Oliver Polak

Oliver Polak über Chanukka, Weihnachten, eine stille Nacht und sein neues Programm

»Der langweiligste Abend im Jahr«

Herr Polak, wie geht es Ihnen – so kurz nach Chanukka und vor Weihnachten?
Gut. Warum fragen Sie?

Weil es heißt, dass Sie es mit Gott nicht so haben. Wie also geht es einem ohne Chanukkaleuchter und Weihnachtsbaum, wenn sich alle ein »Frohes Fest« wünschen?
Das zwischen Gott und mir stimmt so nicht. Mit Weihnachten kann ich allerdings wirklich nicht viel anfangen. Wieso sollten wir Juden feiern, dass einer von uns auf die Welt gekommen ist, auf den sich eine Religion beruft, die uns seit Jahrhunderten nichts als Ärger macht? Bei Chanukka ist das etwas anderes. Dummerweise weiß ich leider nie ge- nau, wann es so weit ist. Ich habe keinen jüdischen Kalender, der ist mir zu teuer. Aber ich wäre gerne zu Hause gewesen, bei meinen Eltern in Papenburg. Dann hätte ich richtig gefeiert. Stattdessen war ich in Berlin und habe für mich allein jeden Abend im Quatsch Comedy Club die Kerzen angezündet.

Oliver Polak lebt also doch traditionell?
Ich halte die Feiertage, gehe ab und zu in die Synagoge. Aber wenn Samstagabend ein Auftritt mit einer guten Gage möglich ist, dann bin ich wie die meisten anderen Juden auch.

Stimmt es, dass Sie hier in Berlin schon an der Synagogentür abgewiesen wurden?
Ja, in der Joachimstaler Straße. Dort gab es am Eingang so eine Quizshow. Ein israelischer Sicherheitsmann stellte mir seltsame Fragen zu meiner Gemeinde in Osnabrück.

Ihre Kindheit haben sie als Sohn der einzigen jüdischen Familie von Papenburg verbracht. Wurden Sie im Emsland zwangsweise mit Weihnachten konfrontiert?
Man merkt doch recht früh, dass bei einem selbst irgendetwas anders ist. Es gibt eine Tante in New York, eine Oma in St. Petersburg, und der Schmock unterscheidet sich auch von dem der anderen. Gerade die Feiertagszeit war immer etwas eigenartig. Wir lebten über dem Geschäft meines Vaters. Unten hatte man alles weihnachtlich dekoriert, und oben in der Wohnung? Nichts! An Weihnachten war ich immer das einsamste Kind auf der ganzen Welt. Es war der langweiligste Abend im Jahr, weil niemand Zeit hatte, sich mit mir zu verabreden. Bereits mit sechs Jahren konnte ich »Der kleine Lord«, der im Fernsehen lief, simultan mitsprechen. Eine wirklich sehr stille Nacht.

Ist es inzwischen besser geworden?
Na ja, auch dieses Jahr wird das wieder so ein Abend sein, an dem ich nicht weiß, was ich machen soll. Wenn jüdische Single-Frauen unter 25 das lesen, können sie sich gerne melden.

Sie proben derzeit für Ihre neue »Jud süß-sauer«-Show. Worum geht es?
Zunächst einmal um mich. Es wird eine Mischung aus Udo-Jürgens-Show, Comedy und Kindergeburtstag. Mit dem ersten lebenden jüdischen Hakenkreuz, Klesmer und Stand-up-Comedy. Also eine Show, wie es sie in Deutschland wahrscheinlich noch nicht gegeben hat!

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026