Eli Amir

Mit Berbens Stimme

von Hans Loth

Das Publikum im Hubert‐Burda‐Saal muss warten. Der israelische Schriftsteller Eli Amir, seine „deutsche Stimme“ Iris Berben, die Moderatorin Minka Pradelski und Gastgeberin Ellen Presser verspäten sich. Die auswärtigen Gäste hatten sich noch eine kurze Besichtigung der Ohel‐Jakob‐Synagoge gewünscht. Schließlich saßen sie dann doch gemeinsam auf dem Podium, im Rahmen des Eröffnungsprogramms des neuen Jüdischen Zentrums.
Die Frankfurter Publizistin Minka Pradelski stellte den preisgekrönten Autor, Politiker und Berater vieler israelischer Präsidenten, der in Bagdad geboren und 1950 nach Israel eingewandert war, vor. Ferner skizzierte sie die Handlung des jüngsten und übrigens dritten in Deutsch erschienenen Romans Jasmin: Der Israeli Nuri verliebt sich kurz nach Ende des Sechs‐Tage‐Kriegs in die Palästinenserin Jasmin. Der Autor versucht, die palästinensische wie die israelischen Seite darzustellen und gibt Einblicke in die politischen Konflikte der israelischen Gesellschaft.
Anschließend liest Eli Amir den Beginn seines Romans in Hebräisch, ehe die Schauspielerin Berben den deutschen Part übernimmt. Während der gesamten Lesung – akzentuiert, fließend, emotional überzeugend, als seien es Berbens eigene Worte und Gedanken – vergleicht der Autor den Vortrag mit seinem Original, oftmals schmunzelnd ob der engagierten Vortragsweise der deutschen Mimin.
Im nachfolgenden Gespräch, das leider ohne Übersetzung nur in Englisch geführt wird, gibt Amir tiefe Einblicke in seine politische Überzeugung, die er seinen vielen Dienstherren aber nicht immer hat vermitteln können. Als großen Fehler der Israelis bezeichnet er die Tatsache, dass sie nur westlich orientiert seien und nicht die Chance nutzten, die ihnen die Immigranten aus den arabischen Ländern böten, die immerhin die Hälfte der israelischen Bevölkerung ausmachten. Er vertritt auch die These, dass jeder Israeli Arabisch lernen sollte, da man in arabischem Umfeld lebe. War die Einwandererschar aus arabischen Ländern Anfang der 50er Jahre noch abfällig behandelt worden, habe sich die Situation inzwischen grundlegend gewandelt. Viele arabische Juden seien überaus erfolgreich – wie man, so sein selbstironisches Apercu – an seinem Beispiel sehe.
Minka Pradelski fragt auch nach einer Neubewertung des Sechs‐Tage‐Kriegs. „Wir werden in der Welt als Herren angesehen, aber wir sind voller Angst“, erwidert Eli Amir. „Aus Angst werden viele Fahler gemacht. Wir müssen versuchen, mit der Frustration der arabischen Welt umzugehen. Ohne Optimismus und Hoffnung kann man in dieser Region nicht leben.“ Das Buch zeige, dass zwei Feinde, die aus extrem unterschiedlichen Verhältnissen kommen, erkennen, dass sie zu allererst zwei Menschen sind. Vorurteile und Barrieren müssten überwunden werden. Nur so könne eine Liebesbeziehung entstehen. Vor 40 Jahren war es für einen arabischen Juden und eine Palästinenserin unmöglich zu heiraten und gemeinsame Kinder aufzuziehen. Inzwischen habe sogar das sich geändert.
Auf die Frage nach autobiographischen Zügen seines Romans antwortet Amir sibyllinisch: „All die Figuren des Buches, die bereit sind, Kompromisse ein‐ und aufeinander zuzugehen, sind meine Familie.“
Stolz berichtet Amir, dass sein Buch in wenigen Wochen in Ägypten publiziert werde – in arabischer Sprache, und dabei ungekürzt. Eine Lesung habe es schon in Kairo gegeben, mit viel Prominenz und in bester Atmosphäre. Dort habe man ihn gefragt: „Eli Amir, Sie sind ein Araber. Sie kennen sich in allen arabischen Belangen besser aus als wir. Was machen Sie in diesem zionistischen Land?“ Seine Antwort war: „Es ist mein Land, meine Sprache – es gibt keinen anderen Platz für mich zum Leben.“
Nach lang anhaltendem Applaus kommt Amir zu seinen Schlussworten: Er möchte, dass sein Buch ansteckende Wirkung hat, dass es ein Fenster zur Welt öffnet. Und: „Ich hoffe, jeder Deutsche wird es lesen.“

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