Chiang Mai

Mazze mit Chili

von Willi Germund

Der Saal ist schon seit Wochen angemietet. Rabbiner Moshe Haddad wäre froh, wenn alle Vorbereitungen für Pessach im nordthailändischen Chiang Mai, einst berühmt als Zentrale der Opiumregion »Goldenes Dreieck«, so einfach wären wie die Reservierung für den Seder. Denn es gilt, einen hohen Anspruch zu wahren. Schließlich möchte auch Rabbi Haddads Gemeinde wie die anderen thailändischen Chabad-Zentren in Bangkok, Phuket und Koh Samui seinen Gästen eine »Heimat fernab der Heimat« sein.
Das gilt besonders zu Pessach. Welche Hürden zu überwinden sind, wird im Internet deutlich. »Was? Man kann in Thailand Mazze kaufen?«, wundert sich ein Kommentator im Forum der Seite thaivisa.com. »Mazze mit Chili«, antwortet ein Spaßvogel.
Natürlich gibt es in Thailand keine Mazzebäckerei. Doch Rabbi Moshe Haddad und seine Kollegen in den anderen Zentren hat Mazze und die anderen speziellen Pessach-Speisen aus Israel einfliegen lassen. Es muss eine gewaltige Ladung gewesen sein, die im Bauch der EL-AL-Maschine aus Tel Aviv verstaut war. Sie war Wo- chen vorher bestellt worden, und jede der vier Chabad-Gemeinden in Thailand erhielt einen Teil. Das meiste blieb in Bangkok, weil dort auch die meisten Gäste erwartet werden.
Wie aber soll man in Chiang Mai planen? Im vergangenen Jahr drängten sich 700 Gäste beim Gemeindeseder. 15 US-Dollar muss man pro Person auf den Tisch legen – Übernachtung inklusive.
Rabbi Moshe Haddad hat versucht, seine Gästeschar planbar zu machen, in dem er um vorherige Reservierungen bat. »Ich schätze, dass dieses Jahr 200 bis 300 Leute kommen werden«, sagt der 27-Jährige. Im Vergleich zum Vorjahr mit 700 Gästen wären das sehr wenige Besucher. Aber der Rabbiner weiß: Seine Gäste gehören überwiegend zu einer notorisch unberechenbaren Gruppe von Menschen.
Denn es gibt nur ein paar wenige Juden, die beruflich in Chiang Mai leben. Die große Masse sind Rucksacktouristen – die meisten aus Israel – die gemächlich durch Thailand pilgern und mitunter mehrmals täglich ihre Reisepläne ändern. Sie leben im Lonely-Planet-Universum. Man erkennt sie häufig an ihrem »Isra-Fro«, einem Phänomen, wie Iris Bahr in ihrem heiter-bissigen Buch Moomlatz schreibt. Demnach lassen sich 99 Prozent aller israelischen Männer nach abgeleistetem Wehrdienst ihre Haare zu »elektri- sierten Büschen« wachsen, so jedenfalls Iris Bahr in ihrem Buch über eigene Reiseerfahrungen in Thailand.
Rabbi Haddad kennt einen anderen Wesenszug dieser Rucksackreisenden: Sie sind notorisch unzuverlässig. Der größte Schwung an Reservierungen kommt erst in den letzten Tagen vor Pessach bei ihm an. Aber der junge Rabbi mit dem fröhlichen Lachen hat sich längst an diese Eigenheiten seiner Besucher gewöhnt. Schließlich ist ja die Absicht der Chabad-Zentren, den jungen Leuten bei ihrer Suche nach Abenteuer, Elefanten, Strand und neuen Freunden ein Stück Heimat zu bieten. Das Restaurant der Gemeinde ist mit seinen ko- scheren Speisen nicht umsonst einer der beliebtesten Treffpunkte jüdischer Rucksackreisender.
Aber nicht alle Juden, die in Chiang Mai – einem Ort mit mildem Klima – leben, zieht es zum hebräischen Seder der Chabad-Gemeinde. So schreibt ein Larry im Internet: »Wir laden alle ein, die Pessach auf Englisch mit uns feiern wollen«. Englisch, damit auch die thailändischen Ehefrauen etwas verstehen – oder Freunde, die kein Hebräisch sprechen. Doch bislang hat Larry wenig Glück mit seinem Angebot. »Eine Woche und keine einzige Anmeldung«, klagt er. Doch darf er hoffen, denn Rabbi Haddad bekommt die meisten Anmeldungen ja auch erst kurz vor Toresschluss.

Nahost

Waffenstillstand nach 4000 Raketen

Die Israelis hoffen nach nahezu zwei Wochen der Kämpfe auf einen ruhigen Schabbat

von Sabine Brandes  21.05.2021

Deutscher Koordinierungsrat

Orthodoxer ins Präsidium

Rabbinerkonferenz plädiert für stärkere Verankerung im interreligiösen Dialog

 12.05.2021

Berlin

So viele rechts motivierte Straftaten wie noch nie

Trotz der Kontaktbeschränkungen nehmen 2020 die ideologisch und rassistisch motivierten Gewalttaten zu

 04.05.2021

Bochum

Abraham Lehrer im Instagram-Live-Gespräch

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden spricht über die Schüsse auf die Bochumer Synagoge

 04.05.2021

Bundestag

Zentralrat fordert schnelle Einführung von Härtefallfonds

Jüdische Zuwanderer sollen möglichst schnell bei der Rente besser gestellt werden, so Josef Schuster in einer Anhörung

 12.04.2021

Bundesrat

Bessere Renten für jüdische Zuwanderer gefordert

Länderkammer appelliert an Bundesregierung, schnellere Lösungen zu finden

 12.02.2021

Corona-Geimpfte

Israel und Griechenland planen Reise-Korridor

Basis der Abmachung soll die gegenseitige Anerkennung sogenannter Grüner Impfpässe sein

 08.02.2021

Archäologie

Des Königs alte Kleider

Purpurfarbene Stoffreste aus der frühen Eisenzeit in Timna entdeckt

von Sabine Brandes  29.01.2021

Vereinte Nationen

Videos mit explizitem Inhalt in der Kritik

»Schockiert und tief verstört«: UN-Chef Guterres kündigt rasche und eingehende Ermittlungen an

von Michael Thaidigsmann  28.06.2020