Heidelberger Hochschulreden

Kulturelle Zeichen

Kulturelle Zeichen

Seit anderthalb Jahren gibt es die »Heidelberger Hochschulreden«

von Ingo Way

Der frenetische Applaus, als Marcel Reich-Ranicki am 7. Dezember 2005 das Podium betrat, war der denkbar würdigste Auftakt für die »Heidelberger Hochschulreden«. Von Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, angeregt, wird die Vortragsreihe seit nunmehr anderthalb Jahren von der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Ruprecht-Karls-Universität veranstaltet. Die Hochschule möchte mit dieser Reihe nach eigener Aussage wissenschaftlich und kulturell Zeichen setzen. Mit prominenten Rednern aus Wissenschaft, Kultur und Politik und mit Themen von allgemeinem Interesse versuchen die Veranstalter, ein breites Publikum zu erreichen, das über den Kreis der an jüdischer Geschichte und Kultur Interessierten hinausgeht.
Mit Erfolg, wie seinerzeit schon der erste Vortrag der Reihe bewies, als der geliebt-gehasste »Literaturpapst« über »Literatur ohne Heimat« sprach. Mehr als 250 Zuhörer hatten sich damals in der Aula der Alten Universität zu Heidelberg eingefunden, um Reich-Ranickis Ausführungen zu Moses Mendelssohn und Rahel Varnhagen, zu Heinrich Heine und Franz Kafka zu folgen. Dan kamen im Laufe der Reihe Rabbiner Israel Singer (mit dem Thema »Der Vatikan und die Juden«), Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann (»Imago Dei und Bildung – eine deutsche Begriffsgeschichte«), Ex-Außenminister Joschka Fischer (»Europa, Israel und der Nahe Osten«), der Europapolitiker Daniel Cohn- Bendit (»Europa und der Nahe Osten«) und der Verleger Hubert Burda (»Media in transition«).
»Das gebildete Heidelberger Publikum hat unsere Vortragsreihe außerordentlich gut angenommen«, so die Pressesprecherin der Hochschule für Jüdische Studien, Esther Graf, zufrieden. In der regionalen wie überregionalen Presse finden die Heidelberger Hochschulreden lebhafte Resonanz.
Der Eintritt zu den Vorträgen ist frei, jeder Interessierte ist willkommen. Nur Anfang Juli, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel über »Toleranz – die Basis des Miteinanders der Religionen und Kulturen« spricht, werden wegen des zu erwartenden hohen Andrangs nur geladene Gäste eingelassen.
Das soll aber eine Ausnahme bleiben, verspricht Esther Graf. Die nächsten Vorträge sind wieder frei zugänglich. Denn ein Ende der Vortragsreihe ist vorerst nicht in Sicht. Erwartet werden unter anderen der ehemalige Innenminister Otto Schily sowie der Publizist und Börne-Preisträger Henryk M. Broder. Für spannende Debatten dürfte also auch in Zukunft gesorgt sein.

Meinung

Erfolgreich ausgesessen

documenta: Der Vorwurf des Antisemitismus wiegt schwerer, als der Antisemitismus selbst

von Anna Staroselski  22.09.2022

Zahl der Woche

9.593.000 Menschen

Fun Facts und Wissenswertes

 22.09.2022

Standpunkt

Einfach besser machen

Die »Zehn Tage der Umkehr« dienen im Judentum der Reflexion und Reue. Unser Autor überlegt, ob nicht auch die documenta-Verantwortlichen jetzt Besserung geloben könnten

von Maram Stern  22.09.2022

Haus der Wannsee-Konferenz

Emotionaler Termin

Bundeskanzler Scholz und Israels Regierungschef Lapid treffen Schoa-Überlebende

von Lilly Wolter  12.09.2022

Diplomatie

Steinmeier begrüßt Herzog zu Staatsbesuch in Berlin

Israel Staatspräsident: »Jeder Besuch in Deutschland hat ein enormes persönliches Gewicht«

 04.09.2022

Berlin

Bundespräsident Steinmeier begrüßt Israels Präsidenten Herzog zu Staatsbesuch

Am Montag empfängt Bundeskanzler Olaf Scholz den Staatsgast

von Jörg Blank  04.09.2022

Meinung

Weltkirchenrat: Im Gespräch bleiben

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen wird von Antisemitismusvorwürfen überschattet. Der Dialog zwischen Juden und Christen darf aber nicht abreißen, findet unser Autor

von Rabbiner Andreas Nachama  31.08.2022

Meinung

Bosnien: Juden als Premierminister unerwünscht

Alexander Rhotert wünscht sich ein Ende der verfassungsmäßigen Ungleichstellung der nationalen Minderheiten von Bosnien und Herzegowina

von Alexander Rhotert  31.08.2022

Olympia-Attentat 1972

Olaf Scholz: »Eine gute Lösung finden«

Das bisherige Entschädigungsangebot der Bundesregierung lehnten die Hinterbliebenen der Opfer als zu gering ab. Nun scheint eine Einigung in greifbarer Nähe zu sein

 31.08.2022