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Warum Serien über ultraorthodoxe Juden so erfolgreich sind

Kevin Janssens (l.) als Noah und Robby Cleiren als Eli Foto: De Mensen / Netflix

Antwerpen ist die Diamantenhauptstadt der Welt seit 1447 - damit wirbt die Stadt. Hier werden Rohdiamanten, »Rough Diamonds«, gehandelt und geschliffen. Lange Zeit war der Diamantenhandel stark von der ultraorthodoxen jüdischen Community dominiert. Man sprach Jiddisch und am Schabbat war die Diamantenbörse geschlossen. Mittlerweile haben indische Unternehmen einen großen Anteil an dem Geschäft erobert.

Der Diamantenhandel in Antwerpen bildet nun den Hintergrund für die Serie »Rough Diamonds« des Streaming-Portals Netflix, die bereits in kurzer Zeit für große Zuschauerzahlen gesorgt hat. Im Mittelpunkt der israelisch-belgischen Serie steht die streng orthodoxe Familie Wolfson, die stolz darauf ist, zu den Gründungsfamilien des Antwerpener Diamantenhandels zu gehören. Allerdings hat ihre Firma Wolfson Diamonds unter der Globalisierung schwer gelitten.

Geschlossene Gemeinschaft Auf der einen Seite geht die achtteilige Krimiserie auf die kriminelle Unterwelt der Diamantenstadt ein. Auf der einen Seite schildert sie das Leben einer ultraorthodoxen Familie, die in einer in sich geschlossenen Gemeinschaft lebt. Geht es um Serien mit orthodoxen jüdischen Familien, kann sich Netflix eines Erfolges sicher sein.

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»Shtisel« gilt als der Maßstab aller Dinge, denn die israelische Serie hat über Empfehlungen in den Sozialen Medien so viele Fans gefunden, dass es noch eine späte dritte und letzte Folge gab. Und die Serie »Unorthodox« war ebenfalls ein großer Erfolg.

»Rough Diamonds« setzt ein mit der Beerdigung des jüngsten Sohnes Yanki, der wegen seiner Spielschulden Selbstmord begangen hat und sich offensichtlich mit Leuten einließ, die er besser gemieden hätte. Zu der Beerdigung kommt auch der Bruder Noah, der vor 15 Jahren die Familie und die ultraorthodoxe Gemeinschaft verlassen hat. In der Zwischenzeit hat er sich in London ein neues Leben aufgebaut und ist Vater eines Sohnes, Tommy, geworden. Noah fühlt sich verpflichtet, die Ehre der Familie zu schützen sowie das Familienunternehmen vor dem Ruin zu retten.

Kulturelle Berater Verantwortlich zeichnen die beiden israelischen Regisseure Rotem Shamir und Yuval Yefet, die schon bei der sehr beliebten Serie »Fauda« zusammengearbeitet haben. Für »Rough Diamonds« haben sie den Kontakt in die ultraorthodoxe Gemeinschaft Antwerpens gesucht, einen Jiddisch-Coach sowie eine kulturelle Berater engagiert, um die Gemeinschaft so lebensnah und korrekt wie möglich darzustellen.

Tatsächlich haben sich einige aus dieser Community in kleinen Rollen beteiligt. Mehrere Hauptdarsteller sind jüdisch wie Dudu Fisher als Familienoberhaupt Ezra Wolfson oder Yona Elian als seine Ehefrau Sarah.

Netflix bietet den Zuschauer verschiedene Sprachen an - das Original ist mit flämisch allerdings nur unzureichend beschrieben. Wie es sich für eine ultraorthodoxe Familie gehört, sprechen alle Jiddisch miteinander. Noah und seine Geschwister Eli und Adina wechseln auch ins Flämische, nicht nur, wenn sie in Kontakt mit anderen Menschen stehen. Sie sprechen Französisch, weil Belgien zweisprachig ist und natürlich Englisch - die Serie ist also eigentlich viersprachig. Damit spiegelt sie die Vielsprachigkeit der orthodoxen Gemeinschaft Antwerpens wider.

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Warum fasziniert die ultraorthodoxe Community so sehr? Sie ist eine den meisten Menschen unbekannte, in sich geschlossene Gemeinschaft mit klaren Regeln. Wie in der Serie dargestellt, tragen die Frauen ihren Scheitl, eine Perücke, und bedeckende Kleidung, die Männer Schläfenlocken, Kippa und darüber einen Hut sowie ihren schwarzen Anzug zu einem weißen Hemd. »Rough Diamonds« zeigt, wie sie Schabbes und hohe jüdische Feiertage gemeinsam begehen oder Hochzeiten in getrennten Räumen für Männer und Frauen feiern.

Grosse Fragen »Mischpoke is a schtark sach«, sagt Adina, eine der Hauptfiguren in »Rough Diamonds«. In den Serien rund um ultraorthodoxe Familien werden die ganz großen Fragen des Lebens behandelt - Familie, Liebe, Freiheit. Wie positioniert man sich zu den vorgegebenen Regeln? Wieviel Freiheit ist möglich oder nötig?

Rotem Shamir, einer der Macher der Serie, findet für die Personen in »Rough Diamonds« eine klare Antwort: »In dieser Serie geht es um Familie, um Verpflichtungen und um Loyalität. Alle Figuren haben ein starkes Gespür dafür, was ihre Ideale sind und wie sehr sie die Geschichte, ihre Eltern und ihr Erbe respektieren.«

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