Grippe

Schutzschild von oben

Wenn es nach einigen Heiligen Männern in Israel geht, soll die Schweinegrippe direkt »von oben« gestoppt werden. Am vergangenen Montag bestiegen Dutzende Rabbiner und Kabbalisten auf dem Ben‐Gu‐
rion‐Flughafen ein Flugzeug, um mit Gebeten und Widderhörnern über den Wolken das Virus davon abzuhalten, sich weiter in Israel auszubreiten.
Siebenmal wurde das Schofar geblasen, dazu inbrünstige Fürbitten zur Bekämpfung des H1N1‐Virus gesprochen. »Der Zweck des Fluges war es, die Epidemie zu stoppen und weitere Todesfälle zu verhindern«, erklärte Rabbiner Yitzhak Batzri, dessen Vater, Rabbiner David Batzri, die Himmelsmission initiiert hatte. Nach der Landung betonte er: »Wir sind sicher, dass jetzt, nach unseren Gebeten, die Gefahr bereits hinter uns liegt.«
Es war nicht das erste Mal, dass sich Rabbiner auf in die Lüfte machten, um Schaden von Israel abzuwenden: Das Konzept des Gebets‐Fluges ist während des Zweiten Weltkrieges von Rabbi Jehuda Pattaya, dem Großvater David Batzris, entwickelt worden. Pattaya wollte verhindern, dass die Nazis in Palästina einmarschieren. Nach Staatsgründung 1948 starteten noch zwei »heilige« Maschinen um Israel vor Schaden zu bewahren: Im Golfkrieg 1991 und während der Terrorwelle 1996.
Die Angst vor der Influenza ist derzeit im heiligen Land groß und macht auch vor den ultraorthodoxen Gemeinde nicht Halt. Deshalb haben zwei führende sefardische Rabbiner zu einem Tag des Fastens und Betens aufgerufen. In einem Brief erklärten sie, dass »die böse Grippe von Mexiko über die ganze Welt gezogen ist wegen unserer vielen Sünden.« Neben Medizin und Hygiene sei das Fasten besonders hilfreich, meinen sie. Yaakov Arieh Alter, Rabbiner der Gerer‐Dynastie, hat seinen Anhängern sogar untersagt, Wein aus demselben Glas zu trinken, ein Brauch, der mindestens 200 Jahre alt ist. In strengreligiösen Kreisen wird H1N1 oft als »mexikanische Grippe« bezeichnet, da viele das unkoschere Tier nicht einmal beim Namen nen‐
nen wollen. Das Gesundheitsministerium geht derzeit von mindestens 2.200 Fällen in Israel aus, bislang werden neun Todesfälle gemeldet. Sivan Wüstemann (Foto: Reuters)

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