Wasserknappheit

Trockengelegt

von Sabine Brandes

Noch können die Israelis ihre grünen Parks genießen, durch blütenüberzogene Natur wandern, sich an der Flora erfreuen, die in 60 Jahren Bewässerung kultiviert wurde. Doch nicht mehr lange. Jetzt wird ernst gemacht. Die Hähne werden abgedreht, Israel wird braun. Der Januar war der trockenste Monat seit der ersten Wetteraufzeichnung von 1920, auch im Februar fiel kaum Regen. Die aktuelle Krise um das kostbare Nass ist so extrem, dass die Wasserbehörde am Sonntag neue Maßnahmen verkündete, um dem außerordentlichen Mangel entgegenzuwirken.
»Höchste Zeit, die Reißleine zu ziehen«, sagte Behördenleiter Uri Schani, »um die Wasserindustrie vor einer Katastrophe und die natürlichen Ressourcen vor irreparablem Schaden zu bewahren«. Der Stand aller unterirdischen Quellen ist unter die rote Warnlinie ge‐
sunken. Es sei dringend nötig, Notfallmaßnahmen durchzusetzen, wie Scha‐
ni erklärte. Mit sofortiger Wirkung werden die Preise für die Gartenbewässerung fast verdoppelt, statt 3,90 müssen dann 7,40 Schekel (umgerechnet etwa 1,43 Euro) für den Kubikmeter Wasser berappt werden, die Kosten für private Haushalte werden in noch unbekannter Höhe steigen.
Es gäbe keinen anderen Weg, so der Behördenchef. Die Wiederbefüllungsrate von Israels natürlichen Wasserquellen falle stetig. Vor einigen Wochen bereits ist das Abpumpen aus dem See Genezareth gänzlich gestoppt worden. Der Wasserstand lag nur noch 40 Zentimeter über der schwarzen Markierung. Experten gehen davon aus, dass sich dieser Zustand in den nächsten fünf Jahren nicht ändern wird.
Die extreme Dürre hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf den Geldbeutel der Wasserkonsumenten, ganze Berufsgruppen sind betroffen, sorgen sich um ihren Lebensunterhalt. Allen voran die Obst‐ und Gemüsebauern. Im kommenden Jahr sollen die Quoten für die Landwirtschaft weiter verringert, die Bewässerung von Rasenflächen gänzlich untersagt werden.
Mit einer Wasserquote, die von 450 auf 300 heruntergesetzt werden soll, malen sich die Landwirte schon jetzt ein Schre‐ckensszenario aus. Kultivierte Felder werden zu Brachland, Obsthaine verdörren. Statt saftiger Orangen, Mangos und Avocados hängen dann lediglich noch trockene Zweige an den Bäumen. Ein trostloses Bild. Schani gab zu, dass die Landwirtschaft vor allem im Golan, Galiläa und dem Hula‐Tal leiden werde. Preise für Obst und Gemüse würden definitiv steigen, so seine Prognose. Inwieweit das Landwirtschaftsministerium eingreifen werde, konnte er noch nicht sagen.
Neben den höheren Preisen sucht die Wasserbehörde nach neuen Quellen. Bohrungen in der Nähe des See Genezareth und die Reinigung verseuchter Brunnen im Zentrum werden jedoch lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Experten hatten immer wieder betont, dass das Problem über Dekaden vernachlässigt worden sei und nun die Quittung komme. Die Menge an entsalztem Wasser soll von den jetzigen 130 Millionen Kubikmetern pro Jahr auf 650 Millionen in 2013 erhöht werden. Doch Planung und Bau an neuen Entsalzungsanlagen gehen nach wie vor lediglich im Schneckentempo voran.
Neben der Landwirtschaft ist eine andere Branche direkt betroffen: die Gärtnereien und Gärtnerfirmen. David Gatt ist privater Landschaftsgärtner und zutiefst deprimiert. »Es ist schrecklich, dass ganze Parks vertrocknen sollen. Wir sind ein Volk, das viel draußen in der Natur ist. Wenn das so nicht mehr möglich ist, wird das soziale Auswirkungen haben. Vor allem Menschen, die keinen eigenen Garten haben, sind auf öffentliche Grünflächen angewiesen. Es geht dabei um die Lebensqualität aller Israelis.« Doch Gatt sorgt sich auch um sein Auskommen. Bu‐
chungen seiner Dienstleistungen seien be‐
reits um ein Drittel zurückgegangen. »Und es wird sicher noch schlimmer. Die Leute kaufen keine Pflanzen mehr, wenn sie un‐
sicher sind, ob sie sie überhaupt noch be‐
wässern dürfen. Die Pflege privater Gärten läuft zwar noch halbwegs normal, doch das Anlegen neuer Gärten, wovon ich hauptsächlich lebe, ist auf ein Minimum zurückgegangen.«
Die Gärtnervereinigung ist überzeugt, dass die Verordnung, öffentliche Rasen zu bewässern, keine substanzielle Ersparnis bringen werde. »Wir sind uns der Schwere der Situation bewusst«, sagte der Vorsitzende Chezi Mulla, »doch es ist unvorstellbar, alle städtischen Grünflächen braun werden zu lassen«. Stattdessen solle sich die Wasserbehörde um einen Konservierungsplan kümmern, schlägt er vor. Derartige Pläne seien bereits in verschiedenen Stadtverwaltungen, darunter Herzlija, Pe‐
tach Tikwa und Jerusalem, eingesetzt worden und hätten bewiesen, dass große Mengen Wasser gespart werden könnten.
Statt auf das Grün zu verzichten, müss‐ten die hauptsächlichen Ersparnisse von den privaten Haushalten kommen, meint Mulla. »Unbedachte Nutzung von Toilettenspülungen, tropfende Wasserhähne und vieles andere müsse gestoppt werden. Aber es ist hart, die Gewohnheiten von sieben Millionen Verbrauchern zu ändern. Doch ein Umdenken ist genau das, was wir brauchen.«
Die letzten beiden Aktionen der Wasserbehörde zeigen, dass Israelis nicht unfähig sind zu lernen. Im vergangenen Sommer gab es die erste Kampagne des Jahres zum Thema: »Israel wird schwarz – statt rot« in Anlehnung an die Warnlinien der Wasserquellen. Derzeit laufen Spots in Radio und Fernsehen, die simpler nicht sein könnten: »Israel trocknet aus. Wir haben kein Wasser zu verschwenden.« Einfach und gut, offenbar rütteln die Kampagnen auf. Zehn bis 15 Prozent sind danach von privaten Haushalten gespart worden.
Einer, der ebenfalls auf jeden Tropfen achtet, ist Ran Levi. Er arbeitet bei Magaw, einer Autowäscherei in Tel Aviv. »Natürlich passen wir auf, kein Wasser zu verschwenden«, betont er, »wechseln die Ei‐
mer seltener, stellen auf Sparmodus um. Aber unser Arbeitsmaterial Nummer eins ist nun einmal das Nass. Wir können nicht ohne.« Ob er sich Sorgen um das macht, was kommen mag? »Große sogar. Wasser wird immer teurer, und wir haben jetzt schon 20 Prozent weniger Kunden.« Levi zieht schon eine Weile in Erwägung, seine Preise für eine Autowäsche zu erhöhen, doch die Angst vor noch mehr Kunden‐
rückgang hält ihn bisher davon ab. »Für die Leute ist es nicht lebensnotwendig, mit einem sauberen Auto herumzufahren – für mich aber heißt es Überleben.«

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