Gedenkgottesdienst

Zukunft im Blick

von Christine Schmitt

»Wir wollen am 9. November nicht nur an die Vergangenheit denken, sondern auch an die Zukunft«, sagt Rabbiner Andreas Nachama beim Schabbatgottesdienst in der Synagoge Hüttenweg, der der Erinnerung an die jüdischen Opfer dieses Tages gewidmet ist. Zum 69. Mal jähre sich der Novemberpogrom. Mit dem Gedenkgottesdienst »in der einzigen Reformsynagoge« dieser Stadt, wie Nachama betont, soll gleichzeitig an die in Berlin nahezu ausgelöschte Tradition der Reformbewegung erinnert werden.
Zudem gebe es auch wieder Zeichen der Hoffnung für das jüdische Leben in Berlin und in Deutschland, meint Nachama. Das werde unter anderem vom jüngsten Teilnehmer des Gottesdienstes, dem erste wenige Wochen alten Sohn von Kantorin Avitall Gerstetter, verkörpert. Außerdem sollte am nächsten Tag die Batmizwa von Lea Wyrwal begangen werden.
Zum Freitagabend-Gottesdienst sind Beter der Synagogengemeinde Sukkat Schalom, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, Politiker und Freunde gekommen, und zwar so viele, dass immer mehr Stühle aus anderen Räumen geholt werden müssen. Der evan-
gelische Pastor Rudolf Weckerling und die Rabbinerin Dalia Marx aus Jerusalem un-
terstützen Nachama.
Der erinnert an »die schwarze Nacht«, in der in Deutschland von 3.000 jüdischen Bauwerken wie Synagogen, Kindergärten und Schulen 1.500 zerstört worden sind. 15.000 bis 20.000 Juden – darunter auch Ruth Galinski, Ehefrau des früheren Gemeindevorsitzenden Heinz Galinski, seien in Deutschland in den letzten Oktobertagen deportiert worden und wehrlos im polnischen Niemandsland ausgesetzt worden. Etwa 20.000 Menschen jüdischen Glaubens seien im November 1938 ins Lager deportiert worden, wie beispielsweise der spätere Journalist Ernst Cramer, der nach Buchenwald kam. Wer nachweisen konnte, dass er die Möglichkeit hatte, Deutschland zu verlassen, hatte noch einmal Glück und durfte das Lager verlassen, wie das bei Ernst Cramer der Fall war. »Bei Cramer hat sich das Schicksal zum Guten gewandt, er kam als US-Soldat zurück und befreite Buchenwald.«
Historiker würden heute noch fragen, wie das alles passieren konnte, was mit dem Novemberpogrom begann. Aber eine überzeugende Antwort habe er noch nie gehört, sagte Nachama. Er glaube, dass das Böse in der Hand jedes Einzelnen liege. Die Geschichte zeige, dass Einzelne etwas getan und geholfen haben. »Alle müssen lernen, wachsam zu sein.«
Rabbinerin Dalia Marx erzählte von ihrer Familie, die damals in Duisburg den Nazi-Terror erlebte. Rudolf Weckerling, da-
mals junger Pfarrer, erinnerte an den Po-
grom in Gießen an der Lahn. »Der 9. November verjährt nicht«, sagte der 96-Jährige. »Wir Christen sind beschämt, dass noch heute Polizeischutz für jüdische Einrichtungen in Berlin notwendig ist.« Gleichzeitig seien die Christen auch dankbar für das Wunder einer wachsenden Gemeinde in der Stadt, in der einst die Endlösung beschlossen wurde.

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