Jonah Metzger

»Man sieht, der andere hat keine Hörner«

Herr Oberrabbiner, Saudi-Arabiens König Abdallah hat vergangene Woche angekündigt, eine interreligiöse Konferenz mit muslimischen, christlichen und jüdischen Vertretern zu veranstalten. Was halten Sie davon?
metzger: Alles, was zur Verständigung und Aussöhnung zwischen religiösen Strömungen beitragen kann, ist begrüßenswert. Das gilt natürlich auch für diese Initiative. Ich bin ein großer Befürworter des interreligiösen Dialogs und habe zu diesem Zweck die Schaffung einer Art UNO für religiöse Vertreter angeregt. Dort könnten auch und gerade Reprä- sentanten von Staaten, die keine diplomatischen Beziehungen zueinander unterhalten, ins Gespräch miteinander kommen.

Welche drei Punkte sollten Ihrer Meinung nach auf der Tagesordnung einer solchen Konferenz stehen?
metzger: Erstens: Die Löschung von Hassäußerungen in Unterrichtsmaterialien für Schulen. Zweitens: Die Anerkennung einer Exterritorialität der heiligen Stätten aller drei Reli- gionen, ähnlich wie es bei Botschaften der Fall ist. Drittens: Die Verurteilung von Terrorismus und Hass. Niemand darf im Namen G’ttes zum Mord aufrufen. Auch die Begegnung an sich ist wichtig. Ein Beispiel: Bei einem Treffen mit muslimischen Vertretern wurde ich mit der Behauptung konfrontiert, der Mossad hätte die Anschläge vom 11. September 2001 verübt. Ich fragte zurück, warum Israel einen befreundeten Staat wie die USA hätte angreifen sollen. Darauf hatten meine Gesprächspartner keine Antwort. Das ist die Kraft der Begegnung: Man sieht, dass der andere keine Hörner hat.

Würden Sie an einer solchen Konferenz teilnehmen?
metzger: Noch liegen keine Einladungen vor.

Glauben Sie, dass Saudi-Arabien auch Israelis einlädt? Oder sollte das Judentum notfalls nur durch Diaspora-Rabbiner vertreten sein?
metzger: Es würde dem Sinn der Konferenz zuwiderlaufen, Israelis auszusperren. Allerdings ist die Frage bisher hypothetisch. Wie man sich verhalten sollte, wäre im Einzelfall zu entscheiden.

Darf man Ihnen wünschen, dass eine zweite Konferenz in Jerusalem stattfindet und Sie die Einladungen verschicken?
metzger: Amen und Amen, möge es beschieden sein.

Mit Israels aschkenasischem Oberrabbiner sprach Wladimir Struminski.

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