Finalist

Wen wundert’s?

Sie prangen an immer mehr Heck‐scheiben und Kofferräumen. »Dei L’Jibusch!«, Schluss mit der Austrocknung. Einer Erklärung bedarf es schon lange nicht mehr. Jeder im Land weiß, was mit den Aufklebern gemeint ist. Das Tote Meer verschwindet, seit drei Dekaden geht der Wasserspiegel jährlich um mindestens einen Meter zurück. Hochdramatisch für den einzigartigen Salzsee, der bald schon ein verdorrtes Stück Erde inmitten unwirtlicher Natur sein könnte. Und doch gibt es immer wieder politisches Zanken und Zerren statt tatkräftiger Hilfe. Einzige Rettung scheint momentan die Aufnahme in die Liste der sieben modernen Weltwunder im Bereich Natur zu sein.
Bei den »New7Wonders of Nature« liegt das Tote Meer gut im Rennen. Am Dienstagnachmittag wurde die Entscheidung über die Finalisten bekanntgegeben: Der See am tiefsten Punkt der Erde ist in der Endrunde mit dabei.
So gut es sich in diesem Wettbewerb behauptet, so schlecht ist der Zustand des Toten Meeres. Sogar in der offiziellen Presseerklärung des Tourismusministeriums ist die Rede davon, dass »der Öffentlichkeit weltweit bewusst gemacht werden muss, wie sehr das einmalige Binnengewässer gefährdet ist«. Diese Tatsache hat wohl letztendlich palästinensische Politiker dazu bewogen, sich einen Ruck zu geben. Denn nur wenn alle drei Anrainer – Israelis, Jordanier und Palästinenser – die Vereinbarung gemeinsam unterzeichnen, wird es in die Liste aufgenommen. Doch es wäre nicht der Nahe Osten, wenn so etwas ohne lautstarkes Gezeter vonstattengehen würde. Nachdem Israel und Jordanien schon lange ihre Unterschrift unter das Papier gesetzt hatten, weigerten sich die Palästinenser vehement aus dem Grund, dass Mitglieder des Komitees Siedlungen in ihren Gebieten unterstützen. In letzter Sekunde aber unterzeichnete Präsident Mahmoud Abbas doch – ein kleines politisches Wunder: Und das Tote Meer darf dabei sein.
Die Badenden an den Stränden des Westufers scheren sich herzlich wenig um Politik. Kinder und Erwachsene aus dem In‐ und Ausland lassen sich vom hohen Salzgehalt tragen, jauchzen vor Freude ob der unwirklichen Tatsache, dass sie partout nicht untergehen können. Viele schmieren ihre Körper mit dem heilsamen schwarzen Schlamm ein, der am Ufer zu finden ist. Doch wie lange noch?

Gefahr Schon heute ist ein Drittel der Oberfläche verschwunden. Ganz langsam wächst das Bewusstsein in der Bevölkerung, immer mehr wollen das Naturwunder retten, allen voran die Umweltschutzorganisation »Friends of the Earth/Middle East« (FoEME), während die Politiker an‐
scheinend endlos debattieren. Lange schon wird über einen umstrittenen Kanal gesprochen, der Wasser vom Roten ins Tote Meer leiten soll. Konkretes gab es indes bislang wenig. Vor wenigen Wochen dann verkündete der Vize‐Premier und Minister für regionale Entwicklung, Silvan Shalom, dass die Weltbank 1,25 Milliarden Dollar für den Kanal zur Verfügung gestellt hätte. Die Bank jedoch dementierte. »Billige Politik«, titelte FoEME in einer Erklärung.
Das Problem der Austrocknung ist alles andere als neu. Hauptsächlicher Grund ist der geringe Zufluss an Wasser. Einst ergoss es sich reichlich vom Jordan in den See, doch der Bau von Dämmen und Speichern, hauptsächlich jedoch das Abzweigen des Flusswassers für die Landwirtschaft, lassen lediglich noch traurige Rinnsale am tiefs‐
ten Punkt der Erde, 417 Meter unter Normal Null, ankommen. Anzeichen für den drohenden Tod sind die vergrößerten Salzflächen und sogenannten Senklöcher, von denen immer mehr entstehen. Man muss kein Experte sein, um das zu erkennen. Iris Kochawy vom »Landschaftsverband Totes Meer‐Megilot«, der sich vor mehr als einem Jahr für die Aufnahme in die Weltwunder‐liste eingesetzt hatte, ist höchst alarmiert: »Wenn nicht schnell etwas getan wird, geht der Wasserstand bald noch mehr als einen Meter jährlich zurück. Es ist kaum noch zu ertragen. Wir alle, die wir das Tote Meer lieben und Naturfreunde sind, haben die Aufgabe, es zu beschützen. Die Zeit drängt!«
Rettung Dass wenig in Sachen Rettung geschieht, wundert sowohl Einheimische wie Touristen. Denn das Naturphänomen ist einer der Anziehungspunkte für Menschen aus der ganzen Welt. »Einmal ein Buch auf dem Salzwasser lesen«, wollte Ruth Bahners schon immer. Vor zehn Jahren zog es sie ans Tote Meer, im kommenden Dezember will die Touristin aus Düsseldorf wieder hin. »Ich kann gar nicht glauben, dass sich die Israelis nicht um das Problem kümmern, es ist doch einer der schönsten Orte überhaupt. Wenn es den so nicht mehr gäbe, wäre das ein unglaublicher Frevel an der Natur«, findet sie.
Tourismusminister Stas Misezhnikov verkündete, dass er nun eine umfassende Werbekampagne in 14 Ländern und elf Sprachen starten wolle. Der internationale Internet‐Wettbewerb für die Naturwunder dauert bis 2011. Insgesamt haben sich 440 Stätten aus 220 Ländern bei Beginn 2007 beworben. Zu den verbleibenden 28 im Be‐
reich Natur gehören unter anderen das Great Barrier Reef in Australien, der Schwarzwald, die Niagarafälle, die Galapagosinseln und die Malediven. Die Finalis‐ten wurden von einem Experten‐Ausschuss, unter Leitung des ehemaligen Ge‐
neraldirektors der UNESCO, Frederico Mayor, ausgewählt. Es wird erwartet, dass mehr als eine Milliarde Menschen bei der endgültigen Abstimmung mitmachen werden. Eins ist schon klar: Sieben Millionen Israelis stimmen ganz bestimmt für ihr Naturwunder vor der Haustür.

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