Wahlveranstaltungen in Kneipen und bei Barbeques waren stets gut besucht. Daß die Sympathie sich nicht in Stimmen niedergeschlagen hat, könnte auch daran liegen, daß die »Rednecks« – auf Soziologendeutsch die Unterschicht –, auf die der Kandidat seinen Wahlkampf zugeschnitten hatte, in ihrer großen Mehrheit traditionell nicht wählen gehen.
Als Kinky Friedman vor einem Jahr seinen Wahlkampf begann, kündigte er an, im Falle einer Niederlage sich grollend auf seine Farm zurückzuziehen. Am Wahlabend zeigte er sich versöhnlicher: »Wir haben als Zigeuner auf einem Piratenschiff begonnen und daraus eine noble Kampagne gemacht«, rief er seinen Anhängern zu. Noch einmal wiederholen will er sein politisches Abenteuer aber nicht. Den Kinky-Fans bleiben seine Lieder und Bücher. Das neueste, Tanz auf dem Regenbogen, ist gerade im Verlag Klaus Bittermann erschienen.

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