Weltkongress progressiver Juden

Radeln für die Reform

von Sabine Brandes

Sie wollen Anerkennung. Reform-Rabbiner und Gemeindevorstände trafen sich vergangene Woche in Jerusalem zu ihrer 33. internationalen Tagung. Die World Union for Progressive Judaism (WUPJ) ist eigenen Auskünften zufolge mit 1,7 Millionen Mitgliedern in 42 Ländern die größte jüdische Organisation der Welt, auf jeden Fall in den USA eine äußerst ein-
flussreiche Bewegung. In Israel jedoch ist sie relativ unbedeutend.
Das soll sich ändern. Die Reformer wollen die Israelis für ihre Strömung gewinnen und dafür 100 Millionen Dollar ins Land pumpen – der größte Aktionsplan, der jemals von der WUPJ angegangen worden ist. Der Mammutbetrag soll vor allem in die Bildung fließen. Das Geld soll unter anderem an die Kindergärten gehen und in Programmen für jüdische Studien sowie die Jugendarbeit verwandt werden.
Um etwas kleinere Summen ging es beim »Radeln für Reform«. Fünf Tage lang traten 55 WUPJ-Repräsentanten unter dem Motto »Riding4Reform« in die Pedale, um auf sich aufmerksam zu machen und Geld für ihre Sache zu sammeln. Von Jerusalem ging es zunächst entlang des To-
ten Meeres, dann Richtung See Geneza-
reth und schließlich nach Haifa.
In Galiläa und Haifa besuchten die Radler Reformgemeinden und boten ihre Unterstützung an. »Wir wollen helfen, das Reformjudentum in alle Bereiche des Lebens zu bringen«, so Teilnehmer Howie Goldsmith. 100.000 Dollar, umgerechnet etwa 80.000 Euro, sind bei der Radtour zusammengekommen. Das gesammelte Geld soll an Familien gehen, die während des Libanonkrieges im vergangenen Sommer geschädigt worden sind.
Während ihrer Tagung verlangten Rabbiner und Vorstände von Premierminister Ehud Olmert die volle Anerkennung der israelischen Regierung aller nicht orthodoxen Strömungen im Land, ihrer Rabbiner und ihrer Konversionen. WUPJ-Präsident Uri Regev machte deutlich: »Das Reformjudentum ist entscheidend für das Überleben des Judentums im 21. Jahrhundert.« In einer neuen Umfrage hätten 49 Prozent aller säkularen jüdischen Israelis angegeben, dass sie sich am meisten mit dem Re-
formjudentum identifizieren können. »Is-
raels Stärke als jüdischer und demokratischer Staat liegt darin, religiösen Pluralismus zu manifestieren«, so Regev weiter.

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