Türkei

Osmanische Träume

Osmanische Träume

Warum die Türkei Hamas-Führer
eingeladen hat

von Thomas Seibert

»Schlimmer als ein Alptraum« sei das alles gewesen, stöhnte ein türkischer Außenpolitiker nach dem kürzlichen Besuch einer Delegation der militanten Palästinenserorganisation Hamas in Ankara. Völlig überra- schend für die Öffentlichkeit – aber auch für viele Beamte im türkischen Außenministerium – waren Hamas-Chef Chaled Maschaal und seine Begleiter in der türkischen Hauptstadt eingetroffen und von hochrangigen Regierungsvertretern empfangen worden. Die Türkei wolle auf Hamas einwirken, damit nach dem Sieg der Palästinensergruppe bei den Parlamentswahlen vom Januar der Nahost-Friedensprozess nicht steckenbleibe, lautete die offizielle Begründung für die Kontakte der Türkei mit einer Organisation, die von der EU und den USA als Terrorgruppe eingestuft wird.
Bisher war die Türkei stolz auf ihre guten Beziehungen zu Israel; beide Länder sind seit 1996 durch ein Militärabkommen verbunden und haben sich seitdem auch auf politischer Ebene zu engen Partnern entwickelt. Der Hamas-Besuch drohte das Erreichte mit einem Schlag zunichte zu machen. Was denn bitte würde die Türkei sagen, wenn Israel den roten Teppich für Vertreter der kurdischen Rebellengruppe PKK ausrollen würde, schnaubte ein israelischer Regierungssprecher im türkischen Fernsehen. Israels Botschafter in Ankara, Pinhas Avivi, lehnte es zunächst ab, sich im türkischen Außenministerium über die Ergebnisse der Gespräche informieren zu lassen.
Inzwischen ist die Krise oberflächlich beigelegt. Botschafter Avivi nahm eine Einladung ins Hauptquartier von Erdogans Regierungspartei AKP an, wo er über den Hamas-Besuch sprach, und erklärte anschließend, die türkisch-israelischen Beziehungen entwickelten sich weiter wie gehabt. Ein Telefonat zwischen Erdogan und dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert brachte eine weitere Entspannung.
Von einer Entschuldigung für den Hamas-Besuch ist Erdogan jedoch weit entfernt. Die Hamas werde künftig ihre anti-israelische Rhetorik abmildern, verspricht er. Konkrete Hinweise darauf, daß die Hamas-Führung ihre Haltung gegenüber Israel ändert, gibt es aber nicht. Vor den Kameras hatte Maschaal lediglich davon gesprochen, daß die türkische Sicht der Dinge für ihn wichtig sei. Hamas bleibt aber bei seiner Weigerung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Auch ihre Waffen will die Palästinenserorganisation nicht niederlegen.
Daß sich Erdogan trotz der mageren Ergebnisse nicht von der Hamas-Aktion distanziert, hat einen Grund. Die im In- und Ausland umstrittene Initiative ging auf Erdogans Berater Ahmet Davutoglu zurück. Davutoglu ist als »neuer Osmane« bekannt, und damit als Verfechter einer außenpolitischen Linie, nach der die Türkei als Erbin des Osmanischen Reiches vom Balkan bis zum Nahen Osten viel selbstbewußter als bisher auftreten sollte. Nicht ein Brückenland zwischen Ost und West sieht Davutoglu in der Türkei, sondern ein eigenes Machtzentrum. Aus diesem Verständnis heraus darf, kann und muß die Türkei im Nahen Osten mehr tun als der Westen. Ob das dem Westen gefällt, ist zweitrangig.

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Würdigung

Hamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

In der Hansestadt gibt es künftig eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina-Mahsa-Amini-Park

 24.08.2026

Schweden

Im Wahlkampf mit dem Davidstern

Simona Mohamsson ist Schwedens Bildungs- und Integrationsministerin und Vorsitzende der Liberalen. Jetzt überraschte die Tochter muslimischer Einwanderer mit einer deutlichen Geste

von Michael Thaidigsmann  19.08.2026

Nahost

Israel soll Militärflugplatz in Nordsyrien attackiert haben

Israel hat seit dem Umsturz wiederholt auch Ziele in Syrien ins Visier genommen. Nun wird ein erneuter Angriff gemeldet. Der US-Sondergesandte für Syrien übt deutliche Kritik

 18.08.2026

Vandalismus

Deportationsmahnmal in Berlin beschmiert

Das Denkmal an der Putlitzbrücke soll an die über 30.000 Juden erinnern, die zu NS-Zeiten vom benachbarten Moabiter Güterbahnhof aus in Konzentrationslager deportiert wurden

 18.08.2026

Sachsen-Anhalt

Gericht: AfD-Mitgliedern kann Waffenbesitzkarte entzogen werden

Mitglieder und Unterstützer der AfD in Sachsen-Anhalt haben gegen den Entzug ihrer Waffenbesitzkarte geklagt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg wies die Klage ab. Nun entschied das Oberverwaltungsgericht.

 10.08.2026

Potsdam

Jüdische Gelehrsamkeit in berühmter Schlösserlandschaft - Rabbinerseminare im Wandel

Vor fünf Jahren wurde das Europäische Zentrum Jüdischer Gelehrsamkeit eröffnet - mit Rabbinerseminaren und einer Synagoge. Seitdem hat sich in der Rabbinerausbildung viel verändert. Wie geht es weiter?

von Leticia Witte  10.08.2026

Islamismus

Tagesspiegel-Vorwürfe gegen Karoline Preisler: Nun antwortet die FDP-Politikerin

Hatte sie einen jungen Mann wegen einer Vornamensgleichheit zu Unrecht als CSD-Attentäter verdächtigt? Preisler widerspricht und beklagt, die Zeitung habe sie nicht zu Wort kommen lassen

 30.07.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Trump: Netanjahu will, dass USA im Iran involviert bleiben

Unterschiedliche Interessen Israels und der USA sind im Iran-Krieg mehrfach zutage getreten. Kurz vor seinem Treffen mit Netanjahu deutet Trump an, dass die Differenzen nicht überwunden sind

 28.07.2026