Liederabend

Oif a sunigen Wejg

»Nur auf Jiddisch kann ich die Verknüpfung von ›schmeichl un trern‹ ausdrücken, Lächeln und Weinen. Jiddisch ist die Sprache meines Herzens.« Mit dieser Aussage hat die Chansonnière Susanne Weinhöppel nicht nur ihr Engagement für jiddische Lieder auf den Punkt gebracht. Damit hat sie zugleich auch etwas von der Faszination musikalischer Traditionen in Worte gefasst, von der die Besucher ihres Liederabends im Gemeindezentrum der IKG in Bann gezogen wurden.
Eingeladen hatten zu diesem Abend das Kulturzentrum der Gemeinde und kip‐media, die die Lieder der Künstlerin verlegen. Susanne Weinhöppel trug Lieder aus ihrer neuen CD »Oif a sunigen Wejg« vor und erlaubte den Gästen im Gespräch mit der Publizistin Asta Scheib schließlich noch einen kleinen Einblick in ihr Leben.
Die Münchnerin Susanne Weinhöppel ist mit Musik aufgewachsen. Zum Schulanfang begann für das Mädchen auch der Unterricht im Klavier‐ und Harfenspiel. Während des Studiums am Konservatorium und am Mozarteum begeisterte sich der Teenager auch für Bob Dylan, Franz Josef Degenhardt und Wolf Biermann. Der Harfe blieb sie dennoch treu und es folgte ein Studium dieses Instruments an der Münchner Musikhochschule. Sie vertonte selbst Lieder, schrieb Theatermusik, schließlich eigene Texte. Mehrfach wurde Susanne Weinhöppel inzwischen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Schwabinger Kunstpreis für »künstlerische Unangepasstheit und kreativen Freigeist«.
Die künstlerische Freiheit, die sie sich bei der Umsetzung ihrer Lieder und Themen nimmt, trägt zur Intensität auch und gerade bei dem Vortrag jiddischer Lieder bei. Diese stammen aus Osteuropa und der dort ansässigen Volksmusik. Dass sie im Vortrag von Susanne Weinhöppel nicht als Rezitation beim Zuhörer ankommen, sondern in ihn eindringen, hat seinen Grund nicht nur in dem gesanglichen und instrumentalen Können der Musikerin. Ihre Verbindung zum Thema trägt einen großen Teil dazu bei. Sie selbst, die sich als nicht‐orthodoxe Jüdin sieht und auch deren Vorfahren nicht Jiddisch sprachen, hat die Faszination der verlorenen ostjüdischen Kultur eben dadurch entdeckt, dass es diese nicht mehr gibt: »All das würde uns vielleicht gar nicht auffallen, wenn es uns zur Verfügung stünde«, sagt Weinhöppel. Und so hat sie die Liebe zum Leben und zum Denken, die Ausdruckskraft und die Herzenswärme der Juden im Schtetl entdeckt. Gleichwohl übernimmt sie die Tradition nicht einfach. Behutsam zeitgemäß arrangiert, instrumental und stimmlich einfühlsam interpretiert, knüpft Susanne Weinhöppel an das Überlieferte an. Ihre einfühlsame Eigenständigkeit trägt dabei zur Aktualität der Lieder in der im Grunde so fremden Umgebung bei.
Damit der Abend nicht in Melancholie abgleiten konnte, erzählte die Chansonnière immer wieder auch Geschichte und Geschichten zu den Dichtern der Lieder. Das berühmte »Baj mir bistu schejn« zum Beispiel wurde 1933 von Jacobs und Secunda für das Musical »I Would if I Could« geschrieben. Die Rechte daran verkauften sie für dreißig Dollar, die sie sich brüderlich teilten. Secundas Mutter soll, nachdem sie das erfahren hatte, vor Ärger eine Woche lang gefastet haben. Mit genau dieser Vortragsmischung ließ Susanne Weinhöppel die Zuhörer die eingangs zitierte Nähe von Lächeln und Weinen erleben.

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