Magbit

Sammeln für die Schwachen

von Lisa Borgemeister

Festlich geschmückt präsentiert sich der Saal im ersten Stock des Frankfurter Hotels Intercontinental am vergangenen Freitag. Auf Tischen und an den Wänden prangen israelische Fahnen, Blumen und Kerzen geben dem großen Raum etwas Gemütliches. Rund 120 Gäste sind der Einladung zur Magbit‐Eröffnung des Keren Hayesod Frankfurt am Main gefolgt und haben sich an den gedeckten Tischen niedergelassen.
Kulturbotschafterin Melody Sucharewicz führt als Moderatorin durch den Abend. „Israel zu lieben, ist wichtig und gut, aber es ist nicht genug“, sagt sie und ruft die Gäste des Abends auf: „Israel braucht unsere Unterstützung. Wir alle sind Botschafter für den Staat.“
Aktuell fördert die Frankfurter Gruppe der weltweiten Hilfsorganisation für Israel, Keren Hayesod, mit seinen Spendengeldern das Etgarim‐Projekt. Hierbei handelt es sich um ein computergestütztes Lernprogramm für Kinder mit Behinderung. Es stellt das individuelle Lernen in den Mittelpunkt, und wurde speziell dafür entwickelt, die Lücken zu schließen, die die herkömmliche Pädagogik, die ja für nicht behinderte Kinder entwickelt ist, nicht abdeckt. Finanziert wird neben dem Computerprogramm auch die intensive Betreuung der behinderten jungen Nutzer. Das System kommt vor allem in Reha‐Zentren, Hämatologie‐ und Onkologie‐Abteilungen sowie in Pädiatrie‐Stationen zum Einsatz.
1920 gegründet, hatte die internationale Organisation Keren Hayesod von Beginn an das Ziel, den Zionismus zu unterstützen und jüdischen Menschen in jeder Situation zu helfen. Sie rief damals zur „Selbstbesteuerung in der edlen jüdischen Tradition der Abgabe des Zehnten“ auf. Bis heute wirkt der Keren Hayesod im Sinne seiner vor fast 87 Jahren bekannt gegebenen Gründungserklärung: „Der Schlüssel liegt in den Händen des jüdischen Volkes“.
Die hauptsächlichen Ziele des Keren Hayesod bestehen in der Rettung von Juden aus Gefahrenzonen, der Einwanderung und der Eingliederung der Einwanderer. Allein in den 90er Jahren konnten eine Million neuer Einwanderer mit Hilfe des Keren Hayesod in Israel ein besseres Leben beginnen.
Seit der Gründung des Staates Israel 1948 brachte der Keren Hayesod mit Hilfe der Jewish Agency fast 3 Millionen Einwanderer nach Israel und ermöglichte deren Eingliederung. Er errichtete 800 landwirtschaftliche Siedlungen, schuf 1.300 Sozialprojekte, sanierte 90 heruntergekommene Wohngegenden und Entwicklungsstädte, betreute 300.000 benachteiligte junge Menschen im Rahmen der Ju‐ gendalija und bildete sie aus, half bei der Förderung jüdischer Erziehung für Tausende von Kindern auf der ganzen Welt.
Gegenwärtig konzentriert sich die Organisation auf sozial Benachteiligte in Israel. „Für mich bedeutet die Arbeit, dass ich von Deutschland aus aktiv etwas für Israel tun kann“, beschreibt Präsidiumsmitglied Jakob Poticha sein Engagement. „Wir organisieren hier einen schönen Abend und helfen damit Freunden.“
Der 29‐jährige Student kam im Alter von 14 Jahren von Russland nach Deutschland – es hätte genauso gut Israel seine neue Heimat werden können, sagt er. Ins Boot der ehrenamtlichen Helfer hat ihn die Vorsitzende von Keren Hayesod Frankfurt, Noemi Staszewski, geholt, die gleichzeitig Präsidiumsmitglied des Deutschen Dachvereins Keren Hayesod ist. In ihrer Ansprache bei der Magbit‐Eröffnung berichtet sie von den erfolgreichen Projekten der vergangenen Jahre. Ein Internat für misshandelte Mädchen sei gebaut worden, in dem heute die ersten 24 jungen Frauen wohnen. Auch unterstützten die Frankfurter Mitglieder nach dem Krieg im vergangenen Sommer eine Spontanaktion. Kinder aus dem Norden Israels konnten sich mit ihrer Hilfe in Sommerlagern von den schlimmen Erlebnissen erholen.
Shimon Stein, israelischer Botschafter in Deutschland, veranschaulicht an dem Abend die aktuelle Situation in Israel und ermutigt die Gäste, es auch zukünftig zu unterstützen. Charlotte Knobloch lässt in ihrem Grußwort eine ähnliche Botschaft ausrichten. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland hatte ihren Besuch bei der Gala kurzfristig absagen müssen. „Israel ist unsere Lebensversicherung. Deswegen müssen wir dem Staat den Rücken stärken“, heißt es in ihrem Grußwort.
Sein ganz persönliches Bild von der Situation im Land schildert David Witzthum, der in den 80er Jahren als Korrespondent des Israelischen Fernsehens in Deutschland arbeitete. Der Journalist kritisiert vor allem die Darstellung seines Landes in den internationalen Medien, die seiner Ansicht nach nur noch eine eigene Politik verfolgen. Er berichtet von der kulturellen Vielfalt seines Landes und warnt: „Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst bei uns in Israel schneller als anderswo“.
Von einem Teil der Vielfalt Israels können sich an diesem Abend die Besucher in Frankfurt persönlich überzeugen: Yelena Grishkov und ihre Tochter Sasha, Gewinner des Wettbewerbs „Ein Stern ist geboren“, begleiten den Abend musikalisch.

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