Salomon Korn

„Ideal wäre ein Wort zum Wochenende“

Herr Korn, das ZDF will ein „Wort zum Freitag“ für Muslime ins Programm nehmen. Sie plädieren stattdessen für ein „Wort zum Wochenende“. Warum?
korn: Weil ein solcher Sendeplatz oder ein derartiges Online‐Angebot nicht nur einer religiösen Minderheit in Deutschland eingeräumt werden darf. Es sollte nicht der Eindruck erweckt werden, dass eine bestimmte religiöse Minderheit bevorzugt wird. Alle Religionsgemeinschaften haben grundsätzlich gleiche Rechte und müssen insofern mit gleichen Rechten an solchen Sendungen beteiligt werden.

Die Religionen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre moralischen Grundsätze vorzustellen. Wie könnte das geschehen?
korn: Es wäre ideal, wenn für alle ein „Wort zum Wochenende“ oder „zur Woche“ eingerichtet werden würde, immer am selben Tag und zur selben Stunde. Ziel ist es weniger, dass die Religionsgemeinschaften ein Forum erhalten, um missionarisch tätig zu sein. Es geht eher darum, dass ein solcher Sendeplatz der Gesellschaft zeigen soll, welche religiöse Vielfalt in Deutschland herrscht. Dazu gehören natürlich auch die Agnostiker und Atheisten. Das dürfte die Mehrheit sein. Und es ist wichtig, zu erfahren, welche Werte diese Menschen leiten.

Welche jüdischen Inhalte könnten über den Bildschirm in deutsche Wohnzimmer transportiert werden?
korn: Die Inhalte und Werte, die das Judentum seit über 2.000 Jahren trägt und von denen es getragen wird. Vor allem, dass das Judentum eine tätige Solidargemeinschaft ist, die unter anderem diese unvollkommene Welt durch Wohltätigkeit gerechter zu gestalten sucht. Es sollten die Werte des Dekalogs vermittelt werden – aus jüdischer Sicht.

Das ZDF will nicht nur Imame über den Islam sprechen lassen. Heißt das, dass es nicht allein Rabbinern vorbehalten wäre, über das Judentum zu reden?
korn: Dafür würde ich plädieren, weil es auch innerhalb des Judentums eine Vielfalt gibt. Das Judentum ist ebenso wenig wie der Islam eine monolithische Religion, sondern hat viele Ausrichtungen. Daher rate ich, alle Richtungen zu Wort kommen zu lassen. Auch damit das Vorurteil in der Gesellschaft abgebaut wird, es handle sich beim Islam oder beim Judentum um eine starre, festgefügte Religion, die nur eine einzige Richtung kennt und nicht die Vielfalt des Lebens und des Glaubens durch unterschiedliche Ausrichtungen widerspiegelt.

Mit dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

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