musik

Rückkehr der Diva

Barbra Streisand ist ein Phänomen. Sie sammelt Rekorde wie andere Bonusmeilen. Ihr neuester Streich ist das am 25. September veröffentlichte Album Love Is The Answer. Nach den englischen Charts ist es nun auch an die Spitze der amerikanischen Billboards gestürmt. So etwas ist bislang nur wenigen Musikern geglückt, Elvis zum Beispiel oder den Beatles. Aber bei Barbra Streisand ist das Außergewöhnliche die Norm. Zehn Grammys hat die 1942 in Brooklyn geborene Tochter österreichischer Juden bisher gewonnen, dazu zwei Oscars und elf Golden Globes. Dagegen nehmen sich die Karrieren von Superstars wie Madonna oder Michael Jackson geradezu mickrig aus. Die Streisand ist nicht nur Sängerin, sie ist auch Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin, Drehbuchautorin, Songschreiberin, Komponistin und ein mit allen Showwassern gewaschener Bühnenstar. Als sie vor zwei Jahren ihr erstes Deutschlandkonzert in der Berliner Waldbühne gab, fragte sie das Publikum am Ende des nicht enden wollenden Zugabereigens: »Darf ich meine Schuhe ausziehen?« Berührend authentisch. Dabei ist bekannt, dass die Streisand seit einem Blackout bei einem Konzert in New York vor Lampenfieber nur so bibbert und auch noch die kleinste Pointe vom Monitor abliest.

klassiker Die Streisand beherrscht eben ihr Geschäft perfekt. Das beweist das neue Album. Auch mit inzwischen 67 Jahren überzeugt die Sängerin stimmlich. Ihr un‐
bändiges Talent hat sie hörbar immer noch. Und das, obwohl Love Is The Answer die Musikgeschichte nicht umschreiben wird. Die CD ist eine Aufreihung von alten Songs aus dem Great American Songbook. Make Someone Happy zum Beispiel stammt aus dem 60er‐Jahre‐Musical Do Re Mi. Geschrieben hat das Lied Jules Styne, der auch die Musik für Funny Girl komponiert hat, William Wylers Film von 1968, mit dem Barbra Streisand in der Rolle der jüdischen Sängerin Fanny Brice weltberühmt wurde. Zwei weitere Songs stammen von Grammy‐Preisträger Michel Legrand und dem Songwriterpaar Alan und Marilyn Bergman; das Trio hatte schon die Lieder zum Kinofilm Yentl von 1983 komponiert und getextet. Auch andere Titel sind bekannt. Smoke Gets In Your Eyes stand bereits 1934 in den Charts, Nat King Cole hat es 1946 gecovert, die Platters 1958, um nur die bekanntesten Versionen zu nenen. Der Jacques‐Brel‐Hit If You Go Away, im französischen Original Ne Me Quitte Pas, wurde ebenfalls schon von Dutzenden von Stars interpretiert, zuletzt hinreißend todtraurig von Cyndi Lauper.

jazzquartett Vielleicht steht deshalb in den Regalen der deutschen Musikshops die CD zwischen Oldies und Easy Listening. Tatsächlich aber handelt es sich bei Love Is The Answer um eine Form des Jazz. Nicht umsonst wurde die neue Scheibe im legendären Jazzclub Village Vanguard in New York präsentiert, wo Barbra Streisand schon einmal gesungen hat, in den frühen Sechzigern als Support für einen gewissen Miles Davis. Und produziert wurde das Album von der kanadischen Jazz‐Pianistin Diana Krall, die bei einigen Stücken selbst mitspielt. Die beiden Frauen werden handzahm umspielt von Kralls Hausquartett um John Clayton (Bass), Anthony Wilson (Gitarre), Jeff Hamilton (Schlagzeug) und Tamir Hendelman (Piano). Arrangiert wurden die Songs von Johnny Mandel.

streicher‐schleim Anfangs habe ihr die Vorstellung zugesetzt, mit nur vier Musikern zu singen, hat Barbra Streisand erzählt. Von dieser Angst ist nichts zu hören. Man fragt sich deshalb, aus welchem Grund es zusätzlich noch eine »De-Luxe«-Version des Albums gibt, bei der die zwölf Songs ein zweites Mal in einer orchestrierten Version geboten werden, bei der im Hintergrund ein zähflüssiger Streicher‐Schleim wabert. Der Kritiker der FAZ meinte, das »Beste der Streicher besteht darin, kaum aufzufallen«. Das ist noch höflich formuliert. Diese Musiker spielen ihre Instrumente, als habe man sie beim Beamten‐Mikado ertappt: Wer sich bewegt, hat verloren! Doch selbst das kann die Qualität dieser legendären Sängerin nicht schmälern, von der es seit Kurzem sogar eine Barbiepuppe gibt – einschließlich der großen Nase, wegen der Barbaras eigene Mutter ihr dringend von einer Showbiz‐Karriere abgeraten hatte. Sie hat sich davon nicht beirren lassen, sich mit Talent und Authentizität erfolgreich durch die Welt geschlagen. Auch jetzt wieder mit ihrem neuen Album.

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