Jewish Institute of Cantorial Arts

Kantoren für Europa

von Olaf Glöckner

Mimi Sheffer steht die Freude sichtlich ins Gesicht geschrieben. »Ehrlich gesagt, von einem so raschen Start unseres Kantorenseminars habe ich gar nicht zu träumen gewagt«, bekennt die Musikerin. »Aber nun ist der Traum schon fast Wirklichkeit.« Im gerade entstehenden Jewish Institute of Cantorial Arts (JICA), einer neuen Teileinrichtung des Abraham Geiger Kollegs Potsdam, hat die gebürtige Is‐
raelin den Hut der Direktorin auf.
Am Geiger‐Kolleg werden seit Jahren Rabbiner für Deutschland und Europa ausgebildet, nun zieht man mit einer akademischen Ausbildung für künftige Kantoren nach. In der Tat ist der Bedarf hierzulande sehr hoch, vor allem in kleineren und mittleren Gemeinden, wo eine eigene Tradition in Liturgie und Gottesdienstgestaltung oft erst aufgebaut werden muss. Zahlreiche Gemeindemitglieder sind mu‐
sikalisch begabt, liturgisch aufgeschlossen und hoch motiviert – doch fehlt ihnen das professionelle Beiwerk. Genau diese Lücke will das Jewish Institute of Cantorial Arts schließen – mit einer fundierten Ausbildung auf interdisziplinärer Grundlage. An der Finanzierung des neuen Studienganges beteiligen sich die amerikanische Breslauer Foundation, die Bundesregierung und der Zentralrat der Juden in Deutschland.
Der Direktor des Geiger‐Kollegs, Walter Homolka, und seine Mitstreiter hatten das Projekt einer Kantorenausbildung schon seit Längerem diskutiert und dabei auch erfahrene Einrichtungen aus dem Ausland zu Rate gezogen. Mit der »School of Sacred Music« am Hebrew Union College (HUC) in Jerusalem fand sich bald ein idealer Ko‐
operationspartner. Ihr Direktor Eliyahu Schleifer – ein international renommierter Experte für jüdische liturgische Musik – hat umfassende inhaltliche und methodische Hilfe zugesagt. Strukturell wird die vom Geiger Kolleg initiierte Kantorenausbildung in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam organisiert. Innerhalb von vier Jahren erwerben die Studenten zugleich einen Bachelor of Arts in Jüdischen Studien und Musikwissenschaften, wobei die Jüdischen Studien das Erstfach bilden. Mimi Sheffer erläutert die Priorität: »Um gute Arbeit als Kantor leisten zu können, muss man die Dimensionen der jüdischen Tradition wirklich verinnerlicht haben, man muss die Religion fühlen und sie auch leben.«
Die israelisch‐amerikanische Opernsängerin und Kantorin, die seit 13 Jahren in Deutschland lebt und unter anderem an der West‐End‐Synagoge in New York und in der Berliner Synagoge Oranienburger Straße amtiert hat, stellt hohe Ansprüche an ihre künftigen Studenten: »Sie sind an‐
gehalten, alle wesentlichen Traditionen der jüdischen Liturgie zu erlernen, alle Gebetbücher und Alternativen. Grundsätzlich müssen sie auch die orthodoxen Quellen beherrschen – sonst wäre die ganze Arbeit wurzellos. Schließlich lässt sich Liturgie und Synagogalmusik nur erneuern und aktualisieren, wenn man die Ursprünge kennt.« Auch das Erlernen der hebräischen Sprache ist ein selbstverständlicher Bestandteil des Curriculums. Um dem Studiengang bereits im ersten Jahr ein gutes Profil zu verleihen, haben zahlreiche Fachleute aus dem In‐ und Ausland ihre Unterstützung zugesagt, so ne‐
ben Eliyahu Schleifer auch der Potsdamer Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov, Rabbiner Daniel Katz aus Düsseldorf, Bruce Ruben aus Jerusalem, Richard Cohn aus Dallas und Yvon Shore aus Cincinnati.
Als größte Herausforderung aber be‐
trachtet die JICA‐Direktorin die Befähigung der künftigen Kantoren, im Gottesdienst ein harmonisches Zusammenspiel mit der jeweiligen Gemeinde herzustellen. »Selbst wenn viele jüngere Gemeinden in Deutschland noch keine eigene Tradition besitzen, so hängen ihre Mitglieder doch an bestimmten Melodien, Liedern und Ge‐
beten. Es wird die Kunst unserer Absolventen sein, beides zu verbinden: eine hervorragende Liturgie anzubieten und gleichzeitig den Nerv der Gemeinde zu treffen – musikalisch, emotional, theologisch und spirituell.«
Mehr als ein Dutzend Bewerber haben sich bereits für die Kantorenausbildung am Jewish Institute of Cantorial Arts ge‐
meldet, aber noch sind die Kapazitäten begrenzt. »Wir beginnen vorerst mit drei Studenten«, berichtet Mimi Sheffer, »und die Ausbildung gemäß Curriculum startet dann im Oktober 2009.«
Die neue Ausbildungsstätte ist – zumindest als akademische Institution – europaweit noch einzigartig und damit ein Hoffnungszeichen. »Unsere Gemeinden brau‐
chen solche Kantoren mit pädagogischer Bildung«, betont auch Rabbiner Andreas Nachama von der Berliner Synagogengemeinde Sukkat Schalom.
»Ein Institut wie das unsere will gut im jüdischen Umfeld integriert sein«, betont Sheffer. Deshalb beteiligt man sich auch zur Eröffnung der Einrichtung an den 22. Jüdischen Kulturtagen Berlin. Zwölf prominente Kantoren aus aller Welt hat das JICA dazu eingeladen. Sie werden im Rahmen der Kulturtage verschiedene Gottesdienste abhalten und am Sonntag, 14. September, nachmittags sechs verschiedene Workshops in der Berliner Synagoge Pestalozzistraße anbieten. Alle Gastkantoren vereint dann an diesem Tag um 17 Uhr das festliche Abschlusskonzert »Highlights der Chasanut«, ebenfalls in der Synagoge Pes‐
talozzistraße.
JICA‐Direktorin Mimi Sheffer wird selbst zum Eröffnungskonzert der Kulturtage am Samstag, 13. September, 21 Uhr, in der Synagoge Rykestraße singen. Im Mittelpunkt steht dabei der Abendgottesdienst für Kantor, Chor und Orchester »Arvit Le‐Shabbat« des israelischen Komponisten Yehezkel Braun.

Weitere Informationen:
www.cantorsforeurpe.org

Grossbritannien

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