bildung

Offenes Haus

Mit der Jüdischen Volkshochschule (JVHS) ist sie groß geworden. Früher schon saß Sigalit Meidler-Waks als Zuhörerin bei Vorträgen, Lesungen und Konzerten. Heute ist sie bei allen Veranstaltungen dabei und verfolgt aufmerksam, wie sie bei den Besuchern ankommen. Ein »tolles Angebot« habe sie in den 90er-Jahren kennengelernt. So ein hochwertiges Programm möchte sie ebenfalls auf die Beine stellen, sagt Meidler-Waks, die im Juni die Leitung der JVHS übernommen hat. Sie möchte aus der Volkshochschule wieder eine Institution machen. »Es sollen alle mitkriegen, dass es uns gibt.« Sie weiß, dass es in Berlin viel Konkurrenz gibt und es schwer wird. Aber der jüdische Schwerpunkt sei etwas Besonderes. »Wir werden schon eine Nische finden«, ist sie sich sicher. Ein »offenes Haus«, ein Lehrhaus, in dem gemeinsam die jüdische Tradition des Lernens gepflegt wird, soll die JVHS sein, ganz im Sinne von Heinz Galinski, dem Initiator dieser Einrichtung.
Ihre Vorgängerin, die langjährige Leiterin Nicola Galliner, hatte gemeinsam mit Mitarbeiter Christian Deutschmann im vergangenen Jahr ihre Schreibtische ge-
räumt. Die Volkshochschule stand seitdem unter Interimsleitung.

Programm Als Beraterin hatte Meidler-Waks bereits im vergangenen Trimester Neuigkeiten eingeführt. So werden seit An-
fang dieses Jahres Seminare zur jüdischen Geschichte angeboten, ebenso Sonntagsmatineen mit unterschiedlichen Themen – von der Bankenkrise im Lichte jüdischer Ethik bis hin zu jüdischem Jazz. »Ziel ist es, die Gemeindemitglieder und die Hörer von außen über jüdische Literatur, Kunst, Religion und aktuelle Fragen miteinander ins Gespräch zu bringen«, sagt sie. Etwa 50 Zuhörer kamen in den vergangenen Wo-
chen zu den Matineen. Die herkömmlichen und bewährten Kurse werde es natürlich auch weiter geben, versichert Meidler-Waks. Überhaupt möchte sie für jeden et-
was in ihrem Programm haben. »Jeder, der unser Heft in den Händen hält, soll etwas finden.« Beispielsweise ist angedacht, für Eltern Vorträge über Erziehung und Kinder anzubieten, so die Mutter eines Sohnes. Ältere Gemeindemitglieder können im Computerkurs für Senioren die Technik kennenlernen. Mit der Kulturabteilung der Gemeinde werde weiter eng zusammengearbeitet, so dass es auch wieder einige gemeinsame Veranstaltungen, wie die Ausstellung zur Klesmermusik geben wird. Auch mit anderen jüdischen Institutionen möchte sie sich vernetzen. Etliche kennt sie sehr gut, meint die 45-Jährige, die als Kind aus Haifa nach Berlin kam und bereits den Jüdischen Kindergarten an der Joachimstaler Straße besucht hatte.

Kunst Kultur sei »ihr Ding«, weshalb Meidler-Waks auch Kunstgeschichte und Judaistik mit Schwerpunkt jüdische Kulturgeschichte in der Moderne und jüdische Kunst in Berlin studiert hat, und diese Szene weiterhin genau verfolgt. Dazu kommt, dass sie im Kunsthandel Christie’s und im Organisationsbüro der Jüdischen Kulturtage gearbeitet hat und als Mitglied im Kulturausschuss der Jüdischen Gemeinde Er-
fahrungen sammeln konnte.

Gemeinde Als Beraterin für die JVHS war sie seit vergangenem Winter zusammen mit Elvira Grözinger im Einsatz. Als die Stelle einer neuen Leiterin ausgeschrieben wurde, wusste sie gleich, dass sie ihre Unterlagen einreichen würde. »Es hatten sich sehr viele auf diese Stelle beworben«, sagt Kulturdezernent Aharon Risto Tähtinen. Er sei mit der neuen Leiterin zufrieden, Programm und Veranstaltungen seien sehr interessant. Die Gemeinde unterstützt die JVHS mit 160.000 Euro jährlich, der Berliner Senat mit 128 000 Euro.
Sigalit Meidler-Waks will nun weiterhin immer offen für Anregungen sein. Auch sollen alle religiösen Strömungen ihren Platz bekommen. Stand im ersten Trimes-
ter noch die liberale Richtung im Mittelpunkt, so war es im zweiten die Ortho- doxie und im nächsten soll es die sefardische Richtung sein. Eines hat sie schon erfahren: »Auch ich lerne ständig dazu.«

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