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Neptun auf Iwrit

Mars und Merkur haben einen, Jupiter und Venus auch und der Saturn sowieso. Schon vor mehr als tausend Jahren kannten und bewunderten die Israeliten diese fünf unter ihren hebräischen Namen Maadim, Hama, Zedek, Noga sowie Schabtai. Die beiden weiter von der Erde entfernten Planeten Uranus und Neptun jedoch sind noch namenlos. Bis jetzt. Nun hat die Akademie für Hebräische Sprache die Is-
raelis aufgerufen, Bezeichnungen auf Iwrit für die beiden zu finden, damit auch sie endlich zu hebräischen Himmelskörpern werden können.
Astronomiefans haben die Aktion prompt als »A Hebrew Star is born« (Ein hebräischer Stern ist geboren) bezeichnet und innerhalb von wenigen Tagen 650 Vorschläge eingereicht. Darunter waren so klangvolle wie Uriya oder Naftoah. Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Programm der Hebräischen Universität für die Jugend ins Leben gerufen worden und markiert das Ende des Internationalen Jahres der Astronomie der UNESCO.

Gottheiten Dass Uranus und Neptun bislang lediglich nach griechischen beziehungsweise römischen Gottheiten benannt sind und über keinen hebräischen Namen verfügen, hat einen simplen Grund: In alten Zeiten waren sie schlicht nicht bekannt, da sie am weitesten von der Erde entfernt und mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Beide wurden erst nach der Erfindung des Teleskops (1609 von Galileo Galilei) entdeckt, der Uranus 1781, den äußersten des Sonnensystems, Neptun, verzeichnete man sogar erst 1846 in Himmelskarten. Die Erde selbst hat natürlich schon ewig einen Namen auf Iwrit: Eretz. Einer aber darf auch in der Zukunft nicht dazugehören: Der kleinste Pluto wird auch weiterhin namenlos bleiben. Vor drei Jahren wurde er von der Internationalen Astronomischen Vereinigung zum Zwergplaneten degradiert und gehört somit offiziell nicht mehr zu den Planeten unseres Sonnensys-tems.
Damit sich die beiden anderen Himmelsgiganten demnächst in die israelitische Riege einreihen können, war die Be-
völkerung in Phase eins aufgefordert, Na-
mensentwürfe einzureichen. Die Jury, be-
stehend aus einem Team von Astronomen und Vertretern der Sprachakademie, wählte aus den 650 Einsendungen zwei Na-
men für jeden Planeten aus, von denen die Israelis in Phase zwei die endgültige Be-
zeichnung wählen dürfen. Es sind Oron und Schachak für Uranus sowie Rachav und Tarschisch für den Neptun.
Auswahl »Die ausgewählten Namen werden die hebräische Kultur über viele Generationen begleiten«, erklärt Sprachwissenschaftlerin Ronit Gadisch. »Dafür müssen es Bezeichnungen sein, die im Alltag nicht ständig gebraucht werden, die außerdem hübsch klingen und vor allem den Charakteristika der Planeten entsprechen. Deshalb haben wir diese vier gewählt.« Viele andere Vorschläge hätten sich lediglich am Klang der ursprünglichen Benennungen orientiert, etwa Oriyan für Uranus oder Naftali für Neptun. »Das jedoch reichte nicht«, so Gadisch, »die Namen müssen wirklich passen«.
Oron, erste Wahlmöglichkeit für den Uranus, klingt ähnlich und bedeutet »kleines Licht«. Äußerst geeignet, denn von der Erde aus sieht man den drittgrößten Himmelskörper unseres Sonnensystems in blassblauem Schein nächtens leuchten. In der griechischen Mythologie steht sein Name für den Gott des Himmels. Der zweite Vorschlag, Schachak, bedeutet ebendies. Für den Kandidaten Neptun stehen die Namen Rachav und Tarschisch zur Wahl. Ersterer wird, wie die römische Gottheit Neptun, mit dem Meer in Verbindung gebracht. Tarschisch ist die Bezeichnung eines Steines aus dem Brustamulett des Hohepriesters, der dieselbe Farbe hat wie der mittelblaue Planet.
Abgestimmt werden kann auf der Website noch bis Ende November, allerdings lediglich auf Iwrit. Die Ergebnisse schließlich werden im Dezember in einer speziellen Namensgebungszeremonie mitgeteilt – damit die Himmelskörper rechtzeitig zum neuen Jahr auf Hebräisch am Firmament leuchten können.

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