Herzmedizin

Im Takt

Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) sei das beste Krankenhaus der Welt, der ärztliche Direktor Roland Hetzer sein Vater und Oberarzt Hans Lehmkuhl sein Bruder – so beschreibt der herztransplantierte Rabbiner Shmuel Fridman aus Tel Aviv seine Gefühle gegenüber dem Team, das ihn vor dreieinhalb Jahren operierte. Ihm wurde in Berlin ein sogenanntes Kunstherz implantiert, um das Warten auf ein Spenderorgan zu überbrücken. Nachdem er oft verzweifelte, erfreut sich der 53‐Jährige nun bester Gesundheit: »Ich müsste nur ein paar Kilo abspecken.« Dabei zeigt er auf seinen Bauch.
Friedman gehört zu einer kleinen Zahl an Patienten aus dem nichteuropäischen Ausland, die in den Genuss einer Organtransplantation in Deutschland kommen. Tatsächlich gibt es in Deutschland einen Mangel an Spenderorganen. »Eine Schande für unser Land«, sagt Roland Hetzer.
Rabbiner Abraham Steinberg aus Jerusalem, der zum Symposium »Herzen ohne Grenzen« von DHZB und Jüdischem Krankenhaus nach Berlin gereist war, hält dies vor allem für ein Aufklärungsproblem: Man müsse den Menschen beibringen, »dass Lebensrettung Vorrang hat vor anderen Prinzipien wie der Achtung vor dem verstorbenen Körper«. Dies brauche aber Zeit. Ein weiteres Problem ist die Definition des Todes: In den meisten europäischen Ländern ist eine Organentnahme erlaubt, wenn der Hirntod, aber noch nicht der Herztod festgestellt wurde.
Solche medizinischen, ethischen und rechtlichen Themen standen beim Berliner Symposium im Mittelpunkt. Es ging aber auch um Kontaktpflege, gerade mit israelischen Krankenhäusern. »1986 habe ich bei dem ersten Patienten aus Israel eine Transplantation vorgenommen«, erzählt Roland Hetzer. »Damals war aber die Nachsorge noch nicht gewährleistet: Wir schickten den Patienten nach Hause, und er starb zwei Wochen später.« Heute ist die Nachsorge in Israel gut, Shmuel Fridman ist der lebende Beweis. Einmal im Quartal wird er in Tel Aviv gründlich untersucht. Die Ergebnisse gehen sofort nach Berlin. Für den Patienten eine beruhigende Lö‐
sung, für die Ärzte ein Paradebeispiel der Kooperation, die sie anstreben. sn

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