Schoa-Drama

Zu schön, um wahr zu sein

von Jessica Jacoby

Ein „judenreines Berlin“ wollten die Nationalsozialisten ihrem Führer zum Geburtstag im April 1943 schenken. Mit massenhaften Razzien versuchten sie, der letzten Juden Berlin habhaft zu werden. Die Verhafteten wurden in Deportationszügen vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald in den Tod geschickt. Insgesamt fast 70.000 Berliner Juden kamen so in die Vernichtungslager. Erst Jahrzehnte später ließ die Deutsche Bahn an diesem Ort ein Mahnmal errichten.
Der letzte Zug, ein Film in der Regie von Joseph Vilsmaier, produziert von Arthur Brauner, spielt in einem der Viehwaggons, in denen die verzweifelte menschliche „Fracht“ in die Vernichtungslager transportiert wurde. Mit dem Ehepaar Henry und Lea Neumann und deren Tochter Nina, dem Kabarettisten Jakob Noschik und seiner Partnerin Gabriella Hellmann, dem Arzt Dr. Friedlich mit Frau und Baby, dem Boxer Albert Rosen und dessen Verlobter Ruth Zilbermann ist hier ein Querschnitt dessen versammelt, was von der einst größten jüdischen Gemeinde Deutschlands übriggeblieben war. Kurze Rückblenden illustrieren das frühere Leben der Eingeschlossenen.
Sechs Tage dauert die Fahrt. Sechs Tage ohne Wasser, ohne Lebensmittel und nur nur einem Eimer für die Notdurft. Die Insassen werden Zeugen von Hinrichtungen und selbst von betrunkenen Soldaten beschossen. Einige versuchen auszubrechen, doch nur zwei werden es am Ende schaffen. Aus dem Fluchtversuch bezieht der Film seine Spannung. Doch er verliert damit auch seine Glaubwürdigkeit. Nicht nur weil eine solche gelungene Flucht historisch nicht belegt ist. Die Aussicht auf Flucht verleiht im Film der Situation der Deportierten etwas unangemessen Tröstliches. Hinzu kommt eine Tendenz zu Stereotypen. Ruth Zilbermann (Sibel Kikelli) ist die mutige, schöne und (lebensentscheidend) schlanke junge Frau. Henry Neumann (Gedeon Burkardt) und Boxer Rosen geben dazu die ebenso mutigen wie gutaussehenden männlichen Gegenparts. Eine verzweifelte Gabrielle Hellmann (Brigitte Grothum) muß mit bluti‐ gen Lippen Wasser vom Boden auflecken, ihr Lebensgefährte, der Kabarettist Noschik (Hans‐Jürgen Silbermann) hat Zweckoptimismus zu verbreiten und die Bewacher unterwürfig mit Witzen und Liedern zu unterhalten. Er wird erschossen, während er Schillers und Beethovens „Ode an die Freude“ singen muß. Der Arzt Friedlich (Juraj Kukura) tötet kurz vor der Ankunft in Auschwitz erst seine Frau, die zuvor ihr Baby erstickt hat, und dann sich selbst mit dem Skalpell. Wie seit „Morituri“ in jedem Schoa‐Film aus dem Hause Brauner üblich, darf auch hier nicht die Mutter fehlen, die sich weigert, ihren toten Säugling loszulassen. Doch was in der Realität herzzerreißend war, wirkt hier nur noch wie ein verbrauchtes Klischee. Einzig Lena Bayerling als das mit großer Würde ausgestattete Mädchen Nina bleibt positiv im Gedächtnis. Doch auch sie kann den Gesamteindruck nicht relativieren: Der Film ist gut gemeint, aber nicht gut gemacht.
Der Zug, der am 19. April 1943 Berlin mit 688 Juden in Richtung Auschwitz verließ und von dem der Film handelt, war in Wirklichkeit nicht der letzte Deportationszug aus der Reichshauptstadt in den Osten. Daß man dem Film trotzdem den Titel Der letzte Zug gegeben hat, ist symptomatisch. Zugunsten der Griffigkeit verzichtete man auf Genauigkeit. Dazu gehört auch, daß gleich zu Beginn des Films eine Frau auf Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald das osteuropäische Partisanenlied Sog nit kejnmol das du gehst den letzten Weg singt. Das Lied wurde im Frühling 1943 vom Wilnaer Dichter und Partisan Hirsch Glick geschrieben. In Berlin dürfte es zu jener Zeit wohl kaum bekannt gewesen sein.
Der Film endet mit einem Blick auf das Holocaust‐Mahnmal in Berlin. Spätestens damit ist er beim offiziellen, staatlich subventioniertem Gedenken angekommen. Dazu paßt, daß Bahnchef Hartmut Mehdorn, der eine Holocaust‐Ausstellung in deutschen Bahnhöfen ablehnt, (vgl. Jüdische Allgemeine 26. Oktober 2006) Vilsmaiers Film finanziell unterstützt hat.

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