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Menschen und Medaillen

Lindsey Fleshler sucht einen Athleten. Schließlich ist auch sie in Topform. Die 21-Jährige vom Volleyballteam der USA will endlich ihr Singleleben aufgeben. Dafür hat sie eine Videobotschaft verfasst: »Ich lebe gesund, das soll er auch. Und wenn er dazu noch total süß ist, würde es nicht schaden«, lässt sie mit strahlendem Lächeln auf JDate wissen. Das Internetportal ist in der jüdischen Welt in Begriff. Die Datingsite ist die derzeit erfolgreichste Webadresse für Juden, nicht nur in Israel und den USA, sondern auch in Argentinien, Südafrika und Deutschland.

Während der Makkabiade heißt die Partnerschaftsvermittlung per Videobotschaften passend MDate. Und Interessenten zum Kennenlernen gibt es im Überfluss. Sport ist eben nur eine Seite der größten jüdischen Veranstaltung der Welt, die an diesem Donnerstag mit einem rauschenden Fest in Latrun, im Ajalontal westlich von Jerusalem, endet.

familiengründung Einer, der erlebt hat, wie sehr bei der jüdischen Oylmpiade Spiele und Liebe zusammenhängen können, ist Michael Pilson, Mitglied des britischen Rugbyteams. »Ich persönlich verdanke der Makkabiade meine Familie.« Beim 15. Sportfest 1997 lernte Pilson auf einer Party eine Israelin kennen, sie folgte ihm nach England und ist heute seine Ehefrau. Pilson ist überzeugt: »Aus meiner Sicht können nur gute Dinge von der Makkabiade kommen.«
Bei allem Wirbel der Glückshormone sind die mehr als 7.000 Athleten doch aus sportlichen Gründen gekommen. Neben den im Land bekannten Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Fußball bekamen die Israelis allerdings auch exotische Wettkämpfe live zu sehen, die sonst nur auf der Mattscheibe zu beobachten sind. Im Hadar-Josef-Stadion bei Netanja dro-
schen Frauen wie Männer mit Bretterschlägern auf ihnen zugeworfene Bälle ein – Kricket genannt. Etwas bekannter, doch fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit, warfen und fingen die Baseballteams Bälle in der Sportek von Tel Aviv hin und her. Bei einer Spieldauer von bis zu drei Stunden mit nicht immer viel Aktion und einem Übermaß an Pausen offenbar nicht ganz nach dem Geschmack der wenig geduldigen Einheimischen. Nur eine kleine kleine Zuschauerschar verfolgte das Spiel bis ans Ende.
Da die Temperaturen stetig über der 30-Grad-Marke lagen und der mittlere Teil des Landes im Sommer für seine klebrige Schwüle berüchtigt ist, trafen sich die meisten Sportlerinnen und Sportler, die ihre Wettkämpfe bereits hinter sich gebracht hatten, am breiten Strand der Metropole. Die erwünschte Abkühlung gab es aber trotzdem an manchen Tagen nur unter der Dusche – denn derzeit herrscht an der israelischen Mittelmeerküste Quallen-Alarm.
Besonders heiß wurde denen, die ihren Sport im brennenden Sand ausüben mussten. Beim Beach-Volleyball am Golden-Strand dominierten die Teams aus Brasilien und Israel. Leonardo Kunick ist aus dem Land des Zuckerhutes angereist: »Ich habe fünf Monate lang in Rio trainiert und bin mit meinem Partner hierhergekommen, um zu gewinnen.« Auf die Frage, wo es heißer sei, in Brasilien oder Israel, lachte Kunick nur und meinte, dass der jüdische Staat ganz schön etwas zu bieten habe.
Angenehm kühl war es in den Pools des Wingate-Instituts wo die Schwimmwettkämpfe ausgetragen wurden. Überraschungen gab es hier nicht, immerhin zog ein Olympionike, der viermal Gold geholt hatte, bei dieser Makkabiade seine Bahnen. Der US-Amerikaner Jason Lezak hatte für die Spiele sogar seine
Teilnahme an den

Schwimmweltmeisterschaften sausen lassen, die zurzeit in Rom stattfinden. »Ich wollte einmal dabei sein«, begründete der Spitzensportler seine Teilnahme an dem jüdischen Sportfest. Wie erwartet, holte Lezak über 100-Meter-Freistil die Goldmedaille. Die sieben Konkurrenten waren nicht enttäuscht, sondern hocherfreut, gegen einen leibhaftigen Olympiasieger antreten zu dürfen.
Nach dem Ende der drittgrößten Spiele weltweit stehen die Israelis im Medaillenspiegel oben. Der Vorteil der kurzen Wege im kleinen Nahoststaat machte es den 2.000 israelischen Athletinnen und Athleten aus allen Teilen des Landes leicht, sämtliche Angehörige zum An-feuern einzuladen. Die USA mit mehr als 1.100 Sportlern nehmen erwartungsgemäß den zweiten Platz ein, ge-folgt von Russland, Kanada, und Südafrika.
Der israelische Turner Alex Shatilov zeigte sein Können am Boden mit Flic-Flac und Salti wie bereits bei der Kunstturn-EM dieses Jahres, wo er den dritten Platz belegte. Er findet die Makkabiade immer wieder aufregend: »Es ist toll, weil die Wettkämpfe zu Hause stattfinden. Außerdem kommen dadurch so viele verschiedene Menschen zu Besuch, das macht einfach viel Spaß. Und es ist so viel mehr als nur Sport.«

toraaufruf Mehr als die bloße Teilnahme am Turnier war es für sieben Mitglieder der britischen Rugby-Mannschaft. Einen Tag nach ihrem Einzug ins Halbfinale beschlossen sie, sich einen Traum zu erfüllen: Sie feierten als Erwachsene in Israel ihre Barmizwa, die sie als Jungs nie erhalten hatten. Einer von ihnen war Andy Dick, ein 27-jähriger Anwalt aus London. Nachdem er zur Tora aufgerufen worden war, sagte er: »Für mich ist es das erste Mal in Israel und meine erste Makkabiade. Das zusammen mit dieser Erfahrung ist ein fantastisches Gefühl.« Dicks Eltern waren dabei und überglücklich, als ihr Sohn seine Barmizwa »mit etwas Verspätung«, wie sie es nannten, feierte. Auf die traditionellen Bonbons und Lutscher verzichteten die sieben aber und gingen stattdessen lieber typisch israelisch essen – Falaffel.
»Die Zeremonie fügt ein weiteres Element zur Idee der Makkabiade hinzu«, betonte Rabbi Carlos Tapiero, Vizepräsident der Maccabi World Union, im Anschluss an die Barmizwot der Briten. »Es zeigt, dass es nicht ausschließlich um Sport geht, sondern genauso darum, jedem einzelnen Teilnehmer eine einzigartige jüdische Erfahrung zu bieten.«

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