Nahostkonflikt

In Szene gesetztes Grauen

In Szene gesetztes Grauen

Frankfurt am Main: Eine Diskussion
über die Medien und den Nahostkonflikt

von Fabian Wallmeier

Ein libanesischer Helfer trägt einen toten Jungen in einen Ambulanzwagen. Die Fernsehkamera hält drauf. Der Helfer geht auf den Kameramann zu, gibt ihm ein Handzeichen, er solle weiterdrehen. Der Junge wird wieder aus dem Wagen geholt und gut sichtbar auf eine Bahre gelegt. Mit diesen Bildern einer zynischen Inszenierung, die Zapp, das Medienmagazin des Norddeutschen Rundfunks, entlarvt hat, begann am 5. September in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main eine hitzige Diskussion über den israelisch-arabischen Konflikt im Blick der Medien. Eingeladen zu der Veranstaltung hatte die Zionistische Organisation Frankfurt.
Sascha Stawski, Chefredakteur des Internetportals Honestly Concerned, präsentierte eine Reihe von Überschriften aus deutschen Tageszeitungen, die Israel als Aggressor im Libanon-Konflikt darstellten. Zwar sei die andere Seite in den Unterzeilen häufig zu lesen. Jedoch vermittle neben den Hauptüberschriften auch die Bebilderung, daß Israel der Täter und die Libanesen und Palästinenser die Opfer seien.
Fritz Pleitgen, Intendant des Westdeutschen Rundfunks, warf Stawski vor, er präsentiere mit seiner Auswahl genau das, was er mit seiner Arbeit eigentlich zu verhindern trachte: »totale Einseitigkeit«. Günther Nonnenmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gab zu bedenken, daß eine Schlagzeile die jeweilige »Nachricht des Tages« zu liefern habe. »Eine Tageszeitung kann nicht in jeder Überschrift alle Hintergründe mitliefern«, sagte er. Unter Journalisten gebe es zwar viele schwarze Schafe, jedoch habe die FAZ ausgewogen Bericht erstattet.
»Die Israelis sind die neuen Nazis, die Palästinenser sind die neuen Juden«, das ist für Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die »untergründig erkennbare« Tendenz der Berichterstattung über den Palästina-Konflikt. Das Medienanalyse-Institut Media Tenor belege, daß Israelis in der Berichterstattung tendenziell als Täter aufträten. Das größte Problem sei dabei das Ergebnis in der öffentlichen Wahrnehmung der Juden in Deutschland. »Juden werden in Kollektivhaftung genommen für das, was in Israel passiert«, sagte Korn.
Fritz Pleitgen nannte Media Tenor eine »nicht seriöse Quelle« und regte eine genaue und neutrale Überprüfung der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten über den Libanon-Konflikt an. »Ich bin davon überzeugt, daß wir ausgewogen berichtet haben«, sagte der WDR-Intendant. Auf der Grundlage der neuen Ergebnisse wolle er mit Korn, der zugleich Mitglied des ZDF-Fernsehrates ist, weiter diskutieren.

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