israel-tourismus

Kosmetik im Pferdestall

von Sabine Brandes

Weit eröffnet sich die Ebene Untergaliläas von diesem Hügel aus. Saftige Wiesen, Felder und Teiche, am Horizont hier und da eine beschauliche Siedlung. Auf dieser Anhöhe, 285 Meter über dem Meeresspiegel, liegt die Siedlung Zippori, benannt nach dem hebräischen Wort Zippor – Vogel. Schon der Talmud merkte an, daß sie »auf dem Berg sitzt wie ein Vogel«. Hoch auf dem Pferderücken ist der Ausblick noch ein wenig schöner. Es geht vorbei an mächtigen Kakteen, die sich im Sommer und Herbst vom Gewicht der süßen Früchte bis zum Boden biegen, an Mandel- und Ölbäumen, deren hohes Alter in den tiefen Furchen der knorrigen Stämme zu lesen ist.
Galiläa ist bei Israelis wie Touristen gleichermaßen beliebt. Die satte Vegetation, Naturparks sowie zahlreiche religiöse und archäologische Stätten machen das Gebiet zu einem der abwechslungsreichsten des ganzen Landes. Ein besonderes Juwel ist Zippori. Etwa sieben Kilometer nordwestlich von Nazareth lädt dieser kleine Ort zu verzauberten Urlaubstagen ein.
Ein Tip für jene, die sich gern verwöhnen lassen, ist die Erholungsanlage Spa im Dorf im Herzen von Zippori. Das Spa ist eine alte Pferdeanlage, die Zimmer sind ehemalige Ställe mit urigem Ambiente. An Komfort jedoch mangelt es nicht. Inhaberin Mira Rosenfeld hat keine Kosten gescheut, das Anwesen in einen modernen Komplex zu verwandeln, der seinen ursprünglichen Charme dabei jedoch nicht verloren hat. »Unser Spa bietet für jeden etwas«, versichert Rosenfeld, »und besonders geeignet ist es für romantische Tage zu zweit«.
Rosenfeld ist eine erfahrene Fachfrau in Sachen Kosmetik. Sie entwickelte die landesweit erfolgreiche Serie Zippori of Galilee. In ihrem Spa werden unter anderem verschiedene Massagen angeboten, Reflexzonenbehandlung, Aromatherapie, Körper- und Gesichtspeeling, Jacuzzi und Saunagänge. Ein liebevoll zubereitetes Frühstück und Mittagessen (milchig) im Speisezimmer für Zwei rundet das Erholungserlebnis ab.
Das Spa im Dorf verströmt ein besonderes Ambiente mit einer Mischung aus Gemütlichkeit und Luxus: Die acht Räume gruppieren sich um einen großen Garten, in dessen Beeten Nana-Minze, Rosmarin und Melisse um die Wette duften. Alle Zimmer sind mit Holz getäfelt, verfügen über Küchenzeilen, Kabel-TV und eine kleine Terrasse.
Für Familien bietet Rosenfeld Reiterferien mit echtem Lagerfeuer-Ambiente. Hinter dem Spa befindet sich die Koppel und daneben ein authentisches Cowboyzimmer, in dem sich große und kleine Pferdefans nach anstrengenden Tagen im Sattel ausruhen können.
Nur fünf Gehminuten entfernt gibt es noch mehr Angebote für Pferdeliebhaber. Auf der Ranch von Dani Menis dreht sich alles um die eleganten Vierbeiner. 50 Pferde und Ponys hält der Sohn argentinischer Einwanderer hier. Er scheint im Sattel geboren zu sein. Während er die Zügel lässig mit einer Hand hält, trällert er ein ums andere Lied auf Hebräisch mit dem typischen rollenden R der südamerikanischen Einwanderer. Empfehlenswert sind die Ausritte in die Natur (17 bis 20 Euro pro Stunde). »Und den wundervollen Ausblick auf unsere Umgebung gibt es gratis dazu«, garantiert Menis. Außerdem bietet Menis’ Ranch private Reitstunden, Eselritte und Kutschfahrten.
In Zippori gibt es mehrere Anbieter der sogenannten Zimmerim, der oft außergewöhnlich charmanten Übernachtungsvariante in Israel, die mit »bed and breakfast« zu vergleichen ist. Zwei Familien bieten hausgemachten Ziegen- und Schafskäse an, der auf der Zunge zergeht. Genaue Informationen mit allen Aktivitäten und Angeboten Zipporis sind am Ortseingangsschild zu finden.
Der kleine Ort beherbergt sogar eine echte Berühmtheit. Die »Mona Lisa von Galiläa«. Zu bewundern ist sie inmitten der antiken Ruinen im Naturpark. Doch die milde lächelnde Dame ist nicht das einzig Sehenswerte. Ausgrabungen brachten ein reiches Vermächtnis aus judäischer, römischer und byzantinischer Zeit zutage. Die hier freigelegten Böden sind einzigartig und gehören, nicht nur für Geschichtsfans, zu den Höhepunkten einer jeden Israelreise.
Die Leitung des 1991 eröffneten und 2005 komplett neu gestalteten Parks hat sich einiges einfallen lassen, um den Rundgang attraktiv zu gestalten. Der Weg ist spannend und vermittelt jede Menge Wissenswertes über die Kultur vergangener Jahrhunderte. Besonders viel Mühe ist auf die Wiederherstellung der Mosaike und deren Erklärung verwandt worden. Anhand von Modellen und Bildern wird gezeigt, wie diese kunstvollen Böden aufgebaut sind, wie sie verlegt wurden und wie man einen abgesackten Boden restauriert. Neben Führungen werden an Feier- und Samstagen Mosaik-Workshops angeboten.
Sollten Sie Zippori im Sommer oder Herbst besuchen, nehmen Sie ein paar dicke Handschuhe oder einen alten Lappen und ein Messer mit. An der Straße in Richtung Nationalpark stehen wilde Riesenkakteen, an denen zentnerweise Kaktusfrüchte hängen. Man sagt, diese Sabras seien wie die im Land geborenen Israelis: außen voller pieksender Stachel und innen voller Süße.

Nationalpark Zippori: www.parks.org.il
Spa im Dorf: www.zippori-spa.co.il
Reiterferien: www.ranchomenis.co.il

Rubrik

Zitat der Woche

Jüdische Allgemeine vom 26. September 2019

 10.10.2019

Grossbritannien

Der Mops, die rechte Pfote und der Hitlergruß

Jüdischer Verband kritisiert BBC: Sender zeigt Film über verurteilten Schotten und dessen umstrittenen Hund Buddha

 05.08.2019

Pferdesport

Israelin Dani G. Waldman siegt vor Ludger Beerbaum

Bei der dritten Auflage des Fünf-Sterne-Reitturniers in Berlin gewinnt die für Israel startende Amerikanerin 

 27.07.2019

Milton Glaser

Er liebt New York

Der US-Designer feierte seinen 90. Geburtstag

von Christina Horsten  26.06.2019

Frankfurt

»Emotionaler Anker«

Die Bildungsabteilung im Zentralrat veranstaltet eine Tagung zur Geschichte der jüdischen Jugendbewegung

von Eugen El  06.06.2019

Fußball

»Wusste nicht, was Nazi-Gruß ist«

Torwart des Premiere-League-Clubs Crystal Palace entgeht mit einer sehr besonderen Begründung einer Strafe

 16.04.2019