Anwaltskosten

Recht teuer

Eine Prozesslawine sei in den vergangenen Monaten in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin losgetreten worden, kritisierte Repräsentant Ronald Glasberg auf der jüngsten Sitzung der Repräsentantenversammlung (RV). Für Rechtsstreitigkeiten des Vorstandes würde bereits eine sechsstellige Summe aufgewendet. Dies sei falsch und habe nicht nur finanziell negative Auswirkungen, bemängelte Glasberg.
In den Gremien wachse der Druck auf die ehrenamtlich tätigen Gemeindevertre-
ter. Wer eine unliebsame Auffassung vertrete, erhalte Drohungen. Das empfinde er als unerträglich, sagte Glasberg. Er habe aus diesem Grund bereits seinen Vorsitz des Finanzausschusses niedergelegt.
Der Gemeindevorsitzende Gideon Joffe antwortete nicht auf diesen Punkt der Kritik. Er bestätigte aber, dass sich die Anwaltskosten des Vorstandes im vergangenen Jahr auf rund 100.000 Euro belaufen würden. Der größte Teil dieser Summe – etwa 80.000 Euro – resultiere jedoch aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlun-
gen gegen Mitglieder der ehemaligen Gemeindeführung. »Die Kosten ergeben sich aus der Wahrnehmung der rechtlichen Interessen der Gemeinde.« Im Übrigen hätte Einvernehmen darüber bestanden, dass sich die Gemeinde in diesem Fall von einer renommierten Kanzlei vertreten lassen müsse.
Glasberg gab sich damit nicht zufrieden. Er beantragte, dass bis zur Wahl einer neuen RV im Herbst dieses Jahres keine gemeindeinternen Prozesse mehr auf Kosten der Gemeinde geführt werden dürften, ohne vorher den eigenen Schieds- und Schlichtungsausschuss angerufen zu ha-
ben. Der Antrag erhielt acht Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und ein Nein. Glasberg sah darin ein eindeutiges Votum. Der Vor-
stand war anderer Meinung und verwies darauf, dass es sich um eine Satzungs-
änderung handele, die andere Mehrheiten brauche. Diese strittige Frage soll bis zur nächsten Sitzung geklärt werden.
Auf der jüngsten RV-Sitzung kam auch ein Misstrauensantrag gegen Arkadi Schneiderman zur Abstimmung. Der stellvertretende Gemeindevorsitzende soll den Repräsentanten Hubert Combé verunglimpft haben. Schneiderman habe geäußert, dass Combé möglicherweise Mitglied der Hitlerjugend gewesen sei. Auf »übelste Art und Weise ist hier ein Gemeindemitglied diffamiert worden«, begründete Repräsentant Benno Bleiberg seinen Antrag. Präsidiumsmitglied Jael Botsch-Fitterling warf Schneiderman gemeindeschädigendes Verhalten vor. Lala Süsskind be-
kundete, sich mit anderen Repräsentanten für Schneidermans Verhalten zu schämen. Der Antrag scheiterte schließlich mit neun Gegenstimmen. Christine Schmitt

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026