Angela Merkel

Weiße Tulpen, klare Worte

von Miryam Gümbel

Hoher Besuch kam am Donnerstag vergangener Woche in das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gemeinde- und Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch freute sich: »Der Besuch der Bundeskanzlerin ist eine große Ehre für die Israelitische Kultusgemeinde und Ausdruck des vertrauensvollen Verhältnisses zwischen der jüdischen Gemeinschaft und der deutschen Regierungschefin, die erst kürzlich vom Zentralrat mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet wurde.«
Vor der Ankunft der Kanzlerin hatten sich schon viele Münchner, darunter zahlreiche junge Menschen, auf dem großen Platz zwischen Synagoge und Gemeindehaus eingefunden. In Letzterem warteten neben dem Vorstand der Gemeinde auch einige Gäste auf die Kanzlerin, unter ihnen Oberbürgermeister Christian Ude und der Abgeordnete Peter Gauweiler sowie der Verleger Hubert Burda. Charlotte Knobloch und die beiden Vizepräsidenten der IKG, Yehoshua Chmiel und Marian Offman erwarteten den Gast vor dem Eingang.
Um 14.30 Uhr war es dann soweit: Die Limousine mit der Kanzlerin fuhr vor. Eine herzliche Begüßung zwischen den beiden politischen Repräsentantinnen, ein Gruß der Kanzlerin an die Anwesenden. Dann erlaubte das Protokoll knapp anderthalb Stunden für die Besichtigung von Synagoge und Zentrum sowie ein Gespräch mit dem Vorstand und einen persönlichen Meinungsaustausch zwischen Kanzlerin und Präsidentin. Ihre Eindrücke und ein Resümee des Besuches formulierte Angela Merkel zum Abschluss ihres Besuches in einem kurzen Statement. Sie habe bei diesem Besuch Gelegenheit gehabt, nicht nur eine »wunderbare Architektur« in der Synagoge kennenzulernen, sondern auch viel über jüdisches Leben zu erfahren.
Sehr angetan war sie von der Tatsache, dass hier jüdisches Leben in der Mitte der Stadt stattfinde und das Zentrum zugleich eine Begegnungsstätte für die gesamte Bevölkerung sei. Tief beeindruckt zeigte sie sich auch vom »Gang der Erinnerung« mit den Namen der während der Nazi-Zeit ermordeten jüdischen Bürger Münchens. Unter Bezugnahme auf die Forderung der Zentralratspräsidentin nach einem Verbot der rechtsextremen NPD betonte die Kanzlerin, dass die Bundesregierung alles tun wolle, um Abhilfe gegen Antisemitismus zu schaffen. Es sei bei dieser Aufgabe allerdings jeder gefragt: »Da darf niemand weggucken, da gibt es auch keine Toleranz«, betonte Merkel. Und noch etwas war Gegenstand der Gespräche: die Bedrohung aus dem Iran. Merkel sagte dazu, dass das iranische Atomprogramm nicht den Regeln der Transparenz entspreche. Deswegen könne man nicht sicher sein, dass es friedlichen Zwecken diene. Merkel betonte die besondere Verantwortung Deutschlands für Israel. Mit den ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen im Mai werde ein Beitrag zum 60-jährigen Bestehen des Staates Israel geleistet. Charlotte Knobloch dankte Angela Merkel für die herzliche Atmosphäre bei dem Besuch und das Engagement bei den angesprochenen Themen.
Ein Stück dieser Herzlichkeit hatte auch ein größerer Personenkreis miterleben können: die rund 150 ehrenamtlichen Helfer aus der Integrationsabteilung, die sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen vor allem für die Gemeindemitglieder engagieren, die aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion kommen. Sie selbst stammen fast alle von dort und hatten sich zum Empfang im Foyer des Gemeindehauses versammelt. Mit einem großen Blumenstrauß aus weißen Tulpen begrüßten sie die Bundeskanzlerin, der die Integration der jüdischen Zuwanderer sehr am Herzen liegt. Merkel unterstrich ihren Beitrag zum jüdischen Leben in Deutschland. »Wir sind ein offenes Land«, so Merkel, »aber wir können nur ein gemeinsames Land sein, wenn alle eine Chance haben.«
Die ehrenamtlichen Helfer leisteten einen entscheidenden Beitrag, damit alle hier ihren Platz finden können. Besonders freute es die Helfer, dass Angela Merkel, die nicht nur in der Schule Russisch gelernt hatte, sondern auch einige Zeit in Moskau studiert hatte, mit ihnen in bestem Russisch redete. In ihrer Ansprache ebenso wie in kurzen persönlichen Gesprächen. Mit einem herzlichen »Wsewo Choroschewo!« –»Alles Gute« verabschiedete sich die Kanzlerin von ihnen.

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026