Malschule

Wasser, Öl und Kunst

von Ingrid Hilgers

Lisa und Sergej hören gespannt zu. Während sie Ölfarbe auf den Plastikteller presst, erklärt Natascha Ovodkova, wie sie zu verwenden ist. Anders als Wasserfarbe deckt Ölfarbe sehr viel schneller andere Farben zu. Natascha Ovodkova ist mit Leib und Seele Künstlerin. Zu Hause malt die 51-Jährige viel mit Öl und Wasserfarben, und sie verkauft auch ihre Werke.
Seit rund drei Jahren ist die in Sibirien Geborene Mitglied der jüdischen Gemeinde Hameln-Pyrmont und unterrichtet dort die Kinder im Malen und Zeichnen. Jeweils samstags von 9 bis 14 Uhr betreut sie vier verschiedene Altersgruppen von fünf bis 15 Jahren. An der Malgruppe dürfen auch nichtjüdische Kinder teilnehmen.
»Wir arbeiten sehr professionell«, betont die an der Kunstakademie in Kasachstan ausgebildete Natascha Ovodkova. Die Kinder lernen mit Licht, Schatten, Volumen und Kontrast zu arbeiten und malen mit Wasserfarben, Öl und schwarzer Tusche. Die kleinen Kunstwerke verschwinden nicht einfach in einer Mappe, sondern werden auf Ausstellungen in der Gemeinde, bei Festen und auch bei offiziellen Anlässen der Stadt Hameln präsentiert. »Im letzten Jahr«, sagt Natascha Ovodkova, »haben wir einen jüdischen Kalender gestaltet.« Rund 30 Kinder malten beispielsweise Bilder mit den Themen Pessach, Jom Kippur, Simchat Tora, Schabbat oder die Klagemauer in Jerusalem. Der Zentralrat der Juden in Deutschland unterstützte das Projekt finanziell.
Der Kalender mit einer Auflage von 1.000 Stück wurde deutschlandweit an jüdische Gemeinden verteilt. Damit verbanden die Hamelner die Idee, dass die Gemeinden für den Kalender eine Spende an Kinder in Israel überweisen, die Opfer von Terror geworden sind. Das Kalenderprojekt konzentriert sich jedoch nicht nur auf das Sammeln von Spenden, sondern dient auch dazu, dass die Kinder eine lebendige Verbindung zum jüdischen Staat entwickeln. »Außerdem«, sagt Irina Pirogova, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Hameln-Pyrmont, »entsteht so bei den Kindern ein Zugehörigkeitsgefühl zu Israel.« Vielleicht möchten sie eines Tages dorthin reisen oder gar dort studieren.
Die Bilder im jüdischen Kalender sind ungewöhnlich gut. So gut, dass auch die Stadt Hameln-Pyrmont aufmerksam wurde. Jetzt werden die Bilder im Touristik-Zentrum, in der Sparkasse und in Büchereien ausgestellt. Außerdem haben die Kinder auch einen Kalender mit Bildern über die Stadt Pyrmont hergestellt, den sie in der Stadt verteilt haben. »Wir wollen mit den Bildern auch auf das Leben in der jüdischen Gemeinde aufmerksam machen«, erläutert Irina Pirogova.
Die jüdische Gemeinde Hameln-Pyrmont existiert seit 1998 und hat 170 überwiegend ältere, russischsprachige Mitglieder und 20 Kinder. Bis vor zwei Jahren hatte die Gemeinde einen Sozialarbeiter. Er kümmerte sich um die älteren Mitglieder und vermittelte bei der Wohnungssuche oder half beim Ausfüllen von Formularen. Aus Kostengründen wurde seine Stelle jedoch gestrichen. »Manchmal«, bedauert Pirogova, die Gemeindevorsitzende, »fühlen wir uns von der Stadt Hameln allein gelassen.« Ein Sozialarbeiter, der Hilfestellung für den Alltag gebe, sei nach wie vor notwendig. Die jüdische Gemeinde habe jedoch nicht genügend Geld, um selbst einen zu bezahlen.
Natascha Ovodkova gibt den Kindern bei jedem Maltreffen ein anderes Thema, mit dem sie sich auseinandersetzen. Mal ist es ein Pessachteller, mal einfach nur die Aufgabe, etwas Verrücktes zu malen. Die kleine Gabriela nimmt das wörtlich und malt eine Figur, bei der der Himmel unten und die Erde oben ist. Die Füße ragen in den Himmel. Die zehnjährige Beatrix kommt seit einem Jahr in die Malgruppe und zeichnet am liebsten Pferde. Ihre Bilder schickt sie der Oma in Weißrussland. »Ich male sehr gerne«, sagt das Mädchen. Die anderen Kinder nicken bestätigend.
Gerne möchte Natascha Ovodkova mit den Kindern einen weiteren jüdischen Kalender erstellen. Aber es ist unklar, ob der Zentralrat das Projekt noch einmal finanziell unterstützt. »Einen Antrag haben wir gestellt«, sagt sie. Die Kinder hoffen sehr, dass er genehmigt wird.

New York

Trump ruft Staaten zu Austritt aus Strafgerichtshof auf

Die USA erkennen den IStGH nicht an, der unter anderem gegen Israels Ministerpräsidenten Netanjahu einen Haftbefehl erlassen hat. Jetzt legt der amerikanische Präsident nach

 23.09.2026

Sanktionen

Iran will weiter internationale Ziele anfliegen

Ab Mittwoch sollen iranische Airlines nach Worten der US-Regierung internationale Ziele nicht mehr anfliegen können. Die zivile Luftfahrtbehörde in Teheran widerspricht

 23.09.2026

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Berlin

Gideon Joffe: »Mit Elif Eralp wird Geis zur Gärtnerin gemacht«

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde mahnt, dass die Hauptstadt vor massiven Herausforderungen stehe

 22.09.2026

Washington D.C.

USA wollen Saudi-Arabien 48 moderne F-35-Kampfjets verkaufen

Die Tarnkappenjets gelten als die aktuell modernsten Kampfflugzeuge. Im Nahen Osten waren sie bislang dem US-Verbündeten Israel vorbehalten. Nun zeichnet sich ein geplanter Deal mit Saudi-Arabien ab

 18.09.2026

Magdeburg

AfD will FPÖ-Erfahrungen in Sachsen-Anhalt nutzen

»Von den politischen Erfahrungen der FPÖ können wir sicherlich profitieren«, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion

 18.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW will AfD-Landtagspräsidenten mitwählen

Bundesweit ist es der AfD noch nie gelungen, das Amt eines Parlamentspräsidenten zu übernehmen – auch wenn sie die stärkste Partei war. Das könnte sich in Sachsen-Anhalt jetzt ändern

 08.09.2026

Bayern

Innenminister Herrmann geht von Brandanschlägen auf Rüstungsunternehmen aus

Nach einer Brandattacke auf eine Münchner Baustelle geht Bayerns Innenminister Herrmann von einem Anschlag mit politischem Hintergrund aus - und sieht ein größer werdendes Risiko

 03.09.2026

Berlin

Chabad-Gemeinde feiert 30-jähriges Bestehen

Musik, Street-Food und ein Festakt: Die jüdische Chabad-Gemeinde in Berlin hat ihr 30-jähriges Jubiläum gefeiert. Dabei gab es auch einen virtuellen Ausblick auf ein großes Bauprojekt, das nächstes Jahr starten soll

 30.08.2026