Gaydamak

Schwein gehabt

Schwein
gehabt

Milliardär Gaydamak wollte Supermärkte koscher machen

von Sabine Brandes

Vor einigen Monaten ging ein Aufschrei durch Israels unkoschere Gemeinde. Keine Shrimps mehr, kein Schinken, keine Schweinesalami. Die 24 Stunden geöffnete Supermarktkette AM:PM nahm nach einer geschäftlichen Übernahme alle nicht-koscheren Produkte aus Regalen und Lagern. Und dann sollte Tiv Taam nachzie-
hen. Die Supermärkte, die in den vergangenen Jahren in fast allen Städten wie Pilze aus dem Boden schossen, sind gänzlich unkoscher. Und deshalb zu den Lieblingsläden der hippen Flip-Flop-Generation, der Antireligiösen und russischen Einwanderer geworden. Sie laden auch am Schabbat zum Shoppen ein, die Regale biegen sich unter Bergen von Verbotenem: Meeresfrüchte, Gummibärchen mit Gelatine, unkoscherer Wein. Vor allem aber verkauft Tiv Taam ein Tabu im Lande der Juden: Schweinefleisch.
Auch wenn die freundlichen Verkäufer hinter der blitzblanken Theke es euphemistisch als »weiße Pastrama« anpreisen, es ist und bleibt Schwein. Und das ist bekanntlich für gläubige Juden wie für Moslems verboten. Grund genug für den russischen Milliardär Arcadi Gaydamak, das trejfe Fleisch aus seiner jüngsten Anschaffung – er wollte kürzlich die gesamte Tiv- Taam-Kette kaufen – zu verbannen. »Es ist eine Provokation, im Judenstaat mit einer großen moslemischen Minorität Schwein zu verkaufen«, erklärte er. Für ihn persönlich sei Schweinefleisch immer eine harte Grenze gewesen. Dass böse Zungen ihm unterstellen, er wisse nicht einmal, was koscher sei und täte alles nur, um seinen Einfluss in die israelische Politik zu kaufen, tut er mit einem Schulterzucken im 10.000-Dollar-Anzug ab.
Schweinefleisch in Israel ist nicht neu. Schon seit fast 50 Jahren wird es hier produziert. Im Kibbuz Mizra im Israel-Tal liegt die moderne Fleischproduktionsanlage »Maadanej Mizra«, die neben Huhn- und Truthahndelikatessen auch hochwertige Produkte aus Schwein herstellt. Und genau die sollten aus den Tiv-Taam-Regalen verschwinden. Gaydamak hatte hochfliegende Pläne mit seinen Supermärkten: Zuerst wollte er sie am Schabbat schließen, um alle Bürger Israels, also auch religiöse, bedienen zu können. Schon nach wenigen Gesprächen mit Beratern rückte er davon ab. Die Schweinefleisch-Verbannung indes schien beschlossene Sache. Bis Dienstagvormittag. Da kam der russische Eier- und Hühnerkönig von einer Reise zurück und verkündete, der Deal sei geplatzt.
Damit bestätigte sich, was viele von Anfang an vermutet hatten. Die Tiv-Taam-Geschichte sollte weniger koscherer Geschäftsdeal werden, als vielmehr ein poli-
tischer Schachzug in Gaydamaks Jagd auf den Jerusalemer Bürgermeistersessel. Maxi Lachover hat noch mal Schwein gehabt. Sie ist regelmäßige Kundin bei Tiv Taam und einem guten Stück Schinken hin und wieder nicht abgeneigt. Es ginge nicht darum, dass sie es so sehr liebe, sondern ums Prinzip. »Ich will mir in einem demokratischen Land kaufen, was ich möchte. Niemand hat mir vorzuschreiben, was auf meinem Teller liegt. Religions- und Redefreiheit, aber bitteschön auch Speisefreiheit!«

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026

Brüssel

Deutschland und Italien bremsen EU-Vorstoß gegen Israels Assoziierungsabkommen

Spanien, Slowenien und Irland fordern eine Debatte über das Abkommen. Außenminister Wadephul bezeichnet den Vorstoß als »unangemessen«

 22.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026