Avitall-Cup

Pokalsieger: die Polizei

Pokalsieger: die Polizei

In Kreuzberg kickten sechs Mannschaften um den Avitall-Cup

Türken schlagen Skins, Juden machen Schwule platt, die Polizei behält den Überblick und steckt am Ende alle in die Tasche. Randale und Prügeleien in Kreuzberg? Aber nein, sondern friedliches Kicken beim Avitall-Cup, einem von der Kantorin der jüdischen Gemeinde, Avitall Gerstetter, ins Leben gerufenen Fußballturnier, das verschiedene Religionen und Lebensweisen zusammenbringt.
2005 initiierte Avitall Gerstetter das Fußballturnier, um »aktiv in den Dialog mit anderen Kulturen zu treten« und dabei Menschen zu erreichen, die durch Veranstaltungen in Gotteshäusern nicht angesprochen werden. Der Erfolg gibt ihr recht: Im ersten Jahr nahmen zwei Mannschaften am Turnier teil, dieses Jahr waren es sechs, umrahmt von Musik und Einlagespielen der D- und E-Jugend des Vereins Türkiyemspor. Dass immer mehr Kinder und Jugendliche teilnehmen und zuschauen, das freut Avitall Gerstetter ganz be
sonders, denn »diese Jugendlichen tragen die positive Stimmung nach Hause,« sagte sie. Das alles trägt zu einem Langzeiteffekt bei, der durch die Veranstaltung ebenfalls beabsichtigt wird: »Wir bleiben das ganze Jahr im Kontakt, es entstehen neue Verbindungen,« erzählte Avitall Gerstetter.
Bei den Erwachsenen traten in diesem Jahr sechs Mannschaften gegeneinander an: die türkische Mannschaft Türkiyemspor All Stars, die jüdische Mannschaft J-Unit, die konfessionslosen linken Skins Trojan Helmets, die Mannschaft des Referats Soziale Stadt, sowie neu die Mannschaften des Lesben- und Schwulenverbands Pink Panthers und des Kreuzberger Polizeiabschnitts 52.
Wie in den vergangenen Jahren pfiff Hans-Christian Ströbele, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen als Schiedsrichter die Spiele, die »munter, fair und durchaus kämpferisch« waren, wie es Ströbele beschrieb.
Schnell stellte sich heraus, dass die schwulen Neuteilnehmer keinen Blumentopf, geschweige denn einen Pokal würden ergattern können. Vorjahressieger und Favorit Türkiyemspor All Stars, mit Bun-
destagsvizepräsidentin und Abgeordnete der Linkspartei Petra Pau als Patin, trat stark auf, traf aber auf erbitterten Widerstand der jungen und fitten Polizeimannschaft aus Berlin-Kreuzberg. Die jüdische Mannschaft J-Unit, mit Rabbiner Andreas Nachama als Pate, überraschte durch gu-
ten Spielüberblick und starke Offensivqualitäten. Am Ende blieb die Mannschaft des Polizeiabschnitts 52 Siegerin, J-Unit zweite und Türkiyemspor dritte – enttäuschend für J-Unit, weil der Polizistensieg denkbar knapp ausfiel und sich erst im allerletzten Spiel durch die Tordifferenz von nur einem Tor entschied, »aber jetzt wissen wir, was wir nächstes Jahr besser machen müssen«, sagte zum Schluss ein Spieler. Tja, wohl noch mehr Tore schießen! Versöhnliche Worte fand trotz des verlorenen Titels der Präsident von Türkiyemspor Celal Bingöl: »Durch dieses Turnier haben wir ein Zeichen des Friedens an die da oben gesetzt, die Kriege führen für ihre Profite. Hier sind wir alle eins, egal welches Geschlecht, welche Religion und welche Nationalität wir haben.« Sophie Neuberg

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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