Weihrauch

Wie Opium fürs Volk

Katholische Messdiener haben es schon immer gewusst: Weihrauch, vom Priester geschwenkt, entspannt und sorgt für angenehme Euphorie. Israelische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, warum das so ist. Das Harz von Bäumen der Gattung Boswellia, aus dem der Weihrauch besteht, duftet nicht nur intensiv, es enthält auch einen Inhaltsstoff, der direkt auf das Gehirn einwirkt. Arieh Moussaieff, Esther Shohami und Raphael Mechoulam von der Hebräischen Universität Jerusalem und ihr Team haben Mäuse Weihrauchschwaden ausgesetzt. Anschließend hatten die Mäuse weniger Angst und verhielten sich viel entspannter, was die Forscher anhand von Verhaltenstests festsellen konnten.
Das Wohlgefühl half den Mäusen allerdings nicht lange – anschließend wurden sie getötet und ihre Hirne seziert. Unter dem Mikroskop ließ sich nachweisen, dass der Weihrauch-Wirkstoff Incensolacetat den TRPV3-Rezeptor im Mäusehirn stimuliert. Dieser Rezeptor war zwar bereits als Wärmesensor der Haut bekannt; welche Funktion er im Gehirn wahrnahm, wusste man bisher allerdings nicht. Durch das Protein TRPV3 werden Bereiche der Amygdala oder des Mandelkerns aktiviert, jener Hirnregion, die für die Entstehung von Gefühlen zuständig ist. Auf diese Weise hatte Weihrauch einen antidepressiven Effekt auf die Versuchsmäuse.
Ihren Forschungsbericht veröffentlichten die Wissenschaftler im FASEB Journal, der Fachzeitschrift der Federation of American Societies for Experimental Biology. Bisher wurde die Wirkung des Weihrauchs nur an Mäusen getestet. Moussa-ieff und Kollegen regen nun klinische Studien an, die zur Entwicklung neuartiger Psychopharmaka gegen Depressionen führen könnten. Ein entsprechendes Patent hat die Hebräische Universität bereits beantragt. ja

Meinung

Erfolgreich ausgesessen

documenta: Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwerer, als der Antisemitismus selbst

von Anna Staroselski  22.09.2022

Zahl der Woche

9.593.000 Menschen

Fun Facts und Wissenswertes

 22.09.2022

Standpunkt

Einfach besser machen

Die »Zehn Tage der Umkehr« dienen im Judentum der Reflexion und Reue. Unser Autor überlegt, ob nicht auch die documenta-Verantwortlichen jetzt Besserung geloben könnten

von Maram Stern  22.09.2022

Haus der Wannsee-Konferenz

Emotionaler Termin

Bundeskanzler Scholz und Israels Regierungschef Lapid treffen Schoa-Überlebende

von Lilly Wolter  12.09.2022

Diplomatie

Steinmeier begrüßt Herzog zu Staatsbesuch in Berlin

Israel Staatspräsident: »Jeder Besuch in Deutschland hat ein enormes persönliches Gewicht«

 04.09.2022

Berlin

Bundespräsident Steinmeier begrüßt Israels Präsidenten Herzog zu Staatsbesuch

Am Montag empfängt Bundeskanzler Olaf Scholz den Staatsgast

von Jörg Blank  04.09.2022

Meinung

Weltkirchenrat: Im Gespräch bleiben

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen wird von Antisemitismusvorwürfen überschattet. Der Dialog zwischen Juden und Christen darf aber nicht abreißen, findet unser Autor

von Rabbiner Andreas Nachama  31.08.2022

Meinung

Bosnien: Juden als Premierminister unerwünscht

Alexander Rhotert wünscht sich ein Ende der verfassungsmäßigen Ungleichstellung der nationalen Minderheiten von Bosnien und Herzegowina

von Alexander Rhotert  31.08.2022

Olympia-Attentat 1972

Olaf Scholz: »Eine gute Lösung finden«

Das bisherige Entschädigungsangebot der Bundesregierung lehnten die Hinterbliebenen der Opfer als zu gering ab. Nun scheint eine Einigung in greifbarer Nähe zu sein

 31.08.2022