Umwelt

Luft zum Atmen

von Wladimir Struminski

„Die Schöpfung bewahren“ ist ein in Deutschland seit Langem beliebtes Motto der Umweltschützer. In Gottes auserwähltem Land dagegen war das Umweltbewusstsein lange Jahre kaum vorhanden, galt Ökologie als ein Luxus, den sich das kleine, von Feinden umringte Israel nicht leisten konnte. Heute ist der Stellenwert der Umwelt ungleich höher, und das Jahr 5769 soll in mehrfacher Hinsicht eine Wende zum Besseren markieren. Nicht zuletzt durch ein neues Luftreinhaltungs‐
gesetz. Das nach zweieinhalbjährigem Tauziehen im Sommer verabschiedete Ge‐
setzeswerk, verspricht, so Umweltminister Gideon Esra, „eine wahre Revolution“. Die Neuregelung setzt nicht nur auf schärfere Emissionsnormen, sondern sieht auch ei‐
ne strengere Durchsetzung der einschlägigen Vorschriften vor. Die schlimmsten Dreckschleudern, so das Umweltressort, seien Kraftfahrzeuge, doch entlasse an Industriestandorten wie Haifa, Aschdod oder Mischor Rotem vor allem die Chemie‐
branche die meisten Gifte in die Atemluft. Ihrerseits will die Industrie massiv in Emissionsschutz investieren. Dabei verlassen sich die Iraelis übrigens auf das Wissen ihrer Nachbarn nördlich des Mittelmeeres: Das Luftreinhaltungsgesetz schreibt europäische, insbesondere deutsche Normen für Israel fest.
Stichwort Sonnenenergie: Im kommenden Jahr wird der Erbauer von Israels ers‐
tem solarem Großkraftwerk auserkoren. An der Ausschreibung für das Vorzeige‐
projekt, erklärt die Regierung stolz, wollen sich sieben Bieterkonsortien mit Betei‐
ligung prominenter ausländischer wie is‐
raelischer Konzerne beteiligen. Die neue Anlage entsteht am sonnenreichen Stand‐
ort Aschalim im Negev und soll 250 Me‐
gawatt leisten. Allerdings ist das erst der Anfang: In den kommenden zwei Jahrzehnten, kündigte Infrastrukturminister Benjamin Ben‐Elieser an, soll Jahr für Jahr ein Sonnenkraftwerk ähnlicher Größe in die Wüste gesetzt werden. Noch verlässt sich Israel vor allem auf thermosolare Solaranlagen: Diese verwandeln Sonnenstrahlen in Hitze, die wiederum Strom erzeugt. Zugleich aber packt das Land die eigentliche Sonnenkraft an: Fotovoltaik. Hierbei wird die Sonneneinstrahlung direkt in Energie verwandelt, wie es Pflanzen vormachen. Neben dem thermosolaren Koloss wurde in Aschalim eine bis zu 30 Megawatt starke Fovoltaik‐Stromanlage ausgeschrieben. Schließlich will Ben‐Elieser das in diesem Jahr angelaufene Programm zur fotovoltaischen Stromerzeugung durch Haus‐ und Betriebsauflagen 5769 auf das Doppelte des ursprüng‐
lich vorgesehenen Umfangs ausweiten und ein paralleles Programm für Großverbraucher vorlegen. Wenn diese Pläne wahr werden, könnte Israel in 20 Jahren mehr als ein Viertel seines Strombedarfs mit Sonnenkraft decken.
Auch bei Wasser denkt Israel um, und zwar nicht nur wegen der akuten Ver‐
sorgungskrise. Zwar lässt sich nach heutiger Technologie Meerwasser nach Belie‐
ben entsalzen, doch hat das seinen Preis, sowohl ökologisch – Stichwort Energiever‐
brauch – als auch ökonomisch. Daher ist Wassersparen angesagt. Die Regierung will den Wasserpreis, den ihre Bürger entrichten müssen, deutlich erhöhen und den Absatz wassersparender Elektrohaus‐
haltsgeräte fördern. Besonders gefordert ist aber die Landwirtschaft. Auf sie entfällt mehr als die Hälfte des landesweiten Was‐
serverbrauchs. Ihr den Wasserhahn abzudrehen, kann und will sich keine Re‐
gierung leisten, auch Zyniker spotten, Israel baue Agrarprodukte auf Land an, das es nicht hat und bewässere sie mit Wasser, das nicht vorhanden ist. Aller‐
dings muss die Landwirtschaft künftig vor allem mit Wasser minderer Qualität vorlieb nehmen – gereinigte Abwässern und Brackwasser. Da sind nicht nur präzise Be‐
wässerungsanlagen, sondern noch ganz andere Ideen gefragt. Etwa die Pflanzung von Feldfrüchten auf Kürbiswurzeln. Die‐
se filtern nämlich Salzrückstände aus dem Wasser heraus, damit das Endprodukt verzehrfähig bleibt.
Dagegen läuft eine Umweltschutzmaß‐
nahme, mit der bereits unsere Vorväter die Schöpfung zu bewahren suchten, zu Rosch Haschana aus: Das Schmitta‐Jahr, in dem die Felder des Landes Israel brachzuliegen haben. Fortan dürfen selbst die strenggläubigsten Juden bis 5775 die Früchte des verheißenen Bodens genießen. Allerdings nicht zu schnell: Rabbiner schärfen ihren Schäfchen ein, beim Kauf genau zu prüfen, ob Obst und Gemüse, Blumen oder junge Bäume, die sie im kommenden Jahr kaufen, nicht von Juden noch vor Ablauf des Brachjahres gepflanzt worden sind.

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